Wachstum ist eine Sackgasse

„Eigentlich wissen wir alle, dass jedes materielle Wachstum in einem endlichen Raum irgendwann aufhört, das Bevölkerungswachstum macht da keine Ausnahme. Die Frage ist also nicht ob, sondern nur wann wir stoppen, wie wir den Übergang zu einer nachhaltigen, materiell nicht mehr wachsenden Gleichgewichtsgesellschaft schaffen, und wie viel unnötige Schäden wir dabei anrichten. Dieses Wachstum ist eine Sackgasse; ist es intelligent dabei noch richtig Gas zu geben, oder sollte das unvermeidliche Abbremsen nicht besser langsam und vorausblickend erfolgen?

Diese Frage betrifft zuallererst die Schweiz, für die wir eine direkte politische Verantwortung haben, sie betrifft aber auch die übrige Welt, der gegenüber wir eine moralische Mitverantwortung tragen. Wirtschaftswachstum, manchmal schönfärberisch auch als „qualitatives Wachstum“ oder „nachhaltiges Wachstum“ bezeichnet, hat sich als zentrales Ziel von Politik und Wirtschaft in unseren Köpfen und Herzen festgesetzt, ist zu einem nicht mehr hinterfragbaren Dogma geworden. Der Glaube an die positive Wirkung von nationalem Wirtschaftswachstum hat sich fast überall ausgebreitet. Bhutan mag eine der letzten Ausnahmen sein. Alle parlamentarischen Parteien, auch die Grünen, wollen Wirtschaftswachstum. Kein grösserer Umweltverband, keine Entwicklungsorganisation, selbstverständlich kein Wirtschaftsverband, keine religiöse Gemeinschaft erhebt hörbar eine Stimme gegen diese langfristige Unmöglichkeit. Statt die Treiber hinter der globalen Zerstörung anzugehen, konzentrieren wir uns auf technische Optimierungen und Symptombekämpfung. Natürlich sind Katalysatoren bei Autos oder sparsame Motoren hilfreich, ist das globale FCKW-Verbot zum Schutz der oberen Ozonschichten ein wichtiger Erfolg. Aber das materielle Wachstum frisst all die technischen Verbesserungen wieder auf. Die Reduktion der wildlebenden Wirbeltiere um 52% zwischen 1970 und 2010, oder der global, trotz aller Anstrengungen weiter exponentiell wachsende Primärenergieverbrauch – ein Hauptgrund für das Nichterreichen der Klimaschutzziele und gleichzeitig ein Indikator für generell wachsende materielle Stoffflüsse – demonstrieren die Unfähigkeit der Menschheit, die grundlegenden Treiber zu erkennen und langfristig anzugehen.“ (Dr. Benno Büeler, Präsident Initiativkomitee ECOPOP, in ECOPOP-Bulletin Nr. 69, Februar 2015, Seite 1-2).

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