Geheuchelte Toleranz

Zürich, 16. Januar 2015. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga betritt die Bühne. Sie wird dabei nicht von einem frenetischen, aber doch von einem respektzollenden, warmen Applaus begrüsst. Während ihrer Rede bezichtigt sie die SVP der Menschenrechtsfeindlichkeit und macht generell ihrem Unmut über die Volkspartei Luft. Nach ihrer Ansprache verlässt sie die Bühne unter Applaus des Publikums. Bei besagtem Anlass handelt es sich nicht etwa um einen SP-Parteitag, sondern um die Albisgüetlitagung der SVP.

Anders erging es Neo-SVP-Mitglied Roger Köppel, den die Rede Sommarugas dazu bewogen hatte, für die Nationalratswahlen zu kandidieren. Einen Tag nachdem er seine Kandidatur bekanntgegeben hatte, wurde er während den Swiss Music Awards im Hallenstadion von der staatssubventionierten Künstlerszene ausgebuht und beschimpft.

Die von Umverteilungsprofiteuren und Gutmenschen gepredigte Toleranz findet jeweils dort ihr jähes Ende, wo die Meinung anderer nicht mit der eigenen Weltanschauung übereinstimmt. An einer Demonstration von JUSO-Mitgliedern und Linksautonomen in Bettwil verunglimpften die Teilnehmer die Einwohner der Aargauer Gemeinde als «Nazis», nachdem diese sich gegen eine Asylunterkunft auf ihrem Grund gewehrt hatten. Sie skandierten: «Bomben auf Bettwil!»

Selten jedoch bleibt es bei verbaler Gewalt: Während einer Demonstration der SVP in der Bundesstadt im Jahr 2007 legten die Propheten der Toleranz aus dem linken Dunstkreis der Berner Reitschule halb Bern in Schutt und Asche. Dank der von Links vehement verteidigten Antirassismus-Strafnorm wird heute ganz legal staatliche Gewalt gegen Andersdenkende initiiert. SVP-Sekretariate sowie Häuser von SVP-Nationalräten wurden oft von linken Vandalen heimgesucht oder sogar angezündet, und SVP-Nationalrat Hans Fehr wurde bei seinem Spaziergang ans Albisgüetli zu Boden geworfen und mit Fusstritten traktiert.

SP-Präsident Christian Levrat verkündet in der neusten Ausgabe der SP-Mitgliederzeitschrift «Links»: «Die SVP will eine Schweiz der Abschottung und der Angst. […] Wir auf der anderen Seite wollen eine Schweiz der Toleranz, eine Schweiz der Aufklärung.» Voltaire, einer der einflussreichsten Autoren der Aufklärung, soll einmal gesagt haben: «Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.» Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, dass Levrat seine Wähler wieder einmal an die Werte der Aufklärung erinnert. Allenfalls würde sich dafür eine Bildungsreise ans Albisgüetli anbieten.

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