Gedanken zum Tod von Kurt Imhof

Ich mochte ihn nicht. Er war mir zu laut. Und hängte für meinen Geschmack auch etwas zu stark den Sunnyboy raus. Die Studentinnen standen wohl alle auf ihn. Er gab sich auch immer ganz locker, gar nicht der Professor, was mir zwar eigentlich gefallen müsste, aber eben, ich nahm es ihm nicht wirklich ab. Sah das eher als eine Art Strategie, seine Bewunderinnen noch mehr in seinen Bann zu ziehen. Auch sein Hang zu "Alt 68er"-Getue ging mir auf die Nerven.

Aber eben, a.) soll man über Tote nichts Schlechtes sagen und b.) geht mich das alles nichts an.

Angehen tut uns aber seine Message, seine eindringlichen Mahnungen in Sachen schleichender Zerfall der Medienqualität. Die NZZ schreibt...

Frucht seiner unbändigen Arbeitslust waren unzählige Publikationen, die sich mit der Krise der medial vermittelten Öffentlichkeit, mit der Gefährdung des Privaten durch die alle Lebensbereiche durchdringenden Medien und mit der Unterwanderung des an der Vernunft orientierten Diskurses durch die Ökonomisierung der journalistischen Arbeitsprozesse befassten.

und

Den grössten Widerstand provozierte Imhof mit dem 2010 erstmals erschienenen Jahrbuch zur Qualität der Medien, das einen negativen Trend hinsichtlich der aufklärerischen Leistungen der Schweizer Medienerzeugnisse kenntlich machte und das diesen Befund seither bestätigt hat. Von da an wurde Imhof für einflussreiche Personen in der Verlagsbranche zum roten Tuch. Er wurde dabei selber zur Zielscheibe dessen, was er als fragwürdigen Trend diagnostizierte: Journalismus im Dienste von Konzerninteressen, Reduktion von Sachfragen auf Personalisierung, Rudeljournalismus und mangelnde Sachkompetenz.

Kein Wunder, machte er sich nicht nur Freunde. Vor allem nicht in Verlegerkreisen. Dem Vernehmen nach (siehe entsprechenden Kommentar im obigen Artikel) verbot er seinen Studenten gar, eine "20 Minuten" oder einen "Blick am Abend" in die Vorlesung mitzunehmen; dies macht ihn mir schon fast wieder sympathisch...

Wagen Sie ruhig mal einen Blick auf sein Werk. Zum Beispiel hier. Das meiste haben Sie zwar auch schon gewusst (wie oft bei akademischen Arbeiten), aber dennoch werden interessante Details und Zusammenhänge aufgezeigt.

Die Medien und ihre Qualität haben in den letzten Jahren markant abgegeben. Um dies zu erkennen, bedarf es zwar nicht mal mehr eines Professors, aber eben, auf ihn hörte man wenigstens.

Ich zum Beispiel habe kein Zeitung mehr abonniert. Es lohnt sich schlicht nicht mehr. Der Tagi ist nicht mehr viel mehr wert als seine Gratisversion und gespickt von unausgegoren recherchierten Texten und erst noch voller Rechtschreibefehler (die Lektorenstelle wurde wohl weggespart? Die Wordrechtschreibekorrektur tut es ja auch?) Das meiste vom Internet abgeschrieben. Die NZZ scheint noch eine der wenigen Qualtätszeitungen zu sein. Aber eben, wer zahlt noch für Information?

Hier müssen wir uns wohl alle selber an der Nase nehmen, dies sei auch explizit im Zusammenhang mit der ganzen BILLAG-Debatte erwähnt. Meine Meinung hierzu ist hier in diesem Forum bekannt, aber die Qualitätsdiskussion muss geführt werden. So oder so...

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