Der Frankenschock ist ein passender Begriff: Wir haben noch immer nicht ganz begriffen, was passiert ist. Und vor allem wissen wir nicht, was zu tun wäre.

Das Unverständnis beginnt schon ganz am Anfang, dem Geld. Die meisten Politiker und die Mehrheit der Banker wissen nicht, was Geld im Grunde ist: Ein Anrecht auf einen bestimmten Anteil der volkswirtschaftlichen Produktion.
Und wie entsteht dieses Recht? Es entsteht durch eigene Leistung. Man liefert etwas und erhält anstatt einer sofortigen Gegenleistung ein übertragbares Recht auf späteren Bezug. Je sicherer dieses Recht, desto besser das Geld.

Nur: In der Welt der Banken entsteht dieses Geld nicht durch Leistung, sondern durch das Versprechen, die Leistung erst noch zu erbringen. Das sind die Kredite, aus denen unser Geld zu rund 85 Prozent besteht. Und weil diese Versprechen nicht mehr eingehalten werden können, sind die Zentralbanken dazu übergegangen, sie aufzukaufen und mit weiteren Rechten zu bezahlen, die nicht eingelöst werden können. Das Geld wird folglich immer wertloser, das Recht zum Unrecht.

Was tun jetzt die Investoren dieser Welt? Sie schauen sich um, wo diese Rechte noch vergleichsweise sicher sind – und kaufen Schweizer Franken. Sein Wert steigt, angetrieben durch die spekulative Erwartung. Unsere Produkte werden teurer, die Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Die Antwort kann natürlich nicht darin liegen, in diesem Wettlauf Arbeitsplätze auszulagern, bis wir gar nichts mehr zu tun haben oder so effizient zu werden, bis sich der Mensch in eine Maschine verwandelt hat.

Die einzig vernünftige Lösung: Schweizer Franken gibt es nur noch, wenn damit auch Güter und Dienstleistungen aus der Schweiz gekauft werden. Die notwendigen Kapitalverkehrskontrollen werden wir vermutlich erst einführen, wenn es zu spät ist. So gesehen gilt: Nach dem Schock ist vor dem Schock.
[Mehr dazu: http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/nach-dem-schock-ist-vor-dem-schock.html)

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