Essen ist zum Essen da, nicht zum wegwerfen!

Als ich letzten Sonntag in einer Zürcher Landbeiz vergnügt auf mein "Cordon Bleu Sternenberg" wartete und sich in der Vorfreude schon die entsprechenden Speichel und Säfte bei mir bereit machten, las ich in der Sonntagszeitung einen Text, der mir tatsächlich für ein paar Minuten die Laune zünftig verderben konnte.

http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_22_02_2015/gesellschaft/Gekauft-gekuehlt-gekuebelt-27890

Leider ist nur die Kurzform online verfügbar. Denn in der Printversion hatte diese Dumpfb.., naja, diese Journalistin, schön säuberlich aufgeführt, was sie während einer Woche alles an Lebensmitteln weggeworfen hat. Diese Person brachte es fertig, einwandfreie Lebensmittel im Wert von 100 Franken innerhalb einer Woche in den Müll zu schmeissen. Wohlverstanden, ich spreche jetzt nicht mal von den Zwiebeln, die, welch ein Graus, sich erlaubt haben zu treiben zu begingen (schon mal was von einem Messer gehört? Oder meinetwegen, dann setz sie in einem Blumentrog, hast Du später wunderbare Frühlingszwiebeln). Nein ich spreche von 12 weggeworfenen Schinkengipfel, die Gäste übrig liessen. Ja, dann friss sie doch am Morgen zum Frühstück! Oder von 20 (sic) Canapées, die sie fortwarf. Oder den kompletten Salatkopf der dran glauben musste, da ja schon bereits einer gekauft war. Noch besser die einwandfreie und noch original verpackte Schokolade und das nicht angebrochene Pommes Chips Päckli: ab in den Müll, denn ab heute ist wieder fitten angesagt. Mann, die hat sie doch nicht mehr alle?

Gemäss www.foodwaste.ch ist das Problem mit den grundlos weggeworfenen Lebensmittel auch so schon gross genug. Ein Drittel aller Lebensmittel landen in der Schweiz im Müll. Würde man diese grundlos weggeworfenen Lebensmittel in Lastwagen verladen, dann ergäbe dies eine stehende Lastwagenkolonne von Zürich bis nach Madrid. Aber wenn ich obigen Text lese, dann bin ich fast erstaunt darüber, dass es "nur" ein Drittel ist. Würde also bedeuten die Dame von der Sonntagszeitung ist etwas aus dem Tritt und nicht der Otto Normalo, der halt leider ab und an auch was wegwerfen muss und ja, eigentlich auch froh wäre wenn man hierzulande von diesem Drittel runter käme.

Hm, diese fleissige Journalistin erklärt uns, wie das geht: Einen Einkaufszettel schreiben! Krass, eine geniale Idee. Wir alle wären nie darauf gekommen. Geht aber noch weiter: Gemüse und Früchte so lagern dass sie nicht so schnell faulen? Der Hammer, da holt man wirklich was raus, woher die Frau nur diese genialen Ideen her hat? Und ja künftig lieber ein kleineres als ein grösseres Brot kaufen. SAGENHAFT!

Ja, definitiv, wenn diese Frau Silvia Aeschbach den Schnitt der Schweizer Bevölkerung darstellte, dann würden wir wohl gleich die Hälfte unserer Lebensmittel wegwerfen. Tatsächlich bin ich mir nicht mal sicher,ob ich mich in erster Linie ab ihr oder eben ab der Nahrungsmittelverschwendung aufregte.

Hier ein ganz anderes Experiment. Zwei Kanadier versuchen 6 Monate vom Müll zu leben. Klappt hervorragend. Das Problem ist eher, dass sie Lebensmittel weiter verschenken müssen, soviel haben sie.

http://www.srf.ch/sendungen/dok/abfall-auf-dem-teller

Es muss niemand im Müll rumwühlen, der das nicht will. Aber eben, wir mössen wieder Vermehrt Achtung und Respekt vor den Nahrungsmitteln haben. Gerade aus altem Brot lässt sich noch einiges machen.

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