Energie- statt MWSt-Initiative: Ja aus Begeisterung, oder nur das kleinere Übel? Der "soziale" Aspekt.

Die MWSt ist die unsozialste Steuer der Schweiz. Umso unbegreiflicher, dass sie allenthalben als ach so grossartig gepriesen wird.

Die Initiative Energie- statt Mehrwertsteuer will diese unsoziale, ja unfaire MWSt abschaffen und durch eine Energiesteuer ersetzen.

Wie sähe das im einzelnen aus, was für Folgen sind für die Haushalte zu erwarten? Wenn man den Initianten glauben darf, dann sollte das Ganze staatsquotenneutral umsetzbar sein. Als sog. Geringverdiener muss ich da die Ohren genauer spitzen, schliesslich machen bei einem tiefen Einkommen die Steuern und Abgaben einen grossen Teil des Budget aus und die MWSt schlägt natürlich anteilmässig viel mehr zu Buche als bei Leuten mit hohen Einkommen. Aber ja, natürlich sind auch meine Energiekosten anteilmässig höher als bei anderen; Lampe ist Lampe, ob die bei mir, oder bei Blochers zuhause brennt. Umsteigen auf ein effizienteres Auto ist evtl. nicht finanzierbar, dafür wird man mit höheren Steuern bestraft, weil man länger mit der alten Klapperkiste rumfährt?

Hm, insgesamt ist das wohl nicht wirklich ein Problem, ja verbrauchen "Arme" doch deutlich weniger Ressourcen als "Reiche". Wenn man mal beim Auto bleiben will; die Penisprothese Maserati Quattroporte zum Beispiel stösst 365 Gramm Co2 pro Kilometer aus und verbraucht 14,7 Liter Benzin auf 100km. Ein Auto für "Arme", der Daihatsu Cuore, der nun wirklich nicht neu (soviel zum Märchen effiziente Autos seien nur für Gutbetuchte erschwinglich), stösst 104 Gramm Co2/km aus und verbraucht 4,4 Liter auf Hundert Kilometer.

Auch sonst sieht es eher gut aus: denke man nur an den Energieverbrauch einer kleinen Zweizimmerwohnung im Vergleich mit einer Villa, da muss man wohl gar nicht erst gross anfangen zu rechnen.

Der Hund liegt natürlich ganz wo anders begraben: Graue Energie, z.Bsp. bei den Lebensmitteln. Lebensmittel stellen für einen sozial schlechter gestellten Haushalt jetzt schon viel den höheren Anteil am Budget dar, als für den besser gestellten. Nüsslisalat bleibt Nüsslisalat, ob ihn Frau Blocher kauft, oder ich.

Hm, trotzdem bin ich geneigt, der Initiative zuzustimmen. Denn im Gegensatz zur MWSt, kann ich bei der Energiesteuer meinen Steueraufwand beeinflussen. Etwa indem ich regionale und saisonale Lebensmittel kaufe, etwas was ich ohnehin schon tue, aber bei Annahme der Initiative dürften diese Produkte eher günstiger werden, derweil die herkömmlichen Produkte (Basillikum aus Südafrika) viel teurer werden. Gesunde und naturnahe, regionale und saisonale werden erschwinglicher, die anderen teurer. Also genau umgekehrt wie heute, wo viele "Arme" sich auch mit Bioprodukten ernähren würden, diese sich aber nicht leisten können. Eine Winwin-Situation: sozial Schwache können sich vernünftiger ernähren und es wird Energie gespart.

Im Wissen, dass diese Initiative in der Umsetzung so ihre Tücken haben wird (was machen wir zum Beispiel dann, wenn alle fleissig Energie sparen? Dann kommt nichts mehr in die Kasse, ähnliches Dilemma wie bei der Tabaksteuer), tendiere ich aus obigen Überlegungen stark für ein Ja. Eigentlich gibt es nur zu gewinnen.

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