Von Kobane und der Demagogie der PEGIDA

Es war ein unfassbarer Kraftakt: Die Belagerung der von kurdischen Volksverteidigungseinheiten gehaltenen Stadt Kobane gegen die barbarischen Horden des IS. Mit dem Mut der Verzweiflung gelang es der mangelhaft ausgerüsteten YPG in einem monatelangen Kampf den mit Öldollars aus Saudi-Arabien, Katar und den Emiraten finanzierten Islamisten stand zu halten. Es sollte ein Sieg werden, den wohl im September 2014 noch niemand erwartet hatte. Trotz der prekären Lage nahmen die Milizen der YPG die Angehörigen anderer Ethnies wie die Yeziden von ihrem Verteidigungskampf nicht aus. So waren die kurdischen Milizionäre die einzige wirklich nennenswerte Kraft, die den von IS-Kämpfern eingeschlossenen und vom Genozid bedrohten Yeziden im Shingal-Gebirge zu Hilfe zu eilen.

Der Kampf der YPG ist zu einem Fanal im Kampf gegen den Fundamentalismus geworden. Gleichzeitig nehmen auch Kräfte in Mitteleuropa für sich in Anspruch diesen Kampf zu führen. Die PEGIDA wabert dabei mit ihren Parolen am medienwirksamsten durch die Kanäle. Die diffuse Bewegung ist enorm heterogen und trotz des Stolperns über Hitler-Bilder ihres Anführers Lutz Bachmann immer noch existent. In ihrem Manifest vermischten sie sodann auch, ihrer kruden Aufstellung entsprechend, die Fragen von Migration, der Flüchtlingsfrage und sogar der Frage von Emanzipationspolitik (sie nehmen den Kampf gegen den Genderwahn für sich in Anspruch) ziemlich plump miteinander. Ein Punkt fällt in ihrem Programm im Hinblick auf die Kämpfe in Syrien auf: Die PEGIDA fordert, dass verfassungsfeindliche und verbotene Organisationen (namentlich wird die PKK genannt) nicht unterstützt durch Lieferung von Waffen werden dürfen. Dass die. In der Schweiz wurde die Forderung von der Facebook-Präsenz PEGIDA Schweiz ebenso übernommen. An Waffenlieferungen an Staaten wie Saudi-Arabien wird jedoch nichts bemängelt.

Die PEGIDA offenbart hierin weiter ihren politischen Charakter. Neben der politischen Zugehörigkeit ihres ehemaligen Sprechers zu einer rechtsaussen Politsekte, kann die Ablehnung der Unterstützung derer, die den Kampf gegen den Islamismus direkt führen nur als ein weiteres Merkmal der rechten Politisierung der PEGIDA gewertet werden. Einzig in ihrer linken Politisierung liegt der Grund dafür, dass Waffenlieferungen an Organisationen wie die PKK und damit auch der Schwesterorganisation YPG abgelehnt werden. Was da unter dem Deckmäntelchen einer "Volksbewegung" daherkommt und für sich in Anspruch nimmt für westliche Werte einzutreten, ist damit am Ende nichts weiteres als eine Seilschaft migrationsfeindlicher und rechter MöchtergernnonkonformistInnen.

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