Saufen und Rauchen auf Kosten der Allgemeinheit ist OK. Autofahren lieber nicht.

So zumindest der Tenor im Moment, in Sachen Dauerbrenner "Sozialhilfeempfänger mit eigenem Auto"...

Naja, wenigstens liess letzten Montag der Zürcher Kantonsrat etwas Vernunft walten, wenn auch nur sehr knapp: Doch kein Autoverbot für Sozialhilfebezüger.

Hier die Fakten (Kanton Zürich):

  • 10% aller Sozialhilfebezüger haben überhaupt ein eigenes Auto
  • 90% dieser 10% haben gemäss SKOS-Richtlinien Anspruch auf Kostenbeteiligung an ein eigenes Auto, sei dies, weil sie behindert sind, Nachtarbeit verrichten oder das eigene Auto die Existenz darstellt (selbstständige Kuriere oder Taxihalter etc.)
  • 10% dieser 10% haben ein eigenes Auto, ohne dass sie dafür Zuschüsse bekommen. D.h. sie können dieses Auto behalten, wenn es nicht mehr als 4000 Franken wert ist, resp. das Gesamtvermögen inkl. Auto weniger als 4000 Franken beträgt. Sie bekommen keine wie auch immer geartete Zuschüsse an das eigene Auto. Will heissen, der Unterhalt dieses Autos wird vom Klienten durch den sog. "Grundbedarf für Lebensunterhalt" (im Kanton Zürich 986 Franken monatlich) gedeckt.

Zum Glück darf momentan der Sozialhilfeempfänger mit dem Grundbedarf immer noch machen was er will. Er ist ja schliesslich nicht bevormundet. Wenn er auf neue Klamotten verzichten kann, ab und an Cervelat und Spaghetti isst, dafür nicht auf seine alte Klapperkiste verzichten will (wieviele Autos gibt es im Wert unter 4000 Franken?), wer will ihm dies denn verwehren? Und mit welchem Recht?

Ganz abgesehen davon, dass es Wohnungen gibt, die abgelegen liegen und durch den öV nicht oder nur kaum erschlossen sind. Dafür günstig und eigentlich schadensmindernd. Naja, das interessiert ja das Sozialamt wiederum nicht, bis 1100 Franken pro Einzelperson wird an die Miete bezahlt, basta. Kein Wunder, gibt es in der Stadt Zürich immer mehr kleine, vergammelte und verschimmelte Löcher zum Preis von exakt 1100 Franken im Monat.

Das eigene Auto kann auch ein erster Schritt zur Wiedereingliederung sein. Man denke nur an das Zeitungen ausfahren früh morgens. Man denke an unangenehme Jobs, wie beim Schlachthof oder so, wo eine der elementaren Bedingungen ein eigenes Auto ist.

OK, zum Glück wurde dies ja eingesehen, aber eben, es war ein Zufallsentscheid.

Auch noch interessant (lässt das Sozialamt offenbar kalt):

http://www.beobachter.ch/geld-sicherheit/sozialhilfe/artikel/sozialhilfebezueger_autofahren-mit-sozialgeld/

Ein starker Raucher gibt im Monat zwischen 210 und 450 Franken für Zigaretten aus, was nicht verboten ist. Gemäss Touring-Club rechnet man bei einem gebrauchten Kleinwagen monatlich mit 350 bis 500 Franken Betriebs- und Unterhaltskosten.

Durchaus ordentliches Bier gibt es im Denner übrigens ab 50 Rappen die Halbliterdose, auch da ist man dem Sozialamt zu keiner Auskunft verpflichtet.

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