Ziel des Wirtschaftens ist Zufriedenheit der Leute!

Das Ziel des Wirtschaftens ist nicht, Vollbeschäftigung zu haben oder Sozialprodukt herzustellen, sondern die Menschen zufrieden zu machen. Und: Zufriedenheit ist nicht in erster Linie eine Frage des Lohnes.

Die Modellvorstellung des Homo oeconomicus (Handeln am Kosten-Nutzen-Kalkül) war und ist wissenschaftsgeschichtlich ungeheuer erfolgreich. Die Grenzen dieses Modells müssen aber im Auge behalten werden. Was motiviert die Menschen zum Handeln? Neben der Aussicht auf bessere Entlöhnung gibt es auch Situationen, in denen monetäre Anreize nicht viel ausrichten. Zum Beispiel bei schlecht zu kontrollierenden Arbeiten. Es kommt häufiger vor, als man vielleicht denkt, dass Vorgesetzte nicht genau wissen, was ihre Untergebenen tun. In solchen Fällen ist eine Firma auf intrinsisch – „von innen her kommend“ – motivierte Mitarbeiter angewiesen, also auf Leute, die sich von ihrem Interesse und ihrer Freude an der Arbeit leiten lassen. Wer nur nach dem messbaren Output bezahlt, zerstört möglicherweise die Kreativität seiner Mitarbeitenden, weil sie sich Fehlschläge bei der Suche nach neuen Lösungen nicht erlauben können und sie sich deshalb bei ihrer Arbeit immer auf der sicheren Seite bewegen.

Auch die Kriterien „Altruismus“ und „Fairness“ beeinflussen unser Verhalten stark. Die Konzeption des Individuums, wie sie bisher in der Ökonomie vorherrschte, muss erweitert und zum Teil auch in Frage gestellt werden. Der Homo oeconomicus ist lediglich die triviale Variante des Handlungssubjektes.

Wie sollen die Institutionen und Regeln in einer Gesellschaft ausgestaltet sein, damit die Einzelnen aus sich heraus glücklich werden können? Die Bedürfnisse der Individuen und nicht ihre Produktivität sind der letzte Massstab für die Beurteilung einer Gesellschaft. Wir brauchen zwar eine produktive Gesellschaft, aber nur, damit wir uns zumindest partiell von ökonomischen Zwängen befreien können. (Auszug aus Interview mit E. Fehr und B.S. Frey: Leistungslöhne zerstören Kreativität, in ZVINFO vom März 2006).

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