Institut für Rechtsmedizin; Willkür und erst noch eine Lizenz zum Gelddrucken?

Im Oktober vergangenen Jahres musste ich mich einer Fahreignungsabklärung am Institut für Rechtsmedizin unterziehen. Es ging darum, abzuklären, ob mit meiner Erkrankung meine Tätigkeit im berufsmässigen Personentransport weiterhin möglich sei. Im Gegensatz zum PKW oder Motorrad (Gruppe 3) unterliegt dieser strengeren Vorschriften (Gruppe 2): Medizinische Mindestanforderungen

Mir war etwas mulmig zumute, hörte und hört man ja immer wieder davon, dass dort "Klienten" etwas unwirsch und grob behandelt werden und vor allem sich ab und an im Ton vergriffen wird.

So weiss ich von einem Taxikollegen, dem doch relativ unsanft nahegelegt wurde, seine berufliche Tätigkeit besser aufzugeben, er sei ja schliesslich schon ein etwas "alter Chasperli". Als dieser sich wehrte, wurde er natürlich zu einer Prüfungsfahrt verknurrt. Zum Glück intervenierte mein Chef und beharrte darauf mitzufahren, hat man dort nicht so gern. Naja, wenn natürlich der Boss mit im Auto sitzt und die Fahrt perfekt abläuft, wird es dann halt etwas schwierig, erfundene Defizite zu kommunizieren. So wurde dem betreffenden Kollegen (offenbar zähneknirschend?) die Bewilligung weiterhin erteilt. Leider ist er dann kurz darauf verstorben (auf der Piste, unverschuldet).

Zurück zu meinem Termin. Meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Nach "nur" einer halben Stunde im Wartezimmer wurde ich von einem überaus freundlichen Weisskittel begrüsst und ins Untersuchungszimmer geführt. Was dann folgte, würde der Laie wohl als eine doch ganz normale allgemein medizinische Untersuchung bezeichnen. Dazu noch zwei oder drei Logikübungen und ja, relativ viel Papierkram. Reflexe wurden auch noch geprüft. Danach musste man noch seinen Urin abliefern. Dauer der ganzen Prozedur: ca. 1,5h. Zuerst wollte man mir noch einen Drogenkonsum andichten (der Urin reagierte positiv auf ein bestimmtes Opiat). Nach heftigster Intervention meinerseits, wurde der Urintest wiederholt und schwupps war nichts mehr da vom Opiat. Unnötig zu erwähnen, dass mir in der Zwischenzeit eine Haarprobe angedroht wurde (mit all den damit verbundenen Kosten).

So, jetzt haben wir Mitte Januar. Der Leser meint wohl, ich habe nun endlich den Entscheid kommuniziert bekommen? Denkste! Ich weiss immer noch nichts. Ich weiss nur, dass ich privat Auto fahren darf, viel mehr weiss ich nicht. Aber eine Rechnung habe ich heut bekommen: "Zeugnisfall" (sic) mit Gutachten: Fr. 852.90 und Urinscreening Fr. 70.-- macht zusammen Fr. 922.90, zahlbar innert dreissig Tagen. Wohlverstanden, ich, meine Firma, meine Taggeldversicherung, mein Arzt warten seit Monaten sehnlichst auf den Entscheid, aber nichts, kann nicht dienen. Hauptsache ich habe die Rechnung bekommen.

Ich werde diese nicht bezahlen und mich ggf. betreiben lassen.

Es geht mir überhaupt nicht darum, hier öffentlich dreckige Wäsche zu waschen. Fehler kommen überall vor. Es geht mir viel eher darum, so eine Art Systematik aufzuzeigen. Dies auch im Wissen, dass es namentlich im Taxigewerbe zum Beispiel auch viele Ausländer gibt, die sich nicht zu wehren getrauen. Die meinen, man müsse sich solche Dinge bieten lassen. Meines Erachtens nutzen diese und ähnliche Institutionen nur ihre Macht aus. Ja, wenn man nicht in der Schweiz wäre, dann käme man durchaus auf den Gedanken, dem Arzt nach der Untersuchung schnell noch diskret ein Hunderternötli zuzustecken? Vielleicht wäre das die Idee gewesen? Dann wäre das ganze in nürtzlicher Frist abgelaufen? Ich Idiot aber auch.

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