Kleiner Faktencheck zu RTDeutsch

Die Begriffe Qualitäts- und Leitmedien verkommen in einigen Foren zu Schimpfwörtern. Dagegen wird zum Beispiel die Seite von RTDeutsch in den Himmel gelobt. Eine Seite, die vom russischen Staat finanziert wird.

Heute gab es einen interessanten Artikel zu Navalny. Auf Spiegel.de liest es sich so. Dort ist die Verurteilung politisch motiviert. Auf rtdeutsch.com wird die Geschichte anders erzählt, dort ist er ein Wirtschaftsverbrecher. Ich möchte nicht einmal auf diese Sache eingehen, sondern Sie auf eine andere Passage hinweisen.

Russland sperrte eine Facebook-Seite, die auf einen Protest hinwies. Um dies zu rechtfertigen, wies die Website darauf hin, dass in Deutschland viel öfter gesperrt wird. Man rechtfertigt die eine Sache, mit dem anderen. Um aber nicht nur einen defensiven Satz zu bringen, geht man auch gleich in die Offensive gegen die USA und behauptet: 5.000 zu Null – USA schlägt Russland beim Ausspionieren seiner eigenen Bürger.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Überwachung wurde jedenfalls laut Statistik keine einzige Seite gesperrt. Dafür wurden in den USA gern Nutzerdaten abgerufen – über 15.000 mal.

Wer die Hintergründe nicht kennt, könnte sich tatsächlich alleine über die USA empören und denken, Russland sei viel besser. Nur wurden Sie dann als Leser hereingelegt. In Russland spielt Facebook nämlich keine relevante Rolle. Das meist genutzte Social Media Netzwerk ist VKontakte mit 34.3 Millionen User (Stand 2012). Facebook dagegen steht abgeschlagen an vierter Stelle mit nur 3.5 Millionen Usern. In der Zwischenzeit dürfte sich dies noch viel stärker zugunsten von VKontakte entwickelt haben.

Dem Leser wird verschwiegen, dass Facebook in Russland irrelevant ist. Und noch viel mehr wird unterschlagen.

Bis dato zapfte die russische Regierung den Internetverkehr direkt bei den Providern ab. Für vieles musste gar nicht nachgefragt werden. Und seit diesem Jahr werden die Social Netzwerke verpflichtet, eine direkte Leitung zu den Geheimdiensten zu legen.

Wer sich RTDeutsch als Alternative anschaut, sollte sich genau überlegen, wann er von der anderen Seite politisch instrumentalisiert wird.


Dieser Teil ist Spekulation und es steht Aussage gegen Aussage. Urteilen Sie selbst:

Was in Russland passiert, bekommen die Regierung "gratis". Und wenn Russland etwas über das Ausland wissen möchte, zum Beispiel über die Ukraine? Dann lesen Sie einmal, was dem Gründer von VKontakte Pavel Durov passierte, als Russland die Herausgabe von Daten prowestlicher Aktivisten in der Ukraine verlangt.

Er habe dies abgelehnt, aber danach seinen Unternehmensanteil in Höhe von zwölf Prozent verkaufen müssen.

Sie können sich vorstellen, was darauf passierte?

Der VKontakte-Investor United Capital Partners, der 48 Prozent an dem Social Network besitzt, bestreitet laut einem Bericht der Moscow Times Durovs Darstellung. Der ehemalige CEO versuche die Lage zu politisieren. Dabei gebe es "rechtliche Ansprüche" gegen ihn, er werde der Veruntreuung verdächtigt.

Demnächst wird wohl der Nächste vor Gericht stehen, der sich gegen die russische Regierung wendete.

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