-Sieht unsere Zukunft düster aus?-

Für Zukunftsforscher eine heikle Herausforderung, da es aus der Vergangenheit wohl Sammlungen und Statistiken gibt, für die Zukunft allerdings gar nichts. Schon in den 60er Jahren wendete man Computermodelle für Zukunftsprognosen an, wobei die Daten, die man gespeichert hatte eher wenig zu bieten hatten. Sie wurden damals hochgerechnet und miteinander in Beziehung gesetzt, um Szenarien zum Beispiel für das Jahr 2000 zu entwickeln.

Irgendwann in den 1960er Jahren wurde die Vorstellung in die Welt gesetzt, im Jahr 2000 könnte die Schweiz 10 Millionen Einwohner zählen. Bald wurde sie dem St. Galler Volkswirtschaftsprofessor Francesco Kneschaurek zugeschrieben – und als weltfremde Vorhersage lächerlich gemacht. Woher auch die Zahl stammt, Kneschaurek hat sie offenbar einmal als extreme Variante möglicher Entwicklungen berücksichtigt. In seinen für den Bundesrat ausgearbeiteten Perspektivstudien (1974 publiziert) rechnete er indessen für die Jahrtausendwende unter bestimmten Bedingungen mit 7 bis 7,1 Millionen Einwohnern – also mit etwas weniger als den 7,2 Millionen, die das Land dann in Wirklichkeit zählen sollte.

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In der Regel gibt es die "Szenariotechnik".

Heute können aber gewaltige Rechner Milliarden von Informationen aus der ganzen Welt sammeln um das Futurum vorherzusagen. Aber auch diese "Zukunftsmaschinen" können nicht immer das richtige Ergebnis finden oder liefern. Vor knapp 100 Jahren entdeckte der russische Wissenschaftler Nikolai Kondratjev die "Kondratjev-Zyklen", wobei er herausfand, dass sich die Wirtschaft nicht gleichförmig, sondern in 40 bis 50 Jahre langen Zyklen entwickelt. Heute würden wir uns nach dieser Annahme in einer Situation des "Paradigmenwechsels" befinden.

Die unterschiedlichen Formen zur Wahrscheinlichkeitsrechnung gehen davon aus, dass künftige Ereignisse in Wechselwirkung untereinander stehen. Aber, das leuchtet jedem ein, können all diese neuen Techniken und Methoden nur grob die Richtung bestimmen, in die es in Zukunft geht. Dazu gehören die globalen Überraschungen oder Katastrophen, die sich damit gar nicht oder nur minimal prognostizieren lassen. Dass es solche Ereignisse geben wird ist unbestritten. Einige Zukunftsforscher setzen deshalb zum Beispiel die Wildcards in ihren Prognosen ein, die aber ziemlich undenkbare Ereignisse sind, die allerdings alles verändern, wenn sie eintreten. So wie der Atomunfall an 11. März 2011, denn danach landeten alle Vorhersagen, die man für die Entwicklung für die Kernenergie prophezeit hatte, in den Papierkorb. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass man auch bei uns nicht genau weiß, wie es damit weitergeht. Andere Forscher schließen sämtliche Diskontinuitäten aus, wie der amerikanische Geowissenschaftler Laurenz C. Smith, der vier Bedingungen für Vorhersagen aufgestellt hat, von denen sich drei gegen Wildcards richten:

  1. Es dürfen in der Prognose keine Wunder geschehen
  2. Der dritte Weltkrieg ist verboten
  3. böse Flaschengeister (zum Beispiel politische oder geologische Phänomene, mit denen niemand rechnen kann)

Die vierte Voraussetzung für Smith ist, dass die genutzten Prognosetechniken ausreichend gut sind - aber das weiß man leider erst im Nachhinein.

Was auch mich erstaunte, kommt Smith in seinem Zukunftsbericht "Die Welt im Jahr 2050" (siehe auch den Artikel im Tages Anzeiger) zu dem Schluss, dass vier globale Kräfte die Zukunft prägen, die alle schon in der Vergangenheit ihre Wirkung gezeigt haben:

  1. Die Demographie. Die Menschheit vermehrt sich mit einem ungeheuren Tempo. Es dauerte 12'000 Jahre, bis es die erste Milliarde Menschen gab, aber nur drei Jahre, bis 2011 aus sechs Milliarden sieben Milliarden Menschen geworden waren. 2050 werden es über neun Milliarden sein.
  2. Die Globalisierung. Die Länder wachsen immer mehr zusammen und werden immer abhängiger voneinander.
  3. Der Klimawandel. Die Erde wird bis 2050 mindestens 1.4° wärmer werden. Das klingt wenig, verändert aber alles. Vor allem die südliche Halbkugel wird davon betroffen sein. Allerdings positiv: Weil es wärmer wird, tauen die Permafrostböden in Sibirien, Kanada und Alaska auf und werden zu fruchtbarem Ackerland. Der Norden bleibt wohlhabend und von Wasser und Hungersnöten verschont.
  4. Ressourcenknappheit. Der Verbrauch von Wasser, fossilen Brennstoffen (Kohle, Gas, Öl) und Land steigt so schnell wie die Weltbevölkerung. Wenn 2050 alle Menschen auf der Erde so viel konsumieren wollen wie heute schon Amerikaner und Europäer (ein US-Amerikaner verbraucht etwa 32-mal so viel wie ein Kenianer), dann benötigen wir so viele Ressourcen, als würden 100 Milliarden Menschen auf unserem Globus leben.

Öl 36% (2010), 18% (2050)
Kohle 28% (2010), 8 - 28% (2050)
Gas 24% (2010), 32% (2050)
Kernenergie 6% (2010), 8 -38% (2050)
Erneuerbare Energien 6% 82010), 30 -47% (2050)

Quelle: OECD International Energy Agency, WEGU

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