Es geht nun um die Wurst. Seldwyla steht wieder mal jemanden im Wege.

Kennen Sie die Familie Prati? Ich auch nicht. Nicht dem Namen nach, aber nach dem Gesicht. Jeder der am Zürcher Bellevue mal eine Bratwurst kaufte (nein, eben nicht beim Sternengrill), der hat mal mit einem Familienmitglied der Prati zu tun gehabt.

Herr Prati, seines Zeichens stolzer Bratwurstverkäufer, fürchtet nun nach über 30 Jahren Einsatz um seine Existenz. Herr Prati ist siebzig Jahre alt, eigentlich würden wir ihm einen schönen Lebensabend wünschen. Nun, durch Würste verkaufen wird man nicht reich und mit Pensionskasse und so ist auch nicht viel los. Also würde er eigentlich am liebsten bis hinein ins Grab, weiterhin seine Bratwürste verkaufen. Klagen? Das ist Pratis Sache nicht.

So, und nun will man ihn von der Stadt aus kaputt machen. Dies nicht etwa, weil Herr Prati auf das Alter hin z.Bsp. nachlässig geworden wäre, Lebensmittel- oder Hygienebestimmungen nicht mehr eingehalten hätte. Nein, er passt schlicht nicht mehr ins Landschaftsbild. Sprich nicht in das Leitbild "Seebecken 2009". Ehrliche, einfache Menschen haben in der Stadt Zürich nichts mehr verloren. Wir sind drauf und dran, uns in eine Art Pjöngjang für Pauschalbescheuerte zu verwandeln. Dies ist nicht mehr meine Stadt, nicht mehr meine Heimat.

Links dazu:

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Fuer-die-Familie-Prati-geht-es-amBellevue-um-die-Wurst-/story/20542558

http://www.blickamabend.ch/news/wurststand-am-bellevue-muss-schliessen-der-hafenkran-muesste-eher-weg-id3292087.html

Herr Prati hatte den Mut, Unterschriften für sein Anliegen zu sammeln. Leider war ihm nicht klar, dass bei einer Petition alle unterschreiben können und eben nicht nur Schweizer und Stadtzürcher. So hat er viele Leute die unterschreiben wollten wieder weggeschickt. Naja, er wollte halt alles richtig machen, Und ja, einem 70jährigen zu erklären, dass er doch bitte seine Petition ins Internet stellen soll, ist halt auch etwas schwierig.

Am besten ist es wohl, dass wenn Sie in der Nähe des Belllevue sind, bei ihm eine hervorragende Bratwurst geniessen und parallel dazu eine Unterschrift abgeben. Herr Prati hat Freude, wenn Sie seine Bratwurst geniessen, die Unterschrift ist absolut freiwillig. Sein Stolz wird es ihm verbieten, Sie danach zu fragen.

Geben Sie ihm eine Chance. Zürich braucht nicht Hafenkräne und ähnlichen Schrott. Zürich braucht Menschen wie ihn. Menschen wie er sind es, die eine Stadt wie Zürich überhaupt lebenswert machen. Leider versteht dies die Nomenklatura im Stadthaus nicht, denn die ist viel zu sehr mit ihren eigenen Interessen beschäftigt.

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