Die Ecopop-Initiative adressiert viele Probleme, löst aber kein einziges davon effektiv und nachhaltig.

Aktuell verbringe ich ein Austauschjahr in der Südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die Bevölkerungsdichte beträgt hier unglaubliche 16‘175 Einwohnern pro Quadratkilometer. In meinem Heimatkanton Zürich ist die gleiche Zahl mit 842 Einwohnern pro Quadratkilometer weitaus tiefer. Trotzdem scheint das Leben in dieser Megametropole -zumindest in meinen Augen- zu funktionieren (unter anderem pendle ich regelmässig). Das Wort „Dichtestress“ kennt man hier nicht.

Ich will diesen Vergleich nicht als Gegenargument gegen Ecopop verwenden. Mir ist bewusst, dass die beiden Lebensräume grundverschieden sind und der soziokulturelle Unterschied der ansässigen Bewohner grösser nicht sein könnte. Trotzdem leben an beiden Orten Menschen, was doch zeigt, das verdichtetes Wohnen funktionieren kann.

In die Ecopop-Initiative werden meiner Meinung nach viele Wünsche und Ängste projiziert. Es liegt mir fern zu beurteilen, ob diese berechtigt sind oder nicht. Es ist allerdings eine Tatsache, dass wir Schweizerinnen und Schweizer von der Globalisierung (und der damit verbundenen Mobilität) profitieren, und dies nicht erst seit Kurzem. Wer nun sagt, dass nach einer langen Phase des Profitierens die Zeit gekommen sei, extreme Massnahmen zu ergreifen, der verkennt die Lage. Hans Rosling, ein Arzt und Statistiker aus Schweden, zeigt eindrucksvoll auf, wieso das exponentielle Bevölkerungswachstum in Zukunft abflachen wird.

Wie aber sollen die Probleme, welche zweifelsohne bestehen, gelöst werden?

Walter Leimgruber analysierte gestern in einem Gastkommentar für die Neuen Zürcher Zeitung, was getan werde müsste, um die Schweiz für die Zukunft zu rüsten. Im nächsten Jahr sind Eidgenössische Wahlen. Meiner Meinung nach ist dann die Zeit für einen gewaltigen Neustart gekommen. Unabhängig vom Ausgang erwarte ich, dass die Parteien Gehässigkeiten beiseite lassen und in konstruktiver und pragmatischer Weise die oben beschriebenen Probleme angehen. Ich bin überzeugt, dass dies möglich ist!

Die schlecht formulierte und einfach gestrickte Ecopop-Initiative ist daher nicht nötig.

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