«Der Zwang ewig wachsen zu müssen führt letztendlich zum totalen Wirtschafts­kollaps, spätestens dann, wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind.»

Leserbrief zur ECOPOP Initiative, von Tom Kreienbühl, Thürnen – 14.11.2014

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Wirtschaftsvertreter und ihre Politiker, ständig von Wachstum
schwafeln und damit drohen, dass wir in eine schlimme und unkontrollierbare Rezession gleiten
würden, wenn das Wirtschaftswachstum ausbleiben täte?
Wenn aber die Wirtschaft von notwendigem Wachstum redet, dann meint sie eigentlich und
hauptsächlich nichts anderes, wie die Begleichung von Schulden und vorallem Schuldzinsen!
Was heisst das?
Schauen wir doch zunächst mal in die Natur.
Kennen Sie etwa einen gesunden Baum, der ewig weiterwächst?
Kennen Sie irgendein gesundes Tier, welches immer grösser wird?
Nicht oder?
Ewiges Wachstum ist folgedessen in der gesunden Natur nicht vorhanden.
Allerdings gibt es auch in der Natur Abweichungen, bzw. schlimme Krankheiten:
beispielsweise Krebs.
Krebserkrankungen zeigen tatsächlich die Tendenz, ewig weiterwachsen zu wollen!
Krebszellen wollen sich fortlaufend weiterteilen, unkontrolliert und exponentiell.
Sie zerstören damit sogar die eigene Lebens- bzw. Existenzgrundlage, nämlich das an Krebs
erkrankte Lebewesen.
Wenn man nun die graphisch dargestellte Verschuldungskurve eines Staates mit jener einer
Krebserkrankung vergleicht, dann erkennt man schnell, dass beide Kurven sich annähernd
gleich verhalten.
Das Ende ist klar: Vernichtung der Existenzgrundlage.
Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass ewiges Wirtschaftswachstum - bzw. der Zwang
ewig wachsen zu müssen! - letztendlich zum totalen Wirtschaftskollaps führen wird, spätestens
dann, wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind.
Mit diesem ach so oft missbrauchtem Wort Nachhaltigkeit hat dies rein gar nichts zu tun!
Aber weshalb muss denn die Wirtschaft ständig wachsen?
Nun sind wir wieder zurück bei der Ursprungsfrage.
Aufgrund des Aufbaus unseres Wirtschaftssystems werden Schulden verzinst und die Zinsen
auf diese Schulden ebenfalls. Wir reden hier vom Zins- bzw. Zinseszinssystem.
Damit nun diese Schulden bzw. die Schuldzinsen und deren Zinseszinsen - welche ja ständig
weiteranwachsen! - zumindest ansatzweise beglichen werden können, muss die Wirtschaft
zwangsläufig ebenfalls wachsen!
Im Prinzip der Giralgeldschöpfung gelangt somit sämtliches Giralgeld nur als Kredit, also
zinsbelastet in den Wirtschaftskreislauf.
Dort fehlt dann aber wieder das Geld für die Zinsen, so dass man ständig weiteres Kreditgeld
und ewiges Wirtschaftswachstum benötigt!
Wenn sich nun das Wirtschaftswachstum verlangsamen täte oder sich gar ein Nullwachstum
einstellen würde, dann wäre zum Beispiel die Begleichung der Schuldzinsen und Zinseszinsen
nicht mehr sichergestellt bzw. unser Status Quo wäre in Frage gestellt und wir hätten eine
sogenannte Rezession.
Kurz und bündig: Unsere Wirtschaft ist gezwungen zu wachsen, weil wir das Zinssystem als
Grundlage der gesamten wirtschaftlichen Aktivität kennen und doch noch akzeptieren.
Das Zinssystem ist ein System, welches nur ganz wenigen dienlich ist, während den meisten
dadurch grosse Nachteile entstehen.
Solange aber das Zinssystem das grosse Sagen hat, solange muss die Wirtschaft
weiterwachsen!
Logisch bzw. dem Vorbild der Natur entsprechend aber ist, dass grenzenloses bzw.
exponentielles Wachstum stets zur Zerstörung der Lebensgrundlage führt, egal ob räumlich
betrachtet oder hinsichtlich der lebensnotwendigen Ressourcensicherstellung (als Gegenteil zu
Ressourcenverknappung)!
Aus diesem Grund kann auf einer endlich begrenzten Lebensgrundlage kein unendliches
Wachstum stattfinden!
Nur Wahnsinnige und leider zu viele Wirtschaftsvertreter mit ihren Politikern glauben diesen
Schwachsinn von grenzenlosem Wachstum!
Beste Beispiele für die zerstörerische Kraft von entfesseltem, exponentiellem Wachstum sind,
wie bereits gesagt, Krebs und zum Beispiel auch gezündete Atombomben während ihrer
Detonation!
Deshalb braucht es ein neues Wirtschaftsmodell, welches eben nicht auf stetiges Wachstum
fixiert ist, sondern auf Erhaltung.
Erhaltung eines guten Lebensstandards aller Menschen aufgrund einer gerechteren Verteilung.
Wie oben erklärt, ist das heutige Wirtschaftsmodell gefangen im selbstgemachten
Wachstumswahnsinn und muss deshalb zwangsweise eine gerechtere Verteilung der
Ressourcen und Güter aller Art als solches kategorisch unterbinden.
Ein neues Wirtschaftsmodell ernsthaft zu forden, wie ich das hier gerade beschreibe, muss in
gewissem Sinne als naiv und beinahe als unmöglich betrachtet werden.
Kaum jemand mit Einfluss wird es doch ernsthaft wagen, das gegenwärtige Banken - bzw.
Zinssystem umkrempeln zu wollen und selbst wenn jemand diesen Versuch unternehmen täte,
wer aus der „Elite des Volkes, der sogenannten Classe Politique bzw. Classe Économique“
würde solch ein wirtschaftlicher Umsturz unterstützen wollen oder dürfen?
Trotzdem und gerade deshalb gilt für mich:
Starkes JA zur ECOPOP Initiative, weil diese unser umwelt-und ressourcenfeindlich gewordenes
Pseudo-Wirtschaftswachstum in der Schweiz kontrolliert hemmen wird und somit unser
Wirtschaftsmodell, welches auf dem Zins- und Zinseszinssystem basiert, einmal grundsätzlich
in Frage stellt.
Mathematisch-logisch der richtige Weg und darum verwundert es kaum, dass ein Doktor der
Mathematik der Begründer der Initiative ist und nicht etwa ein "schwätzender Berufspolitiker"!
Mathematiker können eben rechnen, Politiker leider meistens nicht!
Und wer sagt, dass diese Initiative fremdenfeindlich ist, dem fehlen einfach die echten und
qualifizierten Argumente, denn genau das ist diese Initiative ganz bestimmt nicht!
ECOPOP ist keineswegs fremdenfeindlich, sondern heimatverbunden, denn wer möchte schon
in einem "Stadt-Staat Schweiz" mit 12 oder noch mehr Millionen Einwohnern und grösstem
Dichtestress leben?
Jedoch ist die Initiative möglicherweise der Beginn von etwas ganz Neuem!
Denn eines sollte uns klar sein: So kann es nicht weitergehen!
Entweder wir erarbeiten uns irgendwann - jedoch vorzugsweise eher bald, sprich in absehbarer
Zeit - trotz aller Skepsis ein neuartiges Wirtschaftssystem ohne den Zwang zum ewigen
Wachstum oder wir werden uns mittel- bis langfristig vollends vernichten und zwar wir uns alle!
Seien wir uns bewusst, dass der Planet Erde grundsätzlich alle Zeit der Welt hat und wir nicht!
Das Risiko einer kontrollierbaren Rezession in berechenbarem und kleinerem Ausmass besteht
tatsächlich bei der Annahme von ECOPOP, das muss zugegeben werden.
Vielleicht wird dies auch unser Lebensstandard etwas senken, auch dies ist nicht
auszuschliessen, zumindest solange nicht, bis wir die Fähigkeit und den Willen zur Veränderung
hinsichtlich unseres Verständnisses für ein gesundes Wirtschafts- und Gesellschaftssystems
entwickeln.
Aber lieber eine kontrollierte bzw. kontrollierbare Rezession, als der totale Wirtschafts- und
Gesellschaftskollaps irgendwann in der Zukunft!
Haben wir den Mut und sagen wir am 30.11.2014 JA zur ECOPOP Initiative!

Tom Kreienbühl, Thürnen – 14.11.2014

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