Die Goldinitiative verklärt die Vergangenheit und weist mit der Unverkäuflichkeit einen Konstruktionsfehler auf , darum Nein am 30.11.14

Ich bin keine Ökonomin, aber dies können wohl nur die wenigsten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von sich behaupten. Und ich gehe auch davon aus, dass nur sehr Wenige von uns wirklich abschätzen können, was ein Ja zu dieser Initiative bedeuten würde. Die Initianten behaupten zwar, es zu wissen, aber ihre Sicht und Wahrnehmung von Gold und Goldbindung scheint doch ziemlich verklärt und rosa gefärbt. Zudem sind Ihre Argumente weit hergeholt und unbeholfen, vergangene Zeiten müssen für etwas herhalten, was sie gar nicht waren!

Ich halte es mit Jürg Müller und Hansueli Schöchli, welche die Thematik meines Erachtens in ihren Artikel sehr gut treffen und auch den Mythos Gold entlarven:
http://www.nzz.ch/wirtschaft/mythos-gold-1.18424572
http://www.nzz.ch/wirtschaft/die-taeuschende-20-prozent-marke-1.18417617

Ich habe übrigens durchaus Verständnis für die Forderung der Initianten nach einem gewissen Mindestprozentanteil an Gold, ich habe aber absolut kein Verständnis für die zwingende Unverkäuflichkeit. Damit schiesst einmal mehr eine Initiative völlig über ihr Ziel hinaus. Die Unverkäuflichkeit ist ein absolutes Killerkriterium, sie kann dazu führen, dass der Anteil an Gold übermässig werden könnte, ohne dass die Nationalbank darauf reagieren kann und darf.
Und es mutet ja schon sehr seltsam an und wirft grosse Fragen auf, wenn der Initiant Lukas Reimann in einem Interview bereits wieder einräumt, dass diese Unverkäuflichkeit ja im Falle einer Krise auch wieder aufgehoben werden könne................ Warum soll sie dann überhaupt in die Verfassung geschrieben werden? Eine Verfassungsänderung dauert und in einer Krise muss schnell reagiert werden können!
Mittlerweile räumt sogar der ehemalige Professor Hans Geiger ein, dass es sich bei der Unverkäuflichkeit um einen Konsruktionsfehler handelt. Ein Auto mit einem Konstruktionsfehler darf nicht verkauft werden, weil gefährlich und fatal und genau aus dem gleichen Grund darf die Goldinitiative nicht angenommen werden.

Im übrigen mache ich mir auch Sorgen um die Entwicklung des Frankenkurses, dies mit Blick auf die Schweiz als Exportland. Und zuletzt konnte mich bisher noch kein Befürworter davon überzeugen, dass es nicht vor allem eine Gewinnergruppe gibt bei Annahme der Initiative: Die Spekulanten!! Sie werden gewinnen und dies eben vor allem wegen den Fesseln, die der Nationalbank mit der Unverkäuflichkeit auferlegt werden. Oder warum sind die Firmen welche sich im Goldhandel betätigen solch vehemente Befürworter? Warum gibt es aus diesem Bereich solch grosse Spenden? Warum wird durch einen Goldhändler eine gewaltige Social-Media-Kampagne geführt?

Ich beschliesse mit den Worten von Jürg Müller, die es exakt treffen und gut erklären, warum ich NEIN sage zur starren Goldinitiative!
„....Die Geldgeschichte der Schweiz verdeutlicht, dass eine Währung dem Wandel von Gesellschaft, Technologie und Umwelt ausgesetzt ist. So führte manchmal die Entdeckung neuer Edelmetall-Vorkommen, manchmal realpolitische Zwänge zu Verwerfungen in der Geldpolitik. Interessanterweise war die Bindung an Edelmetalle – sei es Gold oder Silber – meist nur von kurzer Dauer. Die versprochene Sicherheit erwies sich wiederholt als trügerisch.
Doch die Sehnsucht nach einem goldenen Anker scheint immer noch gross zu sein. Das spiegeln auch die Diskussionen rund um die Goldinitiative. Einmal mehr prägen Emotionen eine geldpolitische Debatte in der Schweiz. Die Initianten erhoffen sich eine Rückkehr zu vergangenen goldenen Zeiten. Ein Blick zurück zeigt aber, dass Edelmetalle keine Garanten für die Stabilität einer Währung sind. Mit ihren starren Regeln ist die Goldinitiative die falsche Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen unserer Zeit.....“

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