Die Ecopop-Initiative verführt mit falschen Heilsversprechen. Punkto Einwanderung ist sie zu rigid, Wachstumsrückgang muss langsam erfolgen und nicht abrupt.

Am 30.11.14 stim­men wir über sehr ge­wich­tige The­men ab. Eines davon ist die Eco­pop-I­ni­tia­ti­v​e. Und ob­wohl es sehr weit­rei­chende Kon­se­quen­zen hat, wie wir ab­stim­men wer­den, hört man lei­der zu oft: „Eigentlich bin ich nicht ein­ver­stan­den, aber wir müssen ein Zei­chen setzen“....... Für mich ist eine sol­che Hal­tung kaum nach­voll­zieh­bar und ich emp­finde sie als grund­le­gend falsche Mo­ti­va­tion, um ab­zu­stim­men. Die Fol­gen bei einem JA wären zu mas­siv, um ein­fach mal ein Zei­chen zu set­zen. Ein JA ein­zu­le­gen aus solch einem Be­weg­grund her­aus, er­scheint mir grobfahrlässig und verantwortungslos.

Was die Ecopop-Initianten erreichen möchten, hört sich sehr gut an, ich habe volles Verständnis, dass solche Versprechungen verführen können. Nur ist wohl allein schon durch den Widerstand der Umweltverbände und der Experten im Entwicklungsbereich offensichtlich, dass an den Heilsversprechungen der Initianten irgend etwas faul sein muss. Dies müsste die Sympathisanten dieser Initiative aufrütteln und zu denken geben und sie müssten genau hinhören, warum diese Institutionen dagegen sind!

Ich kann übrigens auch die Ängste vor den Einwanderungszahlen verstehen, auch mir macht das ab und an Angst. Es bleibt aber dann doch noch fraglich, ob sich diese wie heraufbeschworen entwickeln werden. Eine starre Einwanderungsquote hingegen hat sehr weitreichende Konsequenzen und bevor wir dazu ja sagen, müssen wir auch absolut klar ja sagen können zu den möglichen Folgen!
Lassen Sie mich hier etwas ausholen: Die demografische Entwicklung in der Schweiz ist eine Tatsache und hat zur Folge, dass Firmen spätestens ab dem Jahr 2023 massive Probleme haben werden, ihre Arbeitsplätze zu besetzen, auch wenn sie

  • mit 0-Wachstum rechnen, evt. sogar mit leichter Schrumpfung (der europäische Markt ist kein Wachstumsmarkt mehr!)
  • den Inländervorrang voll ausschöpfen
  • Lehrling​e ausbilden und diese behalten können
  • Flexible Modelle zum Ausstieg aus dem Erwerbsleben haben (vor 65 Möglichkeit zu Teilzeitpensum, über 65 hinweg in Teilzeit weiter arbeiten)

Auch mit voller Ausschöpfung des inländischen Potentials, haben wir also Schwierigkeiten, die Stellen zu besetzen. Und was tun viele Befürworter dieser Initiative? Sie torpedieren Lösungen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familien fördern und so den Anteil von inländischen qualifizierten Arbeitskräften erhöhen würden. Wo bleibt da bitte die Konsequenz? Das ist völlig absurd!

Wenn Sie nun als Firmenchef/in die Arbeitskräfte nicht mehr bekommen, die sie benötigen, was tun Sie? Richtig, sie wollen überleben und ziehen über die Grenze. Damit haben wir zwar weniger Einwanderung, aber auch Schweizer verlieren Ihre Arbeitsplätze. Und das ist nun wahrlich keine Drohung/Erpressung, das ist einfach eine logische Folge, mit der wir leben müssten.

Anders sieht es für die Firmen in Grenznähe aus. Sie stellen einfach Grenzgänger ein! Aus diesem Grund kann Herr Thomas Minder auch grossmundig für die Ecopop-Initiative weibeln, er praktiziert das ja heute bereits, für ihn würde sich tatsächlich nichts ändern. Die Verkehrsmisere in den Grenzregionen durch Massen von Grenzgängern kann die Ecopop-Initiative auf jeden Fall nicht vermindern - im Gegenteil.

Und was bedeutet es für die Schweiz, wenn die Bilateralen Verträge fallen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen wird? Woher nehmen die Befürworter Ihre Sicherheit, dass dies kein Problem ist? Es scheint mir doch eher anmassend, wenn wir, als kleines Land Schweiz, glauben, der ganze Rest von Europa spurt dann schon wie wir es wollen.
Es ist absolut richtig, wir müssen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, wir können sehr wohl etwas in die Waagschale werfen und entsprechend selbstbewusst sein (aber nicht überheblich…). Ebenso klar ist aber zu betonen, dass wir schlichtweg keine Ahnung haben, was wir tatsächlich neu würden aushandeln können. Wir gingen ein sehr hohes Risiko ein. Die Schweiz ist ein klassisches Exportland und die Unsicherheit wäre für unsere Firmen weder förderlich noch unterstützend und würde unser stabiles Gleichgewicht empfindlich stören. Ganz zu Schweigen von der Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung sowie in der Bildung und weiteren Bereichen.

Wir müssen bewusster mit Einwanderung umgehen, das ist so und dafür sorgt bereits das knappe Ja vom 9.2.14 und bereits diese Umsetzung birgt Herausforderungen, die nun angegangen werden. Und ja, sie werden angegangen, auch wenn die ewig militanten Nörgler dies bestreiten…….

Ich habe Angst vor einem solch rigiden Wachstumsstopp, wie es die Initianten wollen, weil er uns in die Isolation führen kann. Ein Wachstumsrückgang muss langsam erfolgen. Ich wünsche mir eine offene Schweiz ohne Mauer. Eine isolierte Schweiz wäre mit vielen Nachteilen und Risiken verbunden. Sind die Befürworter wirklich bereit, diese zu tragen?? Ich nicht! Darum stimme ich NEIN!

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