Erfolgsmodell Dichtestress. Warum Ecopop wirkungslos ist.

Tiefe Arbeitslosigkeit, Aufstiegsmöglichkeiten, kulturelle Vielfalt und ein hohes Bruttoinlandprodukt (BIP) gelten allgemein als Erfolgsfaktoren. Die Schweiz gehört wirtschaftlich zu den Top-Ländern. Geklagt wird trotzdem - oder eben wegen dem Erfolg - über “Dichtestress”. Wer einen Blick auf die wirtschaftlich starken Regionen wirft, sieht immer dasselbe Bild: “Dichtestress”.

Zürich vs. Appenzell Ausserrhoden

Im Kanton Zürich lebten 1990 1.17 Millionen Menschen. Heute sind es 232’000 mehr. Ein Anstieg von knapp 20%. Einhergehend mit einem wirtschaftlichen Boom ist es heute tatsächlich mühsamer, in die Stadt zu fahren. Als ich mich 1993 selbstständig machte, kam man um 09:00 locker ohne grossen Stau in die Stadt. Heute undenkbar. Anders sieht es im Appenzell Ausserrhoden aus. 52’229 Menschen bewohnten 1990 den Halbkanton. Heute sind es 53’874. Ein Wachstum von 3% in 24 Jahren. Im Gegensatz zu Zürich wandern die Arbeitsplätze nach St.Gallen und Zürich. Poststellen und Bankfilialen werden im Ausserrhoden geschlossen, das Dorfleben flacht ab, die Bevölkerung wird älter, und wenn Sie ein Haus besitzen, haben Sie je nach Gemeinde trotz Immobilienboom mühe es gut zu verkaufen. Appenzell Ausserrhoden hat keinen Dichtestress. Ausgewählte Orte wie Teufen sind zwar attraktiv zum Wohnen, aber zum Arbeiten? Fehlanzeige.

Dichtestress in London

Von diesem Problem ist die Schweiz nicht alleine betroffen. “Dichtestress” ist ein Markenzeichen von erfolgreichen Regionen und in vielen anderen Ländern sind es ebenfalls wenige Orte, die Arbeitsplätze und Firmen anziehen. London mit rund 8 Millionen Menschen erzielt heute ein BIP wie die gesamte Schweiz. Dabei hängt London ebenfalls Regionen rund herum in England ab. Und - es leben knapp 3 Millionen Ausländer in London. Kein Wunder könnte man meinen, will auch England über die Personenfreizügigkeit neu verhandeln, weil mit weniger Ausländern der “Dichtestress” abnimmt. Doch das ist ein Irrglaube. Ecopop ist nutzlos gegen “Dichtestress”.

Ecopop: Gegen “Dichtestress” nutzlos. Der Beweis.

Ob Ecopop hilft, kann man sehr einfach überprüfen. Man braucht dazu ein Land, welches in etwa denselben wirtschaftlichen Erfolg hat wie die Schweiz oder England. Es müsste ein Land sein, indem nur wenige Ausländer leben und es dürfte dort kein Dichtestress herrschen. Den dies ist das grosse Versprechen, welches die Befürworter machen. Weniger Ausländer = weniger “Dichtestress”. Glücklicherweise gibt es ein solches Land: Japan. Mit 1.8% Ausländern und einer ähnlichen Wirtschaft.

Japan ist der Beweis dafür, dass in der heutigen Zeit die Menschen in Metropolregionen wandern, egal ob Ausländer oder nicht. Ein Blick auf die grössten Städte Japans zeigt, mehr als die Hälfte aller Japaner leben in vier Städten. Tokio, Osaka, Nagoya und Fukuoka-Kitakyushu beheimaten 67 von 127 Millionen Menschen. Dichtestress herrscht in diesen Mega-Städten, weil dort die Jobs sind, dass kulturelle Leben stattfindet und die jungen Menschen in einer überalterten Gesellschaft die Aussen-Regionen verlassen.

Ecopop löst kein Problem

"Aber es hat dann doch weniger Ausländer."
Der Glaube, dass man dank Ecopop weniger verstopfte Züge hat, der Stau auf der Autobahn abnimmt oder die Mietpreise günstiger werden, ist ein Irrglaube. Ein Ja zu Ecopop wird nur noch schneller dafür sorgen, dass sich die Randregionen entleeren, weil die Arbeitsplätze in der Stadt benötigt werden. Ausländer mögen keine mehr kommen, mehr Platz gibt es deswegen nur auf dem Land, wo dann immer weniger Menschen leben wollen und in der Stadt bleibt das Problem dasselbe.

Wenn Sie weniger Ausländer in der Schweiz wollen, weil Sie keine Ausländer mögen - stimmen Sie ja. Wenn Sie weniger “Dichtestress” wollen, stimmen Sie nein. Denn mit Ecopop handeln wir uns mehr Probleme ein, als uns Ecopop löst.

Gegen "Dichtestress" braucht es andere Massnahmen. Bessere Massnahmen.

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