Das Wutbürgertum

In letzter Zeit ist viel vom Wutbürgertum die Rede. Daher wäre es sicherlich nicht falsch, hier das Wutbürgertum einmal zu definieren und der Ursache dieses Phänomens auf den Grund zu gehen.

Ich persönlich sehe das Wutbürgertum als eine Ansammlung von Unzufriedenheit und Wut, verursacht durch allerlei Frust. Bekanntlich ist Frust das Resultat von nicht erfüllten Erwartungen. Aus dieser Frustration entsteht dann eben diese Wut, welche dann irgendwo ausgelassen werden muss.

Meines Erachtens ist der Grossteil der "Wutbürger" in den Kreisen der einfachen Arbeiterschaft zu finden. Arbeiter und Angestellte, welche zunehmend eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen erleben.

-Sozialleistungen & Fringe Benefits werden gekürzt
-Der Lohndruck und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt steigt

Gerade in den etwas älteren Generationen dürfte das Phänomen am ausgeprägtesten sein. Zusätzlich zur jüngeren, oft fachlich besser ausgebildeten Konkurrenz, kommen noch die Zuwanderer aus dem EU-Raum, welche es eben diesen Arbeitern und Angestellten zusätzlich erschweren.

Von der Politik fühlen sich diese Menschen im Stich gelassen, die Schweiz ist nicht mehr wie früher. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Heute ist "Lebenslanges Lernen" die Devise. Wer auf einer Grundausbildung sitzen bleibt, der muss damit rechnen, auf dem Abstellgleis zu landen.

Jetzt gibt es eine Partei in der Schweiz, welche es besser als jede andere versteht, eben diesen Frust aus Eigeninteresse zu kanalisieren, die SVP.

Immer deutlicher wird der tiefe Graben zwischen Parteibasis und Parteispitze innerhalb der Volkspartei. Die Abzockerinitiative und die Ecopop-Initiative zeigen dies sehr deutlich auf.

Der Grund dafür ist schnell gefunden: Während die Parteibasis wirklich weniger Ausländerkriminalität und weniger Zuwanderung möchte, wäre eben dies für die Parteispitze ein ersthaftes Problem, da eben diese beiden Dinge essentiell sind, um Stimmen zu fangen.

Abgesehen davon bietet die SVP eben diesen Kreisen nicht wirklich etwas, denn grundsätzlich ist die Partei ja einer der besten Freunde der verhassten Econoimiesuisse und keineswegs der Arbeiterschaft.

Das Wutbürgertum ist eine grosse Gefahr für unser Land und unsere Demokratie. Ebenso stellt das Phänomen auch eine Chance dar.

Die Gefahr:

Absurde Beschlüsse an der Urne, welche nicht wohlüberlegt sind, sondern primär ein Ventil darstellen, um den angestauten Frust loszuwerden. Dies gefährdet sowohl die politische Stabilität, als auch unseren Wirtschaftstandort.

Ausserdem werden jene Kreise in der Wirtschaft und der Politik in der Meinung gestärkt, dass man die Mitsprachemöglichkeiten des Volkes eindämmen müsse, da das Land sonst vor die Hunde gehe.

Die Chance:

Die Politik hat hier die grosse Chance, den klaffenden Graben zwischen Volk und Volksvertretern so anzugehen, dass letztlich beide davon profitieren. Wichtig ist, dass nicht die Wirkung (unbequeme Beschlüsse an der Urne und unbequeme Initiativen) bekämpft wird, sondern die Ursache der Problematik. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowohl unser demokratisches System, unsere Wirtschaft und unsere Politik das Wutbürgertum überlebt und das Wutbürgertum als Phänomen verschwindet.

Die Alternativen dazu sind soweit ich das sehe, langfristig gesehen sehr düster.

-Entweder wird das Volk zunehmend bevormundet (löst das Problem nicht, im Gegenteil)

-Oder die Schweiz wird Schritt für Schritt an der Urne abgeschafft.

Feedback und Diskussion ausdrücklich erwünscht.

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