Die Roma, ein verhasstes Volk in Europa?

Roma benehmen sich zum Teil total daneben und sind auch bei unseren Fahrenden verhasst. Siehe zum Beispiel hier. Für mich stellt sich aber ein Stück weit die Frage nach der Ursache und Wirkung, denn schliesslich stehen in der Schweiz zu wenig Stellplätze für die Fahrenden zu Verfügung.

Ich denke, die Skepsis oder der Hass vieler Leute gegenüber den Roma hängt nicht nur in der völlig anderen Lebensweise dieses Volkes zusammen, denn dann wären ja die Fahrenden ebenso verhasst. Dem ist wohl nicht so, obwohl die Schweiz auch hierzu ein sehr düsteres Kapitel schrieb: Kinder der Landstrasse.

Ausserdem sind in der Slowakei und in Ungarn 90% der Roma sesshaft (dies auch als Folge des sogenannten "real existierenden Sozialismus"). Daher stellt sich für mich die Frage, ob nicht eben diese Zwangsesshaftigkeit zu neuen Problemen führt. D.h., wenn man die Roma einfach ziehen lassen würde, es evtl. weniger Probleme gäbe? Naiv, ich weiss.

Fakt ist einfach, dass es immer wieder zu Menschenrechtsverletztungen an Sinti und Roma kommt. Man kann z.Bsp. bei Amnesty International relativ wahllos in den Topf greifen:

http://www.amnesty.ch/de/laender/europa-zentralasien/slowakei/dok/2013/aktion-fuer-ausgesonderte-roma-schueler/

http://www.amnesty.ch/de/themen/rassismus-diskriminierung/dok/2014/regierungen-muessen-gewalt-gegen-roma-bekaempfen/?searchterm=Roma

Und ja, "sesshaft" bedeutet in etwa dies hier:

Wenn ich unter solchen Bedingungen hausen würde, suchte ich mein Glück auch in Mitteleuropa, schliesslich bin ich ja EU- oder zumindest Schengen-Bürger. Weit gefehlt, da wird ausgesiebt. Freier Personenverkehr gilt nicht für jeden, nur für den "anständigen" Mazedonier, Kroaten oder Ungarn etc. Was für den Jupiter gilt, gilt nicht für jeden Ochsen, schon klar. Bei den "wenigen" die es dann tatsächlich geschafft haben nach Mitteleuropa zu kommen, sieht es dann so aus:

Also alles klar, die Roma sind einfach nicht wohnfähig. Die wollen im Dreck hausen. Ist das wirklich so einfach? Ich bin da sehr skeptisch und warne davor, es sich in dieser Frage etwas gar leicht zu machen. Da stecken Jahrzehnte an Umerziehung, Anpassung, Verachtung und Diskriminierung dahinter. In vielen Staaten Osteuropas bekommen die Roma gar keine Chance auf eine Grundschulbildung, geschweige denn eine geregelte Arbeit. Kein Wunder flüchten sie. Und, ja was macht denn die 18jährige Romaprostituierte aus Ungarn am Sihlquai (ja ich weiss, den Strich gibt es nicht mehr) anders als ihre Rechte und Chancen beim freien Arbeitsmarkt (resp. Personenfreizügigkeit) zu nutzen? Kann man ihr nicht wirklich nicht vorwerfen. Die Frage ist, ob wir das dulden und ja, ob wir solches Elend noch unterstützen.

Meine Punkte, etwas verdichtet:

  1. PFZ, Schengen, Schengen-Dublin sind Quark. Die EU ist ein Doppelquark, denn sie hat Staaten mit ins Boot geholt, die das Gefälle innerhalb der EU (resp. Schengen) viel zu gross werden lassen.
  2. Ist die Pendenz "Roma und Sinti" europaweit anzugehen, nicht naiv, aber mit Augenmass und ja, man soll dafür sorgen, dass wirklich alle Romakinder die Schule besuchen können. Die EU könnte da Druck aufsetzten, indem sie mit Ausschluss von Staaten droht, die dies nicht garantieren können.
  3. Wir sollten bei uns (natürlich auch anderswo) Wohnblocks gar nicht erst zu reinen Romasiedlungen verkommen lassen, denn dann geschieht das gleiche wie im Balkan, wir bilden ein neues Ghetto (zwar mit fliessend Wasser und Strom). Da lassen sich dann die Angewohnheiten aus früherer Zeit nicht einfach so wegschmeissen, wie leere Bierdosen und anderen Unrat. Dadurch, dass der Block "durchmischt" bliebe, entstünden auch weniger Probleme mit Unrat und Nachtruhestörung etc. Auf der anderen Seite würden auch Berührungsängste auf beiden Seiten abgebaut. Die "andere Lebensweise" meint den Ursprung beim Fahren, nicht etwa einen Freibrief zum Müll aus dem Fenster zu werfen.
  4. Mehr Standplätze für Fahrende. Egal welcher Volksangehörigkeit.

Freue mich auf eine spannende und angeregte Diskussion. Ich selber weiss sehr wenig über Sinti und Roma. Ich wurde von diesem Schriftwechsel zu diesem Thema inspiriert. Von den Roma wusste ich bis anhin nur, dass sie diskriminiert werden, nicht viel mehr...

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