Share Economy und die Politik

In fremden Wohnungen übernachten. In private Autos einsteigen, statt mit dem Taxi zu fahren. Oder auf privaten Parkplätzen das Auto abstellen, statt ins Parkhaus zu fahren. Share Economy heisst der neuste Trend. Nicht mehr besitzen steht im Vordergrund, sondern gemeinsam nutzen. Manchmal von Privaten und manchmal von Unternehmen wie bei Mobility.

Obwohl Share Economy ein Trendthema ist, hat das Teilen in unserem Land eine lange Tradition. So entstand in der Schweiz kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Car-Sharing-Genossenschaft der Welt. Und nirgendwo gibt es so viele Autoteiler wie bei uns (noch). Trotzdem sorgen die neusten Plattformen wie AirBnb, Uber & Co. für mächtig Ärger. Taxifahrer wehren sich in Deutschland gegen die ungeliebte Konkurrenz Uber und verschiedene Städte wie Bern lassen sich die Kurtaxen nicht einfach entgehen. Ja selbst Bauernfrauen, die zum Dinieren einladen, werden vom Gastroverband angegangen, weil dieser glaubt, dass Restaurants unfair behandelt werden.

Liberale Spielregeln müssen her

Verständlich wollen sich z.B. Restaurants gegen die neue Konkurrenz wehren und möchten Dienste, wie die der Bäuerinnen am liebsten verbieten. Doch ist das richtig? Bringen wir es auf den Punkt, in erster Linie fürchten hier etablierte Unternehmen die neuen Mitbewerber und wollen sich diese mit Gesetzen vom Hals halten. Aber seien wir ehrlich, wenn ein Restaurant vor einer privaten Köchin Angst haben muss, dann macht das Restaurant vermutlich etwas falsch und hat ganz andere Probleme.

Wir lancierten vor zwei Wochen selbst einen ähnlichen Dienst www.züri-kocht.ch. Monatlich kochen Private für Private. Das erste Mal am 7. November. Bevor wir uns für einen Ort entschieden, schauten wir uns verschiedene kantonale Gastronomiegesetze an - und es war der Horror. In St.Gallen hätten wir eine Bewilligung für einen Gesamtevent der Stadt und jedes umliegenden Ortes benötigt. Also rund 20 Gemeindebewilligungen. Danach hätten wir den kantonalen Gesundheitsinspektor um eine Einwilligung beten müssen. Sie können sich vorstellen, so etwas tut sich kein Unternehmen freiwillig an. Wir entschieden uns für Zürich, weil das Gastgewerbegesetz einen relativ liberalen Umgang in dieser Frage hat. Wenn ein privater Koch nicht mehr als 8x einen Event durchführt, nicht mehr als 8 Personen an einem Event teilnehmen und kein Alkohol ausgeschenkt wird, braucht es keine Bewilligung. Das ist der Nährboden, auf dem sich neue Konzepte durchsetzen.

Ein liberaler Umgang eröffnet Möglichkeiten

Die Schweiz ist erstaunlich gut unterwegs in diesem Thema. Zum Beispiel wurde die weltweite Nr. 2 für Wohnungsvermietungen Housetrip in Lausanne gegründet. Wie sich die Share Economy entwickelt, ist dennoch unklar. Auf der einen Seite entstehen viele kleine spannende Initiativen und auf der anderen Seite positionieren sich auch grosse Firmen strategisch. Mercedes-Benz testet in Kalifornien aktuell selbst fahrende Autos, dazu kauften sie die Taxi App mytaxi und investierten in Car2go, ein Mobility ähnlicher Dienst. Selbst Automobilkonzerne gehen heute nicht mehr davon aus, dass die Menschen in Zukunft noch ein Auto besitzen wollen, sondern werden neuartige Dienste anbieten.

Von der Share Economy werden viele Menschen profitieren. Wer nicht besitzen muss, kann sich dank Teilen mehr leisten. Wer alleine ist, trifft dank Share Economy neue Leute. Durch zu viele Gesetze werden solche Entwicklungen abgewürgt. Mit einem liberalen Umgang eröffnen sich dagegen faszinierende Möglichkeiten.

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