Stell dir vor, eines Tages würden Muslime eine Mehrheit in der Schweizer Bevölkerung bilden. Würde es dir gefallen, wenn plötzlich andere über dich herrschen?

Stell dir vor, eines Tages würden in der Schweiz die Muslime eine Mehrheit in der Bevölkerung bilden.

Anfänglich würde dies dein Leben nur am Rande beeinflussen. Doch nach und nach würden die Muslime beginnen, unser politisches System zu verändern.

Zuerst würden sie folgendes tun: Sie würden die Präambel der Bundesverfassung abändern auf: "Im Namen Allah's, des Allmächtigen". Dann würden sie zur Finanzierung ihrer Glaubensgemeinschaften eine Sondersteuer bei Unternehmen erheben. Auch christliche oder atheistische Unternehmer wären gezwungen, die Steuer zu bezahlen. Begründet würde dies mit dem wichtigen Beitrag der Moscheen zum Zusammenhalt in der Schweiz.

Als nächste würde das Schweizer Parlament, in welchem mittlerweile die Muslime eine Mehrheit erlangt hätten, ein Gesetzespaket "zur Stärkung von Anstand und Moral" verabschieden, in dem homosexuellen Paaren die Heirat und die Adoption von Kindern verboten würde. Ein Tanzverbot an muslimischen Feiertagen würde eingeführt sowie der Verkauf von Alkohol eingeschränkt. Zudem würde in der 3. Schulklasse ein Islamunterricht eingeführt.

Doch damit nicht genug. Aus Angst davor, dass christliche Kreise wieder an die Mehrheit gelangen könnten, würden radikalislamische Kreise eine Volksinitiative über ein Kirchturmverbot lancieren. Dieses würde auch von gemässigten Muslimen angenommen, mit der Begründung, dass man ein "Zeichen setzen wolle gegen die Re-Christianisierung". Kirchen können schliesslich auch ohne Türme genutzt werden und der Glockenklang rund um die Uhr sei eine Lärmbelästigung. Die Religionsfreiheit sei deshalb durch die Initiative nicht verletzt‎.

Im Rausche ihres Erfolges würde die radikale muslimische Volkspartei (MVP) gleich eine zweite Initiative nachschieben: das Verbot von Nonnenkleidung. Dass es in der Schweiz kaum noch Nonnen gäbe, würde die Initianten wenig beeindrucken. Schliesslich wolle man verhindern, dass es überhaupt so weit komme. Auch ein Verbot von Pfarrern, welche gegen die muslimische Kultur hetzen würden und die demokratisch legitimierten Gesetze kritisierten, wolle man prüfen.

Wenn man sich all diese Szenarien vor Augen führt, sollte man merken, dass wir alles dafür tun müssen, damit die Muslime nicht die Mehrheit erlangen.

Oder etwa nicht?

Das oben dargestellte Problem ist nicht islamspezifisch. Es ist genau so wenig ein Problem der anderen Religionen.

Es ist das Problem, dass wir uns angewöhnt haben, es als normal zu empfinden, dass Mehrheiten legitime Herrscher sind. Die Demokratie, ursprünglich gedacht zur öffentlichen Themen resp. zur Einschränkung der Macht von einzelnen Herrschern, hat sich selbst zum einer Macht entwickeln vor der wir uns fürchten.

Viele Menschen leben in der Illusion, Teil dieser Macht zu sein, weil sie "mitbestimmen" können. Solang das "wir" an der Macht ist, sind wir sicher. Aber die Vorstellung, dass "andere" an die Macht kommen können, jagt uns Angst und Schrecken ein. Der Unternehmer fürchtet sich vor dem Proletariat. Der Christ vor dem Muslim. Diese Angst, dass der andere irgendwann genauso über uns herrschen könnte, wie wir es heute tun, fürchtet uns zu Recht. Leider lässt er bei den wenigsten Leuten den Gedanken aufkommen, dass wir vielleicht mit dem Herrschen aufhören sollten.

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