Der Nationalbank keine goldenen Fesseln anlegen!

Wenn man über die Gold-Initiative diskutiert, muss man wissen, dass die Hauptaufgabe der Schweizerischen Nationalbank die Geldpolitik ist, mit welcher sie die Preisstabilität in der Schweiz gewährleisten muss. Die Nationalbank hat in den letzten Jahren währungspolitisch kritische Situationen gut gemeistert – dies dank ihrer Unabhängigkeit. Es gibt also keinen Handlungsbedarf.

Die Initiative will der Nationalbank die Unabhängigkeit nehmen. Das wäre ein grosser Fehler.Die Initiative ist nicht nur unnötig, sondern auch schädlich. Warum? Um den geforderten Mindestanteil von 20 Prozent Gold aufrecht zu erhalten, müsste die Nationalbank immer wieder Gold kaufen, beispielsweise wenn sie Fremdwährungen kauft, um den Frankenkurs stabil zu halten, oder wenn der Goldpreis sinkt. Dieses Gold dürfte aber nicht mehr verkauft werden, selbst dann nicht, wenn es aus geldpolitischen Gründen zwingend nötig wäre. Währungsreserven müssen in einer schweren internationalen Krise schnell und ohne Einschränkungen verfügbar sein. Wenn die Nationalbank ihre Goldreserven in einer solchen Situation nicht verkaufen darf, kann das Gold die zentrale Funktion von Währungsreserven nicht mehr erfüllen.

Goldpreis sehr volatil.
Für sich allein genommen gehört Gold jedoch zu den riskantesten Anlagen, weil sein Wert sehr stark schwanken kann. So hat ein gesunkener Goldpreis vor einigen Jahren bei der Nationalbank zu hohen Verlusten geführt. Gold wirft zudem keine laufenden Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden ab. Ein wachsender Goldanteil würde deshalb dazu führen, dass der Reingewinn der Nationalbank sinken würde und dadurch die Gewinnausschüttung an die Kantone geringer ausfallen würde. Zwei Drittel des Reingewinns der Nationalbank gehen an die Kantone, ein Drittel an den Bund. Vor allem die Kantone sind auf dieses Geld angewiesen. Je grösser der Anteil von unverkäuflichem Gold in der Bilanz der Nationalbank ist, desto geringer sind also die Möglichkeiten, einen Gewinn auszuschütten.

Risikoverteilung ist wichtig.
Auch die Forderung, dass die Nationalbank die gesamten Goldreserven in der Schweiz aufbewahren muss ist falsch. Die Aufteilung der Bestände im In- und Ausland dient der Verteilung möglicher Risiken und stellt sicher, dass die Nationalbank im Krisenfall Zugang zu mehreren Goldmärkten hat.

Zusammengefasst:
Die Schweizerische Nationalbank hat die Aufgabe, die Preisstabilität zu gewährleisten. Diese Aufgabe kann sie jedoch nicht mehr erfüllen, wenn man ihr goldene Fesseln anlegt.

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