Faszination Nordkorea

Wenn es ein Land auf der Welt gibt, dass ich in meinem Leben noch unbedingt bereisen will, dann ist das Nordkorea.

Warum nur? Dort gibt es ja nicht mal einen McDonalds und ja, seit in Myanmar die Militärjunta die Zügel etwas schleifen lässt, ist Nordkorea neben Kuba das einzige Land auf Erden, in dem es keine Coca Cola gibt.

Mach mir eh nichts aus Cola. Wenn schon eher aus Bier. Dieses mögen die Koreaner angeblich sehr gerne. Wichtig ist einfach, die leeren Flaschen geflissentlich zurück zu geben, da diese dann anschliessend den Spitälern als Infusionsbehälter zu dienen haben (hoffentlich ausgekocht und desinfiziert?).

Dem Volk wird tagtäglich suggeriert, dass es im besten aller Länder lebt. Zwar leidet es im Moment nicht gerade Hunger, dies war auch schon anders. Internationale Nahrungshilfe lief an, nicht ohne Kritik, denn die Angst herrschte vor, das nur die "Nomenklatura" davon profitiert.

"Moderne" Wohnblocks, ohne fliessend Wasser (wenigstens in der Regel mit Strom) und meist ohne funktionierenden Aufzug, machen das Leben in diesem Paradies auf Erden auch nicht gerade leicht. Privatautos gibt es nicht (Ausnahme natürlich für die Parteibonzen), weswegen die sechsspurigen Autobahnen meist leer bleiben.

In meiner Jugend war ich mal in der sozialistischen Volksrepublik Albanien, das war kurz nach dem Tod von Enver Hoxha. Dies war die spannendste Reise in meinem Leben. Wir waren in einem uralten Linienbus der Frankfurter Verkehrsbetriebe unterwegs und besuchten den hintersten Krachen dieses damals abgeschotteten Landes.

Und jetzt die Frage, haben wir überhaupt was gesehen? Zum normalen Volk wurde uns der Zugang zwar nicht verwehrt (wie angeblich in Nordkorea), aber sprechen und uns austauschen konnten wir uns auch nicht (nicht nur wegen der sprachlichen Probleme, die Leute befürchteten ganz offensichtlich negative Konsequenzen, wenn sie mit Ausländern aus dem Westen sprachen).

Das führt mich automatisch zu der Frage, die mich im Moment beschäftigt: Darf man überhaupt in solch ein Land reisen? So rein zum Vergnügen (Geschäftlich wäre was anderes, aber der Businesstourismus hält sich da naturgemäss eh etwas in Grenzen)? Schade ich damit dem Volk, oder im Gegenteil, nütze ich ihm, in dem ich Devisen rein bringe?

Oder muss ich mir diese Fragen gar nicht stellen? Bin ich einfach der fette Tourist, der motzt wenn seine Spaghetti nicht wirklich al dente sind? Mach ich in Kenia ja auch so, derweil die Leute auf der Strasse verhungern.

Was ist überhaupt meine Motivation dorthin zu reisen? Ich suche doch nicht etwa eine Bestätigung dafür, dass es auch eine andere Lebensform als den ungezügelten Raubtierkapitalismus gibt? Das wäre nicht nur voyeuristisch, sondern auch pevers...

18 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production