Faktencheck zur Ecopop-Initiative (NZZ vom 1. Oktober 2014)

Von 2002-2012 (Periode mit Einfluss der EU-Personenfreizügigkeit) betrug die Nettozuwanderung der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung 684'918 Personen. Bei einer durchschnittlichen Wohnungsbelegungsquote von 2.24 Personen/Erstwohnung (Durchschnitt der Jahre 2002 und 2012) mussten für die ausländischen Nettozuwanderer von 2002-2012 305’767 Erstwohnungen bereitgestellt werden. Das sind 66,7% des gesamten Zuwachses an Erstwohnungen.

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist von 1980: 3'067'233 (ohne Grenzgänger) auf 2013 (4. Quartal): 4'899'000 (BfS) um rund 1,832 Mio Erwerbstätige oder 59,7% angestiegen. Mit der Zahl der Arbeitsplätze steigt die Nachfrage nach Büro-, Dienstleistungs-, Produktions-, Lager- und Parkierungsflächen.

Dazu kommt der ständige Ausbau der Verkehrs- und der übrigen Infrastrukturflächen.

Dass das Wachstum der Nutzungsflächen das Siedlungsflächenwachstum ankurbelt ist unbestritten. Richtig ist aber auch, dass mit Verdichtungsmassnahmen das Siedlungsflächenwachstum gebremst werden kann, siehe zum Beispiel der Stadtkanton Genf. Aber wollen das die hier Ansässigen wirklich alle? Zeigen nicht die Entwicklungen in den Landkantonen, dass ein grosser Teil der Bevölkerung das undichte Wohnen schätzt? Müssen wir uns in Zukunft diesen Wunsch wegen der enormen Zuwanderung abschminken? Wer die kommenden Diskussionen über die Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes verfolgt, wird eines Besseren belehrt werden. Es wird die Fortsetzung dessen sein, was wir schon in der Vergangenheit erlebt haben: Die demokratisch legitimierten lokal- und regionalpolitischen Raumplanungsentscheide werden sich gegen die hehren Absichten des neuen Raumplanungsgesetzes durchsetzen. Dies nicht zuletzt wegen des auch von Raumplanern und Stadtarchitekten nicht auszurottenden Wunsches nach „Wohnen im Grünen“. Aber: Soll der Mittelstand sein relativ hohes Einkommen besser für Übersee-Ferien und Autos ausgeben statt es für undichtes Wohnen zu investieren? Was ist ökologisch sinnvoller? Haben wirklich alle Familien Lust, ihre Kindern in städtischen Verhältnissen aufzuzuiehen?

Übrigens: Der Verbrauch von Landwirtschaftsfläche ist auch ein Verbrauch von Naturfläche.

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