Landschaft im Wandel

(Editorial der Unterland Woche Nr. 3 vom 30. September 2014)

Fotovergleiche unserer Landschaft über Jahrzehnte faszinieren. Gerade deshalb, weil der Wandel zwar täglich, aber schleichend voran schreitet und deshalb über kurze Zeit kaum auffällt.
Der Landschaftswandel dokumentiert das Bevölkerungswachstum, den Wirtschaftswandel – von der Agrargesellschaft über die Industrie- zur Dienstleistungs-gesellschaft – aber auch den Wertewandel in unserer Gesellschaft eindrücklich. Der stetig steigende Wohlstand ist gleichzeitig Folge und Ursache für die veränderte Nutzung unseres Lebensraumes, der zugleich auch unser "Wirtschaftsraum" ist.
Der Bildvergleich zeigt dies eindrücklich. Abgebildet ist ein Teil von Bachenbülach,
mit Blick Richtung Dielsdorf und Lägern.

Die Bedürfnisse und die Nachfrage nach Mobilität, nach Wohnraum, Produktions- und Verkaufsflächen, Sport- und Erholungsräumen steigen und ändern sich unaufhaltsam. Die zur Verfügung stehende Fläche hingegen bleibt gleich! Bis heute führt das dazu, dass Landwirtschaftsland anderen Nutzungsformen zugeführt wird.

Nutzungskonflikte

Eine vorausschauende Raumplanung regelt den haushälterischen Umgang mit dem limitierten Gut unseres Lebensraumes und verhindert oder begrenzt zumindest Nutzungskonflikte, denn nicht immer herrscht Einigkeit über die Art der Raumnutzung. So gilt es in diesem Spannungsfeld laufend sehr schwierige Entscheide zu fällen, denn gewisse Nutzungsformen schliessen sich gegenseitig aus, wie folgende Beispiele zeigen:
Bauland versus Landwirtschaftsland! Verbesserte Mobilität versus Lärmbelastung von Wohngebieten! Neubau von Strassen versus Schutz des Landschaftsbildes!

Weil die heutigen Entscheide in der Raumplanung nicht zuletzt die kommenden Generationen betreffen, ist Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein gefragt. Es gilt, die Raumnutzung clever zu organisieren, um möglichst vielen Ansprüchen der Gesellschaft an unseren Lebensraum gerecht zu werden.
Wie komplex sich Entscheide auswirken können, zeigt das folgende Beispiel, das auf viele Unterländer Gemeinden zutrifft: Einerseits mag man die verdichtete Bauweise – ein politischer Entscheid– und damit das Überbauen der letzten Grünflächen in bestehenden Wohnzonen bedauern. Andererseits wird dadurch aber Kulturland geschont und der Zersiedelung der Landschaft Einhalt geboten. Vielleicht bringt die mit dem verdichteten Bauen verbundene, meist unpopuläre, hohe Besiedlungsdichte jedoch den Einwohnern eine zusätzliche, längst erwünschte Buslinie. Denn stark ausgebauter, öffentlicher Verkehr ist nur in dicht besiedelten Regionen sinnvoll und bezahlbar.

Herausforderungen damals

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Jahr 1916 an der Stelle des Fotografen und blicken in die naturnahe Landschaft, umgeben von absoluter Ruhe. Die scheinbare Idylle auf dem Bild von 1916 trügt allerdings, das Unterland war damals ein rückständiger Wirtschaftsraum. Damals machte sich die Bevölkerung Gedanken und Sorgen um die Abgeschiedenheit des ländlichen Zürcher Unterlandes, um die fehlenden Verbindungen zur Stadt Zürich, wo die aufkommende Industrialisierung neue Arbeitsplätze und Wohlstand bot. Ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung musste in die aufkommenden Industriezentren Zürich und Winterthur abwandern, weil die aufkommende Mechanisierung in der Landwirtschaft Arbeitsplätze vernichtete. "Pendeln" war damals noch nicht möglich und wenn schon, dann nur zu Fuss!

Herausforderungen heute

Heute ist die Mobilität hervorragend, die Anbindung des Zürcher Unterlandes sogar international gewährleistet. Der Flughafen ist Teil unserer "Erfolgsstory" bezüglich Wohlstand und Lebensqualität im Zürcher Unterland. Trotzdem stehen wir vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen: Der zukünftige Betrieb des Flughafens und die damit verbundene Lärmbelastung, die Umfahrungsstrasse von Eglisau, die Endlagerung von atomarem Abfall im Zürcher Unterland, eine verstärkte Nachfrage nach Wohnraum, der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs und vieles mehr. Herausforderungen, die nur in regionaler, kantonaler und nationaler Zusammenarbeit lösbar sind.

Meine Herausforderung

Als Mitglied des Gemeinderates von Bachenbülach, als Kantonsratskandidat und ebenso als Zürcher Unterländer, bin ich mit dem Phaenomen des Landschafts- und Raumnutzungswandels konfrontiert. Die Bedürfnisse an den Lebensraum haben sich gewandelt und werden sich weiter wandeln. Es gilt zukunftsgerichtet zu planen und zu entscheiden. Eine Herausforderung, die mit Weitsicht, Augenmass und solidarischem Handeln anzugehen ist. Politische Entscheide, die die Raumnutzung betreffen, bestimmen zu einem wichtigen Teil die heutige und zukünftige Lebensqualität in unserer Region. Ich werde mich, unter Beachtung aller Aspekte und Bedürfnisse, gerne in diese Entscheide und deren Umsetzung einbringen.

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