Fremd, fremder, weltfremd

Schlafen Sie auf einem fremden Kissen? Ja, was ist überhaupt ein fremdes Kissen? Ist es fremd, weil es aus dem Ausland kommt oder weil es nicht Ihnen gehört? Vielleicht gehören Sie auch zu jenen Menschen, die neben den fremden Richtern auch gleich alles nicht Schweizerische aus ihrem Leben verbannen möchten? Wäre da nicht noch die CH Fahne. Wenn Sie genug bezahlen auch made in Switzerland, ob jedoch alle Rohstoffe tatsächlich aus der Schweiz stammen, bleibt trotzdem fraglich.

Während die Globalisierung und internationale Arbeitsteilung der Schweiz den heutigen Wohlstand überhaupt ermöglicht hat, zieht die SVP gegen alles Fremde ins Feld. Fremde Vögte, fremde Richter, Scheinflüchtlinge, Sozialschmarotzer, um nur ein paar der expansiv genutzten Worthülsen zu erwähnen. Oder anders gesagt, real existierende Probleme werden mit Hochdruck aufgepumpt, populistisch ausgekleidet und der schuldigen Classe politique zugewiesen. Auch so ein schönes Wort aus dem beliebten SVP Vokabular.

Im mittleren Erregungszustand gegen das Fremde, könnte man(n) oder Frau doch glatt vergessen, dass die SVP als wählerstärkste Partei auf nationaler Ebene am meisten Männer und Frauen in diese so genannte Classe politique entsandt. Aber wir waren ja bei den Fremden, die uns so viele Probleme bereiten, dass die SVP doch beinahe im Wochentakt eine neue Volksinitiative ankündigt. Es geht bekanntlich um nicht weniger, als die Rettung der Schweiz vor der Classe politique und den EU Vögten. Toni Brunner als Präsident – hat schliesslich in einem kürzlich veröffentlichten Zeitungsinterview nochmals nachdrücklich darauf hingewiesen, dass wer eine starke und unabhängige Schweiz will, „nur“ SVP wählen kann. Die anderen Parteien seien anpasserisch und unterwürfig. Was in Summe immerhin über 75% aller Wählenden zusammenfasst.

Auch die Schweizer Armee hat in den aktuellen Wirren rund um das Fremde ein Zeichen gesetzt und in Aussicht gestellt, dass Schweizer Soldaten in Zukunft nur noch mit Schweizer Fleisch verköstigt würden. Ein kräftiger Applaus an die Nation, derweil die Hühner made in Switzerland in ihrem Futter fremdes Soja aus Brasilien konsumieren.

Am Schluss möchte ich es nicht unterlassen, Danke zu sagen. Wären diese Menschen nicht gewesen, ich hätte diesen Text gar nie schreiben können. Dem Chinesen Cai Lun, wahrscheinlicher Erfinder des Papiers. Dem Deutschen Konrad Zuse, für die Erfindung des Computers. Dem Amerikaner, Raymond Samuel Tomlinson, welcher als Erfinder des Emails gilt und last but not least den Griechen und ihrer Schrift, welche als Ausgangspunkt der europäischen Schriften gilt.

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