Love Life - Religion vs Realität

Die Love Life Kampagne vom BAG (Bundesamt für Gesundheit) polarisiert. Es wurde in den letzten Tagen viel darüber gesprochen – Ziel erreicht. Ganz egal ob die Rückmeldungen positiv oder negativ waren, das Thema wurde behandelt und genau das soll der Sinn und Zweck von solchen staatlichen Kampagnen sein - schlicht gesagt: “Es ist erfreulich.“

Weniger erfreulich; die Antwort von der SEA (Schweizerische Evangelische Allianz).

*[Zitat 20min:] Fünf Paare liess das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für seine Love-Life-Kampagne beim Sex fotografieren – 1900 Plakate hängen seit einer Woche in der ganzen Schweiz. Das stösst der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) sauer auf: Diese Bilder seien für viele Menschen anstössig. Bereits Ende Mai hatte die Organisation, die 630 landes- und freikirchliche Gemeinden vertritt, 10'000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, in der das BAG gebeten wurde, den Aushang der Sexbilder zu stoppen – vergeblich.

Doch die SEA gibt nicht auf: Sie lanciert eine eigene Kampagne. In deren Mittelpunkt steht die Treue, die in der Ehe gelebt wird. [Zitat Ende]*

Diese Gegenkampagne und assoziierte Gedankengut ist gefährlich und verharmlost ein reales Problem mit wohl-fühl Semantik-Verbrechen wie “Treue schützt vor Reue“.

Ich habe schon alleine mit dem Moralapostel Gehabe gehörig Mühe, was dann aber noch weitaus schlimmer wiegt ist wenn eine Gruppe auf einen Zug aufspringt und ein ernstes Thema trivialisiert und zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, dass man es quasi verdient hat an diesem grässlichen Virus zu erkranken.

Wir sind im 21. Jahrhundert und das Thema Sexualität ist für die Kirche noch immer so toxisch; am besten man spricht nicht darüber. Während die Wissenschaft die Geheimnisse des Universums aufdeckt, debattieren Religionen noch immer darüber wie man sein Geschlechtsteil zu benutzen hat.

In der Zwischenzeit artet die Negativkritik in Vandalismus aus – Plakate werden verschmiert oder anderweitig zerstört. Erschreckend wie wenig es braucht damit ein Mensch Gewalt anwendet. Ich habe gehofft, dass wir in einer Zeit leben wo Religion an Relevanz verliert; wo Leute realisieren, dass es sich um reine Fiktion handelt und nicht sehr gute dazu. Stattdessen kriege ich immer mehr das Gefühl, dass wir uns langsam wieder in die Vergangenheit stürzen – auch mit Hilfe von falschem Multi-Kulti-Wahn, bei dem es tatsächlich Mitbürger gibt die Aussagen und Aktionen von Fundamentalisten entschuldigen und schlimmer noch - verteidigen!
Wie weit gewisse Kreise gehen haben wir vor ein paar Jahren gesehen wo mit Anschlägen gedroht wurde falls die “There‘s probably no god“-Kampagne gezeigt werde. Die Reaktionen damals wie jetzt sind traurig, erschreckend und widerlich...

Was sind eure Gedanken zur momentanen BAG-Kampagne? Wie reagiert ihr wenn Kirchen in Gesundheitsfragen eingreifen – oder gar ein Monopol auf Liebe und Sex verlangt?

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