Betrachtungen zu: „Die Generalswahl vom 3. August 1914“ „Intrigen, Verzögerungen und ein abendlicher Canossagang“

„NZZ“, vom Samstag, 2. August 2014, 14:00; verfasst von Dr. Daniel Sprecher;
Link: http://www.nzz.ch/schweiz/intrigen-verzoegerungen-und-ein-abendlicher-canossagang-1.18355089 .

Rhoenblicks Kommentar:
Ich habe während und nach dem zweiten Weltkrieg viel Kritisches, ja Ablehnendes über General Ullrich Wille und Bundesrat Arthur Hoffmann (FDP) von meinen Grosseltern und Eltern gehört habe - obschon meine Familien damals und auch heute der Freisinnigen Partei angehört haben bzw. angehören.
Ich meine, ein relativ kleiner, aber einflussreicher Teil der Deutschschweizer hatte - vor 1914 - Sympathien für das kaiserliche Deutschland, für den deutschen Kaiser in Person von Wilhelm II. (Das war lange Zeit auch Adolf Hitler betreffend der Fall – ich komme darauf zurück). Mit dem Überfall der deutschen Truppen auf das neutrale Belgien, der Zerstörung von Löwen, der Beschiessung der Kathedrale von Reims machte sich im schweizerischen Bürgertum erst recht Ablehnung breit – so mein Eindruck aus den Gesprächen und Diskussionen, die ich miterlebt habe.

Allerdings, der Titel des interessanten, lesenswerten „NZZ“- Beitrages ist leider teilweise fraglich: Der Autor formuliert: „und ein abendlicher Canossagang“. Canossagang -?
Gang nach Canossa bedeutet: sich demütigen/erniedrigen/unterwerfen (müssen) - Reue zeigen (müssen) - sich unterwürfig entschuldigen (müssen) - jemanden um Vergebung bitten (müssen). Zum redensartlichen Gang nach Canossa trug Reichskanzler Bismarck bei, als er 1872 vor dem Reichstag über die Ablehnung des deutschen Gesandten Kardinal Hohenlohe durch den Papst sprach: "Seien sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht – weder körperlich noch geistig."
(Quelle: „**Wikipedia“**; Link:http://de.wikipedia.org/wiki/Gang_nach_Canossa )

Nun, der Beitrag von Herrn Dr. Daniel Sprecher vermittelt nicht so sehr den Eindruck, dass Ulrich Wille sich erniedrigt hat, auch wenn beschrieben wird, wie Wille gesagt habe, dass, wenn er nicht General werde, „dürfe er sich seinen Damen (Gattin Carla, [Gräfin von Bismarck (1851–1946), der Tochter von Friedrich Wilhelm Graf von Bismarck;] Töchter Elisabeth und Renée) nicht mehr zeigen“.
Vielmehr geht aus dem Text in der „NZZ“ hervor, dass Ulrich Wille massiv gedroht hat. Er liess den Bundesrat und Theophil Sprecher von Bernegg wissen, dass er sich alle Schritte und Freiheiten in der Presse gegenüber der Armeeleitung wahre, falls er nicht gewählt werde“. Dies hätte Herr Wille auch getan; das hat Theophil Sprecher von Bernegg gewusst und entsprechend bedacht. Da sehe ich den Kern seines Entschlusses, eine Wahl zum General abzulehnen.
Ulrich Wille hatte nicht nur massiv gedroht, dieser Mann hätte seine Drohungen auch wahr gemacht – das war wahrlich kein „Canossagang“, das war Erpressung!

Der Text ist höchst aufschlussreich und liest sich spannend.
Die Listen und Ränke von Bundesrat Arthur Hoffmann werden anschaulich beschrieben: „Bundesrat Hoffmann tritt vor die Mitglieder der Neutralitätskommission und behauptet ein erstes Mal, wenn Wille, der „Kandidat des Bundesrates“, gewählt werde, garantiere Deutschland [Kaiser Wilhelm II.] die Anerkennung der schweizerischen Neutralität – das muss man sich auf der Zunge vergehen lassen und erinnert an neuere und neueste Entscheide unseres Parlamentes, namentlich des Nationalrates!
Es waren auch damals die eidgenössischen Räte, die – mit Grund – die von Bundesrat Hoffmann forcierte Wahl von Ulrich Wille zum General vereitelten. Nur der Verzicht von Theophil Sprecher von Bernegg machte Ulrich Wille zum General.

Der Artikel hat bei mir eine erneute Auseinandersetzung mit General Ulrich Wille und Bundesrat Arthur Hoffmann, dessen zwielichtige Rolle Dr. Daniel Sprecher eindrücklich beschreibt, ausgelöst und mir wieder in Erinnerung gerufen, dass Ulrich Wille 1848 in Hamburg als Sohn deutscher Eltern geboren wurde, die 1849 in unser Land einwanderten. Bundesrat Arthur Hoffmanns Grossvater war von Geburt her Deutscher.

Bundesrat Arthur Hoffmann hat nicht nur bei der Generalswahl eine unglückliche, wenn nicht zwielichtige Rolle gespielt
• Die Februarrevolution 1917 hatte den russischen Zaren weggefegt - Bundesrat Hoffmann war zumindest informiert über die umtriebige Planung höchster deutscher Stellen und des schweizerischen Sozialisten Fritz Platten Lenin aus der Schweiz nach Russland zu bringen, um dort die kommunistische Revolution auszulösen (Lenin setzte sich erst im Oktober 1917 durch) . Mit einer Gruppe anderer Emigranten fuhr Lenin am 26. März 1917, begleitet von Fritz Platten, der die Reise über Deutschland in einem plombierten Eisenbahnwagen organisiert hatte, aus der Schweiz nach Stockholm und von dort über Finnland nach Petrograd.
(Quelle: „**Viertelsjahrhefte für Zeitgeschichte“**, Oktober 1957; Link: http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1957_4.pdf ).
• In Zusammenarbeit mit Robert Grimm nahm Bundesrat Hoffmann 1917 eigenmächtig Sondierungen auf, um an der deutschen Ostfront einen Separatfrieden zwischen dem deutschen Kaiserreich / und der provisorischen Regierung Kerensky zu vermitteln. Die Alliierten betrachteten den schweizerischen Vorstoss für einen Separatfrieden zu Recht als schwere Verletzung der Neutralität und übten scharfe Kritik, denn in der Folge hätte das deutsche Kaisereich alle seinen Truppen an der Westfront einsetzen können. In der Westschweiz und im Tessin fanden Kundgebungen statt, um die Landesregierung an ihre Verpflichtung zur Neutralität zu erinnern. In der Folge dieser „Grimm-Hoffmann-Affäre“ musste er am 19. Juni 1917 als Bundesrat zurücktreten.
(Quelle: „Historisches Lexikon der Schweiz“; Link: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3991.php und http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17333.php ).

Ohne die Hilfe Kaiser Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das erste Jahr an der Macht wohl kaum überstanden.
(Quelle: „Der Spiegel“, vom 18.12.2007; 6 Autoren: „Lenin und der Kaiser“.
Link: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-54841257.html ).
Und irgendwo, irgendwie war Bundesrat Arthur Hoffmann beteiligt, dem die Schweiz auch General Ulrich Wille verdankt.

Ausgehend von General Wille ist ein Blick auf seinen Sohn Ulrich angezeigt
Dieser lebte und kultivierte die Deutschfreundlichkeit der Willes ins Extreme (Einfluss der deutschen Mutter adligen Geblüts?).
Ausführlich berichtet „Der Beobachter“ unter dem Titel: „Pro Juventute Gründer Ulrich Wille - Der Mann, der Hitler in die Schweiz holte“
(Link: http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde/artikel/pro-juventute-gruender-ulrich-wille_der-mann-der-hitler-in-die-schweiz-holte/ ).

Ulrich Wille Junior bewunderte den preussischen Militarismus noch mehr als sein Vater. 1906/07 leistete er während eines Jahres Dienst beim königlich-preussischen Gardejäger-Bataillon in Potsdam und schwärmte: „Ich habe mein Ausland-Kommando […] angetreten mit dem Bewusstsein, dass ich seit meinem ersten militärischen Denken die deutsche Armee mit Augen der Bewunderung betrachtet habe.“ Fazit des damals 30-Jährigen: „Ich habe die deutsche Armee verlassen mit der Überzeugung, dass [sie] zuversichtlich in einen Krieg ziehen darf.“
Bei den von Ulrich Wille Senior arrangierten „Kaisermanövern“ vom September 1912 war Ulrich Wille Junior als Major Platzkommandant.
1914, mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wollte Ulrich Wille Junior in die deutsche Armee übertreten und Deutschland in seinem Kampf aktiv unterstützen.

Gleich nach dem Ersten Weltkrieg knüpfte Ulrich Wille Junior Kontakte zu führenden Köpfen der völkischen Bewegung in Deutschland. Ab 1919 reiste er nach München und Berlin und besuchte politische Veranstaltungen, wo er auch Reden hielt. Er trat beim „Alldeutschen Verband“ auf, der durch antidemokratische, antisozialistische und antisemitische Propaganda aufgefallen war. Ulrich Wille Junior traf Mussolini persönlich, als er Ferien in der deutschen Botschaft in Rom machte.

1922 freundete sich Ulrich Wille Junior mit Rudolf Hess an, dem späteren Hitler-Stellvertreter, der damals in Zürich studierte und fortan einmal pro Woche zum Mittagessen in Willes Zürcher Prunkvilla Schönberg einkehrte. Durch Hess lernte Wille die Nationalsozialistische Partei NSDAP und deren Führer Adolf Hitler kennen. Ab Herbst 1922 sind Hess und andere NSDAP-Spitzen regelmässig zu Besuch bei Willes in Zürich oder auf dem Landsitz der Wille-Familie. Bei diesen Visiten geht es vor allem darum, Geld für die Partei zu sammeln. Die Spenden erfolgen anonym, „damit keine schriftlichen Beweise für die Unterstützung einer Partei existierten, die sich mit ihren Umsturzplänen auf dem Weg in die Illegalität befand“.

Ulrich Wille Junior unterstützte die antidemokratische Bewegung tatkräftig. 1922 entwickelte er mit Grossadmiral Alfred von Tirpitz „Pläne zur Errichtung einer Diktatur in Deutschland“. Weil er abklären wollte, ob Hitler bei diesem Umsturz hilfreich sein kann, reiste Wille im Dezember 1922 an eine Hitler-Veranstaltung nach München. Er traf ihn zu zwei Privatgesprächen und berichtete: „Heute will ich nur melden, dass Hitler mir einen guten Eindruck gemacht hat und seine Person und Arbeit für die Zukunft von grosser Bedeutung ist.“ Bei einem dieser Treffen übergab Wille Hitler 2000 Franken.

Ein Jahr später doppelte Ulrich Wille Junior nach: Er lädt Hitler nach Zürich in seine Villa ein, damit der „Führer“ einen Vortrag halten und eine Kollekte aufnehmen kann. Dieses Treffen, das der Historiker Willi Gautschi [wurde – völlig zu Unrecht - von bürgerlichen Kreisen stark angefeindet, die „bürgerlich“ und „rechtsbürgerlich“ nicht zu unterscheiden wussten] akribisch nachgezeichnet hat, fand am 30. August 1923 statt. Hitler hatte „zu Studienzwecken“ ein Visum für acht Tage erhalten. Das deutsche Generalkonsulat in Zürich notierte, der „Münchner Antisemitenführer Adolf Hitler“ habe in der Schweiz „mit alldeutschen Kreisen Fühlung [auf-]genommen“. Besonders herzlich sei der Empfang in Zürich verlaufen, so Gautschi; dort sei er „zusammen mit Hess an den Tisch der Familie Wille eingeladen“ worden.
Laut einem Dokument des bayrischen Staatsministeriums des Äussern ist es Hitler damals gelungen, „30'000 Schweizerfranken aufzubringen“. Heute wären das über 600'000 Franken. Hitler revanchierte sich drei Jahre später: Wille erhält von ihm eine signierte Ausgabe der Streitschrift «Mein Kampf», in der Hitler unter anderem die Vernichtung der jüdischen Rasse fordert. Wille bedankte sich artig bei Hitler.

Es drängt sich die Frage auf, wie weit Ulrich Wille Junior mit Kenntnis und Billigung von Ulrich Wille Senior (gestorben 1925), dem General von 1914 bis 1918, über den Sie, sehr geehrter Herr Sprecher berichten, so gehandelt, so agitiert hat. Die Familie Wille musste sich sehr einsetzen, um Ulrich Wille Junior davon abzuhalten, 1914, mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in die deutsche Armee überzutreten und Deutschland in seinem Kampf aktiv zu unterstützen.
(Quelle: „Der Beobachter“; Link: http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde/artikel/pro-juventute-gruender-ulrich-wille_der-mann-der-hitler-in-die-schweiz-holte/ ).
Von den oben erwähnten Anlässen und Treffen in der Schweiz - bis 1924/25 - musste General Ulrich Wille zumindest Kenntnis gehabt haben.

Ich habe mich gefragt, ob Ulrich Wille Junior die ‚Eingabe der Zweihundert‘ unterzeichnet hat – was aber nicht der Fall ist.
(Quelle: „dodis.ch“; Link: http://db.dodis.ch/document/19037 ).
Die vor und während des ersten Weltkrieges grassierende Germanophilie in rechtsbürgerlichen Kreisen der Schweiz war die Grundlage für dieser ‚Eingabe der 200‘ – auch ein Thema in unseren Familien. Die Eingabe wurde am 15. November 1940 an den Schweizer Bundesrat gerichtet. Darin forderten 173 Personen aus rechtsbürgerlichen Kreisen aus Rücksicht auf Erwartungen des nationalsozialistischen Deutschlands die Ausschaltung der Chefredaktoren führender bürgerlicher Zeitungen der Schweiz - so: Willy Bretscher, Chefredaktor der „NZZ“ von 1933(!) bis 1967) sowie die Ausweisung des Völkerbundes aus der Schweiz.
(Quelle: „Historisches Lexikon der Schweiz“; Link: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17341.php ).

Wie verlief 1939 die Generalswahl 1939 im Vergleich zu der im Text von Dr. Daniel Sprecher beschriebenen von 1914?
Die deutschfreundlichen rechtsbürgerlichen Kreise waren der Meinung, dass Oberstkorps-kommandant Ulrich Wille dem Oberstkorpskommandant Henri Guisan überlegen sei. Doch die Wahl von Henri Guisan zum General der Schweizer Armee verlief überzeugend und ohne Störungen.
Ulrich Wille Junior agitiert gegen General Guisan

Wir erinnern uns an das von Dr. Daniel Sprecher geschilderte Gespräch von Ulrich Wille Senior mit dem designierten General Theophil Sprecher von Bernegg.
Ulrich Wille Junior, Oberstkorpskommandant ab 1933, hat keine Chance, zum General gewählt zu werden. Er gab sich aber nicht geschlagen. Er nahm die Panne mit den Planungsunterlagen zum „Manöver H“ (Helvetie) zum Anlass, gegen General Guisan zu intrigieren, mit dem Ziel ihn abzusetzen. Das „Manöver H“ war für einen deutschen Umgehungsversuch der Maginot-Linie über schweizerisches Staatsgebiet vorgesehen. Der Operationsplan sah einen Einmarsch französischer Truppen in die Schweiz, die Besetzung von durch die Schweiz vorbereiteten Verteidigungsstellungen (Gempenplateau) und einen gemeinsamen Kampf gegen die Wehrmacht vor und wäre innerhalb von Stunden nach einem Angriff der Wehrmacht auf die Schweiz umgesetzt worden. Nach dem Fall Frankreichs vernichtete der Schweizer Generalstab seine Exemplare. Aber die deutsche Wehrmacht fand die Exemplare der Franzosen am 16. Juni 1940 in einem auf einem Nebengeleise des Bahnhofs La Charité-sur-Loire abgestellten Zug. Die „Weltwoche“ berichtet in ihrer Ausgabe 34/2009 …
(Link: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-34/artikel-2009-34-zweiter-weltkrieg-kampf-der-generaele.html )
… unter dem etwas reisserischen Titel „Krieg der Generäle“ anschaulich, wie am 30. September 1940 - die Luftschlacht um England begonnen hatte. Der Sieg der Nazis schien eine Frage der Zeit; London wurde bombardiert. Bei einem Treffen bei Iwan von Ilsemann, dem deutschen Militärattaché in Bern drang Oberstkorpskommandant Ulrich Wille auf Otto Köcher, den deutschen Gesandten in Bern ein: „Ich glaube, wenn wir die Sache zur Sprache bringen würden, wäre der Bundesrat doch bemüht, dass der General sich zurückziehe. Am besten wäre sowieso, wenn demobilisiert würde. Dann kann auch der General nicht bleiben, da seine Funktionen ganz automatisch erlöschen würden.“ – wie Otto Köcher nach Berlin übermittelte. Wille war sehr weit gegangen. Manche sprachen später von Hochverrat. Selbst Köcher war die Sache zu heikel: Er ging auf die intrigante Anregung von Wille nicht ein. Zu einem Vorstoss beim Bundesrat kam es nicht.
Auf Ende 1942 zwang General Guisan Ulrich Wille Junior zum Rücktritt als Korpskommandant; der Bundesrat schickte ihn in Pension.

Ein Blick auf die Fortifikation Murten soll die Betrachtung abschliessen
General Ulrich Wille befahl den Bau der „Fortifikation Murten“ mit dem Ziel einen möglichen Angriff der Franzosen abzuwehren. Es ist eine Hypothese, anzunehmen, dass der Anstoss zu diesen ausgedehnten Befestigungsbauten vom Großen Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers und Königs angestossen worden ist. Fakt ist aber, dass ein Mitglied der kaiserlichen Familie diese Sperre inspiziert hat und sich überzeugt zeigte, dass sie einem Angriff der Franzosen standhalten würde(Information anlässlich einer Exkursion der „Gesellschaft für militärhistorische Studienfahrten“ nach Murten).
Eugen Bircher, der Stabschef der Fortifikation Murten liess seiner Antipathie gegen die Franzosen im Oktober 1915 freien Lauf: Er lässt den französischen Botschafter und den britischen Gesandten samt ihren Militärattachés festhalten. Die Diplomaten wollten über die Zihlbrücke nach Murten fahren, konnten aber nicht die nötigen Ausweiskarten des Schweizer Militärkommandos vorlegen.
(Quelle: „Berner Zeitung“: „Festung Schweiz“; Link: http://www.bzgrafik.ch/festungschweiz/ ).
Eugen Bircher, ab 1934 Oberstdivisionär, machte aus seinen Sympathien für den deutschen Militarismus nie einen Hehl. 1917 löste er durch seine öffentliche Kritik an der „Entente-freundlichen“ Haltung des schweizerischen Bundesrats die „De-Loys-Affäre“ aus. „De-Loys-Affäre“ - ? (Der Schweizer Geologe François de Loys behauptete 1917 einen Menschenaffen, den „ De-Loys-Affe“ entdeckt zu haben. Seine Existenz gilt aber als nicht erwiesen - ?)
1941-März 1943 ist Divisionär Eugen Bircher Mitorganisator und zum Teil Leiter von Ostfrontmissionen (schweizerische militärärztliche Missionen auf deutscher Seite) des Schweizerischen Roten Kreuzes.
(Quelle: „Historisches Lexikon der Schweiz“; Link: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D5018.php ).

Ich frage mich, ob rechtsbürgerliche Kreise wegen ihrer Nähe zum Nazitum, zu Adolf Hitler und Konsorten unser Land noch in den Krieg hätten hineinziehen können – mit verheerenden Folgen. Diese Gefahr hat sich schon vor dem ersten Weltkrieg, dem wir zurzeit gedenken, angebahnt und, wie eingangs erwähnt, bei engagierten Schweizer Familien Widerstand ausgelöst.

Als Freisinniger muss ich rückblickend feststellen, dass - vor und während des zweiten Weltkrieges - die Sozialdemokratische Partei der Schweiz ein notwendiges Gegengewicht zur Rechtslastigkeit gewisser Kreise gewesen ist. Es stellt sich die Frage, ob die SPS durch ihre konsequente Haltung besonnenen Bürgerlichen, wie zum Beispiel Willy Bretscher, Chefredaktor der „NZZ“, Rückhalt im Kampf gegen schweizerische 3.Reich-Sympathisanten gegeben hat.

Im Rückblick auf die Zeit des ersten Weltkrieges drängt sich die Frage auf, wie viel unser Land der konsequenten Ablehnung der Deutschtümelei durch Welschschweizer und Tessiner zu verdanken hat.

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