Festrede zum 1. August im schönen Arni zum Thema Weitsicht

Sie fahred vo Arni Richtig Oberlunkhofe: Wiitsicht.

Vor mehrere Jahrzehnt isch Planig vo dä Westumfahrig in Agriff gno worde: Wiitsicht.

Sie sorged fürs Alter vor: Wiitsicht.

D Gmeind Arni häd vor es paar Jahre s Testutz-Gebäude kauft: Wiitsicht.

Wiitsicht isch e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft. Ohni Wiitsicht chönt d Schwiiz hüt ned dä 723. Geburtstag fiire.

Liebe Arnerinne und Arner, liebi Festgmeind, herzlich Willkomme a dä 1. August-Fiir da im schöne Arni.

Es freut mich sehr hüt do bi Ihne z’sii. Und das häd e Grund: Zu Arni han i nämli ganz en spezielli Beziehig:

Vor zimli genau 10 Jahr han ich do in Arni mini erst eignig Wohnig bezoge. Die liecht erhöhti Lag, d Nöchi zu Züri und dä Stürfuess händ unter anderem für Arni gsproche. Dass es denn au sehr sympathischi Mit-Iwohner wird ha, han i denn natürli noni chönne wüsse. A öppis mag i mi no ganz guet erinnere.

Churz nach em Izug häd e Nochber ime breite Züri-Dialekt zu mir gseid: Du bisch au ned vo do?!? Ich ha ihn druf abe frogend aglueged und er häd gseid: Din Dialekt! Offebar isch min Freiämter-Dialekt ned als iheimisch aglueged worde. Sie chönd sich vorstelle, dass i mi uf das abe gfrogt han, wo n i denn do au no glandet bi. Es häd aber au zeigt, dass ich ned dä einzig gsi bi, wo Arni attraktiv gfunde häd. Im 2009 bin i zwar dänn wegzoge – aber ned öppe wäg mim Dialekt – sondern will i is Usland bin. Ich han aber für Ersatz gsorgt. Eme guete Kolleg häds da in Arni so guet gfalle, dass er sogar us dä Stadt Züri do he zoge isch. Das isch au dä Grund, wieso ich no öppe do in Arni aztreffe bi.

Zrugg zu Wiitsicht.

Wenn i vo Arni Richtig Oberlunkhofe underwegs bin, beidruckt mi die Wiitsicht id Berge und is Rüsstal immer wieder ufs Neue. Es gid mir amigs chli s Gfühl vo Freiheit. Und das isch denn au de Grund, Sie werded sich vellecht scho gwundered ha, worum ich für mini Red s Thema Witsiicht gwählt han.Händ Sie sich scho mol überleid, was für Sie Wiitsicht bedüted? Wiitsicht isch e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft, do devo, bin i überzügt. Damit mer Wiitsicht bhalted, sind für mich drü Aspekt wichtig. Und do dezue gib ich Ihne es paar Gedanke mit uf ä Weg:

  1. Unabhängigkeit

A erster Stell stod für mich Unabhängigkeit. Unabhängigkeit isch für d Schwiiz, für ä Gmeind wie Arni und au für mich als Politiker vo grosser Bedütig. Aber, dä Reihe na:

D Schwiiz isch bisher guet gfahre, ned Teil vo dä EU zsi. Die Unabhängigkeit häd ihre Priis. D Schwiiz zahlt nämli pro Jahr über 1 Milliarde Franke ad EU. Mängmal frog i mi zwar, ob das Geld au witsichtig igsetzt wird. Und wüssed Sie wenn? Dänn, wenn ich z.B. in Kärnte über vergoldeti Autobahne mit Flüsterbelag fahre, wo mit EU-Milliarde finanziert worde sind. Wenn i denn aber uf die grosse EU-Länder Frankrich, Spanie, Dütschland und Italie luege - dä Schuldeberg und d Arbetslosigkeit mit dä Schwiiz vergliche, bin i grad wieder froh, zahled mir die Milliarde für d Unabhängigkeit. Ich bin nämli sicher, dass d Unabhängigkeit vo dä Schwiiz eine vo dä Hauptgründ isch, wieso s üs so guet god.

Dütschland häd a dä WM zwar bewiese, dass sie Fuessball spiele chönd, mir isch es aber lieber, wenn mir e funktionierendi Wirtschaft mitere tüüfe Arbetslosigkeit händ, anstatt die best Fuessball-Nati. Villicht teiled Sie ja mini Meinig, wenn au nur teilwiis. Unabhängigkeit isch im Fuessball immer wieder es Thema. Und es wird Sie ned überrasche – ich spiele uf Korruption a. Es lod mich amigs scho zwiifle, ob alles mit rechte Dinge zue und her god. Mir isch es bispelswiis suspekt, wenn e Fuessball-WM ines Land wie Russland, Brasilie oder Südafrika vergä wird. Ich stell mir dänn amigs d Frog, wer genau vo dä WM profitiert.D Bevölkerig uf jede Fall ned. Wieso säg ich das?

Im 2009, also es Johr bevor d WM in Südafrika statt gfunde häd, bin ich grad e längeri Ziit dete gsi. Es isch verruckt gsi. Eis Stadion nachem andere isch zum Bode usgstampft worde. I dä Schuele aber, händs kei Papier gha, zum Prüefige z schriebe! Das müend Sie sich mal vorstelle! Klar, villicht wäred mir als Chind au ab und zue froh gsi, es hätti s Papier gfehlt.

Ich han igangs gseid, dass Unabhängigkeit au für e Gmeind wie Arni vo Bedütig isch. 1983 händ Arni und Islisberg dä Weg id Unabhängigkeit gwählt. Über 30 Jahr später bestönd no immer zwoi unabhängigi Gmeinde. Das schiint gar ned so schlecht use cho zsi, händ doch beidi Gmeinde sed do ihre Stürfuess immer wiiter chöne sänke. Oder gsänd Sie das anders?

Und jetzt zu mir: Was bedütet Unabhängigkeit für mich? Als Politiker isch mir vor allem öppis wichtig: kei finanzielli Abhängigkeit. Ich möcht ned, dass i ufgrund vo Spende plötzlich im Grossrat e Chnopf drücke, wo n i muess und ned dä wo n i wett! Schliesslich will i au am nächste Tag na in Spiegel luege. D Juso häd s Gfühl, dass im Aargau zwenig Transparenz i dä Politikfinanzierig herrscht. Dorom stimme mir im September über e unnötigi Initiative ab, wo alles anderi als wiitsichtig isch.Es isch mir es Aliege, Ihne mit eme Biespel ufzzeige, um was es god:

Nähmed mir mal a, Sie kandidiered do in Arni für d Schuelpfleg. Nähmed mir wiiter a, dass es no ned klar isch, ob Sie au gwählt werded. D Initiative will, dass Sie bereits als Kandidatin oder Kandidat all ihri Ikomme und Vermöge offe leged. Und wenn Sie übrigens verhürotet sind, dänn au no grad das vo Ihrem Ehepartner! Hand ufs Herz: Isch Ihri Kompetenz als Schuelpfleger abhängig vo ihrem Kontostand und ihrem Ikomme? Mir isch doch wichtig, dass Sie d Fähigkeite, Ziit und Freud fürs Amt mitbringed. D Initiative isch churzsiichtig und basiert uf ere Niidkultur.Sie wird wiiter dezue füehre, dass no weniger Lüüt sich für es öffentlichs Amt zur Verfüegig stelled. Und das, will s Privatlebe i dene hütige Ziite vo Internet-Transparenz wieder ganz en andere Stellewert übercho häd.

Ich bin überzügt, Sie fülled dä Stimmzettel mit Wiitsicht us. Unabhängigkeit sorgt defür, dass mer wiitsichtig handled. Und Wiitsicht isch e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft.

  1. Offeheit

Zum zwoite Punkt: Offeheit. D Schwiiz isch eis vo dä offnigste Länder uf dä Welt. Leider häd sich d Offeheit i dä letzte Johre verändered. Mit em JA zur Masseiwanderigs-Initiative und do demit JA zu Kontingent häd s Schwiizer Volk entschiede. En Entscheid, wo s z respektiere ged. Was i allerdings bedure: Es wird müehsamer für üsi KMUs. Grad für die, wo so wichtig sind für üses Land. Ich froge Sie, wer vo Ihne schaffed bimene KMU? Das isch wohrschinli d Mehrheit. I dä Schwiiz schaffed nämli meh als zwei Drittel vo allne Lüüt für KMUs. Also für die, wo’s jetzt müehsamer wird, Lüüt izstelle.

Di neu Regelig mit Kontingent wirft üs zrugg id Vergangeheit. Mir händ das nämli früehner scho mal gha. Selber han i das zwar ned erlebt, dodefür bin i nochli z’jung. Wenn i aber mit Lüüt rede, wo das erlebt händ, seid jede, wie müehsam und üsserscht bürokratisch das gsi isch. Und Bürokratie isch i dä Schwiiz hüt scho uf eme Niveau, wo eim d Hoor z‘ Berg stönd. Stelled Sie sich nume mol vor: Pro Sekunde werded i dä Schwiiz 1,500 Franke für Bürokratie usgä! Bereits nach drü Sekunde - isch das meh, als dä Durchschnittslohn i dä Schwiiz.

Nume dass Sie mich richtig verstönd: Dä Unmuet vo dä Bevölkerig mit dä Iwanderig verstohn i voll und ganz. Ich wär s Problem aber uf en anderi Art agange.

Was heisst Offeheit für e Gmeind? Dä Usländerateil in Arni liid bi 13 Prozent. Das isch vergliche zum Kanton Aargau mit 23 Prozent wesentlich tüüfer. Für e Gmeind heisst Offeheit, dass mer Zuezüger gegenüber positiv igstellt isch und d Integration is Gmeindlebe unterstützt. Ich verwiese i däm Zämehang nomal uf mis Erlebnis mit mim Dialekt.

Bliibe mer aber no bim Thema Usländer. Offeheit häd au sini Grenze. Für mich hört d Offeheit bi kriminelle Usländer oder kriminelle Asylsuechende uf. Dete bin ich dä Meinig, dass e härte Kurs abracht isch. 5 Prozent vo dä Usländer mached nämli 95 Prozent vom Ärger us. Und ich bin sicher, das stört Sie au. Kriminalität verurteil ich natürli au, wenn sie vo Schwiizerinne und Schwiizer usgüebt wird. Do mach i kei Underschied.

Offeheit als Teil vo Wiitsicht heisst für mich, mich immer wieder selber z hinterfroge, min Horizont dor öppe e Wiiterbildig und Reise i fremdi Länder z erwiitere. Im März bin i bispelswiis in Sri Lanka gsi, ime wunderschöne Land. Wenn mer aber es biz gnauer hi luegt, merkt mer, dass ned alles Gold isch was glänzt. Ich mache Ihne es Biespel:

E Schuelkolleg vo mir lebt sit einige Jahre mit sinere Frau i dä Hauptstadt vo Sri Lanka, in Colombo. Mittlerwiile händ die beide au es Töchterli. D Muetter fühlt sich mit em Chind uf dä Stross derart unwohl, will alli Manne sich nach ihre umdrehed. S Resultat: Elei god sie fasch nüme use. So öppis chönd mir üs i dä Schwiiz gar ned vorstelle. Es wird eim dänn wieder bewusst, wie guet mir’s da händ. Und wie selbverständlich Offeheit und Bewegigsfreiheit für üs sind.

Sie gsänd, Offeheit als Teil vo Wiitsicht, isch au e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft. Ich glaube fest dra, dass wenn mir offe sind, au wiitsichtig dur’s Läbe gönd.

  1. Wohlwollen

Min letzte Punkt: Wohlwolle. Wohlwolle dunkt mich ganz wichtig für d Wiitsicht. Es wird nämli immer e Person gä, wo gschiider isch, dä besser Job häd, meh verdient oder besser usgsed als mer selber. Ich finde das ned öppe schlimm. Schlimm find i aber, dass Missgunst und Niid immer meh zuenähmed und Wohlwolle immer meh verlore god. Ussage wie „nähmed dä Riche s Gäld weg“ lönd mir d Nackehoor erstarre. D Nackehoor lod mi au d Erbschafts-Initiative erstarre, es Paradebispel für Missgunst. Lönd Sie mich das churz erkläre.

Erbschafte vo über 2 Millione, selled künftig mit eme Satz vo 20 % bestüred werde. Und das unabhängig vom Verwandschaftsgrad. Uf dä erst Blick chönt mer jetzt säge, es isch richtig, so höchi Erbschafte z’bestüre. Luegt mer denn chli gnauer hi, merkt mer, dass es ebe doch ned so s gääle vom Ei isch. Es gilt zum Bispel z bedänke, dass das Geld bereits scho mal als Ikomme und jedes Johr als Vermöge bestüred worde isch. Das isch aber nume ei Aspekt. Wenn denn sogar en Firma muess verchauft werde, anstatt dass sie a die nächschti Generation cha wiitergeh werde – ganz eifach, wills Geld ned flüssig isch und die Stüüre ned chönd zahlt werde – denn, goht miner Meinig meh kaputt, als es de Allgemeinheit dient: Arbetsplätz göhnd verlore und d’Attraktivität vonere ganze Region cha drunder liede.

Sie gsänd, die Niidkultur und Missgunst häd grad gar nüd mit Wiitsicht zdue. Ich bin aber zueversichtlich, dass die Initiative durs Schwiizer Volk abglehnt wird, nämli us Wiitsicht. Und Wiitsicht, isch e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft.

Schluss

Ich chume zum Schluss.

Hüt isch 1. August. Hüt fiired mir dä 723. Geburtstag vo dä Schwiiz und das wär ohni Wiitsicht vo üsem Land, vo dä Gmeinde und vo jedem einzelne vo üs ned möglich. Helfed Sie mit, dass das so bliibt: Mit Unabhängigkeit, Offeheit und Wohlwolle. Unabhängigkeit, will s wichtig isch, dass mir immer üs selber sind; Mit Offeheit gegenüber Neuem, damit sich Zuezüger au in Zuekunft da in Arni wohl fühled - au wenn sie usem Freiamt chömed! Und mit Wohlwolle, will wenns dä Schwiiz, dä Wirtschaft und üsne Mitmensche guet god, gods üs allne guet.

Apropo Wohlwolle: Ich mues ihne a däre Stell no öppis gestoh: Mängmal bin ich scho chli niidisch uf Sie in Arni! Dänn, wenn’s langsam Herbst wird, ich am morge ufstohne, zum Feister usluege: Nebel. Und ich weiss - Sie do obe händ scho lang Sonne!

Gnüssed Sie no dä Geburtstag vo üsere Schwiiz, bliibet sie nachli do und vor allem: Denked Sie iitsichtig, au wenn Sie morn chönd usschloffe.

Wiitsicht, e Vorussetzig für ä Schwiiz mit Zuekunft.

1 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.