Der Mut zur Veränderung ist der echte Patriotismus. Wenn man die Schweiz wirklich liebt, sollte man versuchen sie mit eigenen Ansätzen weiterzubringen.

Am 19. Juli veröffentlichte Benjamin Riedi, Mitglied des Zuger Kantonsrats und der SVP, auf dem Schweizer Onlinepolitnetzwerk „politnetz.ch“ einen Beitrag im Bezug auf die kürzlich von seiner Kantonalsektion lancierte „Mundartinitiative“ und den nahenden 1. August. Er bemängelt darin das angebliche Fehlen des nationalen Bewusstseins in unserer Bevölkerung. Er bedient sich dabei einiger Simplifikationen und Verallgemeinerungen, unter anderem kritisiert er den Wettbewerb, den die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) zur Änderung unserer Nationalhymne ausgeschrieben hat. Er bezeichnet ihn implizit als Instrument zur schleichenden Abschaffung der Schweizer Grundwerte und Wurzeln.
Wieso sollte man die Nationalhymne nicht ändern dürfen? Ist sie über jeden Zweifel erhaben? Ist sie perfekt?
Ich denke nicht. Diese Aussagen zeigen den sinnlosen Konservatismus und die unbedingte Idealisierung der Vergangenheit, die dieser mit sich trägt.
Doch was ist Konservatismus überhaupt? Konservatismus kommt, unschwer zu erkennen, vom lateinischen Verb „conservare“, was soviel bedeutet wie „aufbewahren“, „erhalten“ oder „retten.“ All diesen Verben ist gemein, dass sie etwas Konditionsloses in sich tragen. Konservatismus ist also das bedingungslose Erhalten von früheren Zuständen, das bedeutet, ein Konservativer fragt sich nicht, ob etwas schützenswert oder sinnlos ist, er konserviert es einfach in seiner Ursprungsform.

Ein progressiv eingestellter Mensch fragt sich nun, wie können sich denn in einer so dogmatisch schützenden Gesellschaft Innovationen entwickeln?

Die Antwort ist: Wenn diese Gesellschaft nicht den Mut aufbringt, etwas zu verändern und neue Wege zu beschreiten, wird sie für immer unmündig und bloss Lakaien der Vorfahren, die aufgeklärt und selbst gedacht haben, bleiben. Deshalb muss, wer die Gesellschaft weiterbringen will, selbst denken und den Mut aufbringen, Grundsätze der Vorfahren umzustossen.

Es ist klar, wieso der Konservative den alten Kurs so emotional verficht. Es ist einfacher. Er geht den Weg des geringsten Widerstandes und trotzdem will er sich auf Patriotismus und Vaterlandsliebe berufen?

Das ist einfach falsch. Er macht genau soviel für unser Land wie ein Laubblatt, das sich einfach in der Strömung des Mainstreams treiben lässt. Er verändert nichts, er konserviert alles.

Will man so ein Blatt sein, das sich einfach treiben lässt oder will man mit seinen eigenen Ideen wie ein Fels in der Brandung stehen?

Wenn man die Schweiz wirklich liebt, sollte man versuchen sie mit eigenen Ansätzen weiterzubringen und nicht bedingungslos alte Dogmen übernehmen.

Der Mut zur Veränderung ist der echte Patriotismus und nicht die lächerliche Idealisierung der Vergangenheit, wie das von diversen Leuten behauptet wird.

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