Ältere sollen mehr zahlen!?

Wie verändert die fortschreitende Alterung den „Generationenvertrag“? Dieser Frage geht die Denkfabrik Avenir Suisse gemäss Thuner Tagblatt vom Freitag, 11.07.2014 nach. Sie will u.a. die Pflegefinanzierung neu regeln: Alle über 55-jährigen sollen 285 Franken im Monat abgeben, um für die Pflegekosten vorzusparen.

Es ist unglaublich: Eine ganze Gesellschaft leidet bald darunter, dass die bestehende Rentenversicherung nicht der Tatsache Rechnung trägt, dass über kurz oder lang ein Arbeitender einen halben bis ganzen Rentner versorgen müssen wird! Es ist längst bekannt, dass es nicht die Frage ist, ob der „Generationenvertrag“ gesprengt wird, sondern nur, wann dies geschehen wird. Jeder weiss, dass es nur eine Frage des Zeitpunktes ist, bis das Rentensystem um die Ohren fliegt.

Oft scheitern die durch Politik oder Unternehmensführung installierten Lenkungssysteme daran, dass das Feedback nur auf rationaler Ebene wirkt. Das genügt nicht, wie die unzähligen Aufrufe zur privaten Altersvorsorge, die weitgehend ohne Konsequenzen geblieben sind, zeigen. Über Jahre wurde uns bereits mit Studien und Artikeln eingetrichtert, dass ohne zusätzliche private Altersvorsorge einmal die Altersarmut droht. Rein rational ist jedem, wirklich jedem klar, dass es ihm schlecht gehen wird, wenn er nicht beizeiten eigene Vorsorgemassnahmen trifft. Wir wissen es, aber wir handeln nicht, und wenn, dann oft nur unzureichend. Es gibt immer andere Prioritäten. Erst einmal die Ausbildung, die Wohnung, das Auto, die Kinder, die Beförderung, die Urlaube und so weiter. Wer sich die Mühe macht auszurechnen, wie viel er braucht, um im Alter seinen Lebensstandard einigermassen zu halten, wird staunend erkennen, dass er dafür bis zum 65. Lebensjahr fast Vermögensmillionär werden muss. Ja, die Betonung liegt auf muss!

Hier tut sich die fatale Lücke zwischen langfristigem Denken und langfristig sinnvollem Handeln und der Kurzfrist-Falle im Tun auf. „Eigentlich müssten wir…“. Aber mit einem „Ach, das wird schon gutgehen“ und „Wir machen das morgen“ wird die Verwirklichung dieser wichtigen Tatsache Tag für Tag aufgeschoben.

Setzen wir also auf ein höheres, flexibleres Rentenalter und eine AHV-Schuldenbremse!


„Die kulturellen Leitsysteme, mit denen wir uns selbst vor Kurzfrist-Falle bewahren wollen, sind oft emotional nicht wirksam genug.“

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