Einheitsjoghurt oder Joghurt-Vielfalt?

Einheitskrankenkasse oder Krankenkasse nach persönlichem Gusto?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in den Supermarkt und können dort nur noch ein Einheitsjoghurt kaufen. Vorbei mit der grossen Auswahl, die von Nature-Joghurt in verschiedenen Fettstufen, über Fruchtjoghurt bis hin zu Schokoladen-Joghurt und, und, und reicht. Aber das ist es, was die Initianten der Einheitskrankenkassen wollen: Ein Joghurt, sprich eine Krankenkasse, für alle. Die Wahlfreiheit wäre dahin. Wieder einmal würde der Staat uns bevormunden und uns so in unserer Eigenverantwortung zurückbinden. Ist es das was wir als freie Bürger wollen?

Mit der Einheitskasse gäbe es keine Kinderprämien, keine Wahlfranchisen und keine unterschiedlichen Versicherungsmodelle mehr, denn dies ist mit dem Verfassungstext zur Einheitskasse nicht mehr vereinbar. Zu diesem Schluss kommt ein Rechtsgutachten der HSG im Auftrag der „alliance santé“. Damit würden dann alle bisherigen individuellen Prämiengestaltungsmassnahmen, die zur Kosteneindämmung beitragen (Wahlfranchisen, Bonusversicherung), sowie auch die Versicherungsmodelle mit eingeschränkter Arztwahl (Hausarztmodell) wegfallen.

Mit der Einheitskrankenkasse stirbt auch der so wichtige freie Wettbewerb, der letztendlich ja zur Optimierung der Prämien oder des Versicherungsschutzes beiträgt. Dieser Punkt ist aus meiner Sicht nicht zu unterschätzen. Ein Versicherer, der sich im Wettbewerb um den Kunden nicht verbessert, verliert über kurz oder lang Marktanteile. So nimmt der Kunde, sprich der Versicherte, ganz unbewusst Einfluss auf die Markt- und damit die Prämiengestaltung. Wo wären wir bei den Mobilfunk-Angeboten und -Tarifen, wenn es keine Konkurrenz gäbe? Heute fördert die Konkurrenz unter den Versicherern Innovationen und ein vielfältiges, massgeschneidertes Angebot. Wollen Sie darauf verzichten? Wollen Sie plötzlich etwas versichert haben, was Sie gar nicht benötigen?

Die Befürworter argumentieren, dass mit der Einheitskasse die Verwaltungskosten gesenkt würden. Von 100 Prämienfranken werden heute 95 Franken für medizinische Leistungen ausgegeben. Mit 5 % sind sie damit tiefer als jene aller anderen staatlichen Sozialversicherungen der Schweiz (z. B. SUVA, Arbeitslosenversicherung). Hinzu kommt, dass die Einheitskrankenkasse nur den obligatorischen Teil der Krankenkasse abdecken würde. Die Administration der Zusatzversicherungen würde nicht wegfallen. Das bedeutet, dass mit der Einheitskrankenkasse nicht weniger, sondern mehr Verwaltungskosten anfallen würden. Zu bedenken ist auch, dass die Verstaatlichung von rund 60 Grundversicherern zu einer Monopolkasse nicht zu unterschätzen ist. Dieses Projekt wird heute mit rund 2 Milliarden veranschlagt - wobei letztendlich wohl Mehrkosten anfallen dürften - und wird sich über mehrere Jahre hinziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass bis zur endgültigen Überführung das alte System mit dem neuen parallel laufen müsste. Was geschieht mit den Millionen von Daten der Versicherten? Setzen wir hier gar noch den Datenschutz aufs Spiel?

Die Schweiz hat die höchste Lebenserwartung der Welt, massgeblich verantwortlich dafür ist auch unser Gesundheitssystem. Wir haben eine hohe Versorgungsqualität und einen raschen Zugang ohne Wartefristen. Staatliche Gesundheitssysteme anderer europäischer Länder (z. B. Grossbritannien oder Dänemark) zeigen, dass unter Spardruck eine Einheitskasse über kurz oder lang medizinische Leistungen streichen muss.

Entscheiden Sie beim nächsten Einkauf, ob Sie ein Einheitsjoghurt wollen oder nach wie vor die Vielfalt schätzen. Ich schätze es auf alle Fälle, wenn ich aus dem reichhaltigen Angebot die Favoriten für meine Familie auslesen kann – für jeden ein anderes Joghurt, ganz individuell nach dem eigenen Geschmack. Und deshalb stimme ich auch gegen die Einheitskasse, weil ich das auf meine Bedürfnisse abgestimmte individuelle Versicherungspaket schätze.

Ich stimme gegen die Volksinitiative „Für eine öffentliche Krankenkasse“.

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