Was lange währt, wird gern zur Wut

Die Nutzung transnationaler Gewässer sei - mit Ausnahme der Schifffahrt - völkerrechtlich nicht geregelt, berichtete im Jahre 1994 das Spiegel Magazin.

Es wäre den Menschen, die sich am Oberlauf eines Gewässers angesiedelt hätten, freigestellt, auf die nationale Souveränität zu pochen und sämtliche Wasserläufe auf eigenem Gebiet aufzustauen oder umzuleiten. All jene Menschen wiederum, die am Unterlauf einen Platz zum Wohnen und Werkeln in Besitz genommen hätten, könnten sich auf das Prinzip der „territorialen Integrität“ berufen und den ungehinderten Wasserabfluß fordern.

Die Nachkommenschaft in Übereinstimmung mit sämtlichen verfügbaren Ressourcen und Bedürfnissen zu planen, dem scheint der Mensch bis heute kaum Beachtung schenken zu wollen. Stattdessen gären und schwellen die Konflikte über Jahrzehnte hinweg im Untergrund. Die Ursachen der Rebellionen und all jene, die rebellierten, wurden und werden selten beachtet.

„Die in der Türkei entspringenden Flüsse“, tönte der damalige Premierminister des Landes und heutige Staatspräsident, „gehören bis zur Grenze uns und dann erst unseren Nachbarn. Die machen mit ihrem Öl auch, was sie wollen.“

Ob und wie die Nutzung transnationaler Gewässer inzwischen geregelt ist, weiss ich nicht. Fakt ist, dass sich die Völker der Erde bereits seit Jahrzehnten und Jahrhunderten in den Haaren liegen, wenn es gilt, die verfügbaren Ressourcen zu teilen und effizienter zu nutzen. Auch heute besteht die Lösung oft darin, ein Zuviel zu vertreiben, es durch Kriege zu dezimieren oder aus Mangel an Lösungsmöglichkeiten schlicht und einfach verhungern zu lassen.

Fortschrittlichere Völker intensivieren ihre Forschungen und entwickeln Neues. Sie erfinden allerlei: Kriegsgüter, Sicherheitssysteme, Wasserauffangbecken, Kraftwerke. Immer mehr Geld und Energie wird investiert.

Gedanken zu pflegen, wie viele Menschen in jedem Land der Erde weltweit einem Broterwerb nachgehen und menschenwürdig ernährt werden können, erachten wir als menschenfeindlich. Sie sind uns fremd. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir von den Wirtschaftsführern weltweit - und dies in aller Bescheidenheit - diesbezüglich ein wenig mehr Grossmut und Wachstum.

Quelle: Kampf ums Wasser

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