Setzen wir uns ein für den Erhalt des Kulturlandes, den Schutz der Umwelt und für eine gerechtere Welt – aber nicht für Ecopop!

Der antike Philosoph Epiktet hat bereits vor fast 2000 Jahren ein Phänomen der heutigen Zeit auf den Punkt gebracht: „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns ängstigen, sondern die Vorstellung, die wir von den Dingen haben“. Das gilt auch für die zunehmend polemisch diskutierte „Problematik“ der Überbevölkerung. Es ist die Angst vor dem was kommen mag, falls die Bevölkerung weiter zunimmt. Diese Ängste müssen nicht unbedingt rassistisch begründet sein. Es sind diffuse Existenzängste, welche diese Diskussionen bestimmen. Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wissen wir, welche fatale Folgen ein Vernachlässigen dieser Bedenken, seien sie nun begründet oder nicht, haben kann. Egal also, wie begründet die Aengste sein mögen: Ecopop ist die falsche Antwort. Mauern um die Schweiz zu bauen löst keine Probleme, sondern schafft nur neue. Die Initiative führt mit ihrer starren Obergrenze für die Zuwanderung zu einem weiteren Bruch mit Europa und zielt an den wahren Problemen vorbei. Wir müssen die Bevölkerung davon überzeugen, dass die Zuwanderungsbeschränkungen nicht ein Allerweltsheilmittel sind. Die Einwanderung ist weder die Hauptursache für die Umweltbelastung noch für den Kulturlandverlust.

Unsere Zunahme an Ansprüchen an die Wohnfläche, ungenügend erschlossene einstöckige Einkaufszentren mit oberirdischen Parkplätzen, schlecht konzipierte Siedlungen aus den 60er, 70er und 80er Jahren, jahrelanges Brachliegen von alten Industrieanlagen, das Horten von Bauland innerhalb von Siedlungen, ein teilweise verkrusteter Wohnungsmarkt – dies sind die wahren Treiber der Zersiedelung, nicht das Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung.
Dasselbe gilt für den Energieverbrauch, welcher sich laut Bundesamt für Statistik in den letzten 50 Jahren verfünffacht hat, wobei die Bevölkerung im selben Zeitraum nur um den Faktor 1.7 zugenommen hat. Die effektiven Ursachen der genannten Probleme sind eine schlechte Raumplanung und unser Konsumverhalten – also wir selber. Statt dies zu benennen, sind gemäss Ecopop die Eingewanderten dienliche Sündenböcke.

Die Umweltproblematik in den Vordergrund zu stellen, unterstützt die Sündenbock-Politik. Mit der Initiative sollen die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft sichergestellt werden. Doch Umweltprobleme, insbesondere der Klimawandel kennen keine Grenzen. Aus Umweltschutzgründen ist es einerlei, ob ein Mensch in Spanien oder der Schweiz lebt. Entscheidend ist, WIE er lebt. Der ökologische Fussabdruck pro Person ist die Kenngrösse. Ein grosser Teil des Fussabdrucks entsteht durch unseren Konsum. Viele Güter werden weder in der Schweiz noch in Europa produziert. Die Umweltbelastung vieler Konsumgüter haben wir nach Asien oder Afrika „ausgelagert“. Eine globale Sichtweise drängt sich auf.

Eine globale Sichtweise wollen uns auch die Ecopop Initianten vorgaukeln. Quasi als „Gegenmittel“ zur Einwanderungsbeschränkung will die Ecopop Initiative, dass 10% der Entwicklungshilfegelder in die Familienplanung fliessen sollen. Der Ansatz ist nicht grundsätzlich falsch. Doch die Familienplanung alleine ist nicht zielführend. Die Geburtenrate wird vielmehr von der Schulbildung und der wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Eine Investition in die Bildung und die Rechte der Frauen ist zielführender. Und einmal mehr geht in dieser Diskussion vergessen, dass die Schweiz bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder des Südens tatsächlich eine Rolle spielt. Mit unlauteren Steuerpraktiken der hier ansässigen Rohstoffhandelsfirmen zum Beispiel. Die Unternehmen müssen dazu angehalten werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die Menschenrechte weltweit berücksichtigen. Bestrebungen dazu sind im Gange, beispielsweise durch die parteiübergreifende Initiative „Recht ohne Grenzen“.

Die richtigen Antworten sind ein bewusstes Konsumverhalten, Ressourceneffizienz, eine intelligente Mobilität, eine gute Raumplanung und nicht zuletzt verantwortungsbewusste Unternehmen in der Schweiz, wie wir Grünen sie durch unsere Politik und unsere Initiativen propagieren, namentlich die kantonale Kulturlandinitiative; v.a. aber durch unsere Initiative zur Grünen Wirtschaft, für mich die wichtigste Grüne Initiative. Dafür lohnt es sich zu kämpfen! Setzen wir uns ein für den Erhalt des Kulturlandes, den Schutz der Umwelt und für eine gerechtere Welt – aber nicht für Ecopop!

139 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

1 weiterer Kommentar
6 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Abstimmungen»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production