Bankerboni und das US-Geschäft der CS: Überlegungen zum Finma-Bericht

Die wirtschaftliche Arbeitsteilung dürfte heute so gross sein wie noch nie zuvor. Dementsprechend schwierig ist es, den Beitrag einzelner zum dauerhaften Unternehmenserfolg zu messen – insbesondere in Grossfirmen. Dennoch hat der Anteil der Bonuszahlungen an der Gesamtlohnsumme in der Schweiz über die letzten Jahre stark zugenommen. Von 3 Prozent (2002) auf 6 Prozent (2012).

Die Topkader der Schweizer Grossfirmen haben ihre Lohn- und Bonusexzesse immer mit der ausserordentlichen Leistung und dem Beitrag zum Unternehmenserfolg begründet. Das war immer überraschend. Denn der Beitrag einer einzelnen Person in einer hocharbeitsteiligen Grossfirma dürfte ausgesprochen schwierig zu messen sein. Interessant ist, dass bei den verschiedenen Vorfällen in den Grossbanken jeweils abgeklärt wurde, inwiefern die Topkader davon Kenntnis hatten. Aktuell der Bericht der Finma zum US-Geschäft der CS, der zum Schluss kommt, dass die oberste CS-Führung offenbar davon keine Kenntnis hatte. Ähnlich waren die Schlussfolgerungen übrigens auch zu den Vorfällen bei den ETF in der UBS (Adoboli) oder den Libor-Manipulationen. Umgekehrt kamen die Regulatoren aber auch zum Schluss, dass die Verfehlungen etwas mit den Bonus- bzw. Entschädigungssystemen zu tun hatten. Beispielsweise hält die Finma zur CS fest, dass die Entschädigungspolitik in den betroffenen Geschäftsbereichen mittlerweile angepasst wurde und weniger von den unmittelbaren Finanzerfolgen abhängt.

Einmal mehr wird klar, die Begründung der Bonuszahlungen ist ein Witz. Entweder sind die Topkader über die erfolgsrelevanten Entwicklungen in der Firma im Bild. Dann müssten die CS-Chefs spätestens jetzt Konsequenzen ziehen. Oder sie sind es nicht; dann ist die Begründung für das Salär nicht mehr gegeben. Zudem stellt sich nach dem Fall erneut die Frage, inwiefern Entschädigungssysteme zu Fehlern in den Firmen beitragen. Dieses Problem wird nach wie vor unter den Tisch gewischt. Weil sonst eine Debatte über die Entschädigungen und die Lohnexzesse in Gang käme. Mindestens die Finma müsste vertiefte Abklärungen vornehmen.

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