Ein NEIN zur Pädophilen-Initiative schützt vor falschen Hoffnungen.

Die Vorstellung, dass ein Kind oder Grosskind von einem Pädophilen missbraucht werden könnte, ist schrecklich. Es besteht Konsens, dass der Rechtsstaat alles Erdenkliche unternehmen muss, um pädophile Übergriffe jeglicher Art zu verhindern. Pädophile sollen von Kindern ferngehalten werden, das ist unbestritten. Die Pädophilen-Initiative über die wir am 18. Mai 2014 abstimmen, hat diesbezüglich einen grossen Erfolg erzielt: Ein bisher zu wenig beachtetes Thema kam endlich in die politische Diskussion, so dass bereits vor der Volksabstimmung Entscheidendes erreicht wurde: Per 2015 tritt ein Gesetz in Kraft, das ein Berufs- und Tätigkeitsverbot für verurteilte Pädophile vorsieht. Dieses Gesetz ist präziser und begrifflich klarer als die Volksinitiative und - ganz wichtig - es bezieht beim Urteil die Schwere und die Umstände eines Vergehens mit ein.
Warum ist dies so wichtig? Der 20-Jährige der mit seiner 15-jährigen Freundin intim war und dafür korrekterweise verurteilt wird, würde gemäss der Initiative „automatisch“ mit einem lebenslangen Berufsverbot mit Kindern bestraft. Er dürfte sich zudem nie mehr in einer Pfadi, einer Jungschar oder in der Juniorenabteilung eines Sportvereins engagieren. Wollen wir das? Ist dies eine im Verhältnis zur begangenen Straftat stehende Strafe, wie es unsere Verfassung fordert?
Das neue Bundesgesetz verhängt bei bestimmten Sexualstraftaten ein mindestens 10 Jahre dauerndes Berufsverbot, das bis zu lebenslänglich verlängert werden kann. Es geht sogar weiter als die Initiative und umfasst auch allgemeine Gewaltverbrechen gegen Kinder und Abhängige. Weiter wird ein erweiterter Strafregisterauszug eingeführt, welcher Schulen, Kirchen, Heimen und Vereinen helfen soll, sich vor Pädophilen zu schützen. Zudem kann in Zukunft einem wegen Kindsmissbrauch verurteilten Verwandten oder Bekannten mit dem Kontakt- oder Rayonverbot untersagt werden, sich einem Kind zu nähern.
Leider verführt die Initiative dazu, dass wir uns in Bezug auf sexuelle Übergriffe in falscher Sicherheit wiegen. Warum? Der grösste Teil der Sexualdelikte an Kindern wird nicht von Pädophilen verübt, sondern von ganz "normalen" Menschen, sehr oft im familiären Umfeld. Hier würde die Initiative nichts ändern, weil sie in einem Bereich ansetzt, wo nur ein Bruchteil der Missbräuche geschieht. Wer Kinder besser schützen will, lehnt deshalb die Initiative ab und investiert mehr in echte Prävention nach dem Motto "Hinschauen statt Wegschauen".

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