NEIN zum Bundesbeschluss über die „medizinische Grundversorgung“

Mit der „medizinischen Grundversorgung“ soll die Hausarztmedizin auf den Kopf gestellt werden. Die bisherigen Tätigkeiten des Hausarztes sollen – wie beim Lehrplan 21 – in sogenannte Kompetenzen aufgesplittert werden, die dann von einem Team aus nichtärztlichem Gesundheitspersonal wahrgenommen würden. Der Hausarzt würde nur noch die Fälle behandeln, die das Team nicht bewältigen könnte. Er soll dem Team hierarchisch gleichgestellt werden und wäre deshalb nicht verantwortlich für dessen Arbeit. Der Bundesrat hofft, mit diesem WHO-Modell («primary health care», Barfussärztemodell), das in den 1970er Jahren für Entwicklungsländer propagiert wurde, Hausärzte und Gesundheitskosten einsparen zu können.

Allerdings zeigt die Praxis derartig organisierter Gesundheitsteams (Managed Care Hausarztnetzwerke) in der Schweiz, dass infolge unsachgemässen Behandlungen oder verzögerten Weiterweisungen die Gesamtkosten vielfach höher ausfallen, als bei den Hausärzten. Dazu tragen auch der vertraglich vereinbarte Spardruck und Folgewirkungen der damit geleisteten Billigstmedizin bei.

Der weitgefasste Verfassungsartikel würde dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) den direkten Durchgriff (Spardruck, Bonusanreizsysteme usw.) auf jede Arztpraxis erlauben sowie in Zukunft zentralistisches Einfallstor in die Bildungshoheit der Kantone – ähnlich dem Bildungsartikel - für eine ganze Reihe problematischer Gesetze wie Medizinalberufegesetzes, Gesundheitsberufegesetz, elektronisches Patientendossiergesetz, Qualitätsinstitut und HTA-Institut werden.

Der föderalismusfeindliche Gegenvorschlag ist gefährlich und unnötig, weil die Kantone die Hausärzte in eigener Initiative besser fördern können, wie es der Kanton Uri vormacht.

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