Kirchensteuern kommen allen zugute nicht nur den Frommen

Die Kirchensteuer für Juristische Personen abschaffen? Ich bin klar dagegen.

Das Anliegen ist auf den ersten Blick sympathisch. Man will damit das Gewerbe entlasten. Die Kirchensteuer soll fallen, weil Firmen nicht religiös sein könnten, sagen die Initianten. Diese Begründung zielt ins Leere. Denn mit der Kirchensteuer fliesst nicht in den religiösen Kult sondern nur in Leistungen, von denen alle profitieren können. Dafür sorgt die gesetzlich verankerte negative Zweckbindung.

Ob Unternehmen religiös sein können ist nicht relevant. Es geht um die Frage, ob sie weiterhin Beitrag leisten sollen an diese Angebote, die den sozialen Zusammenhalt verbessern.

Es geht um viel Geld, um 100 Mio. Franken. Ohne diesen Zustupf wären viele kirchliche Dienstleistungen infrage gestellt: Beratungsangebote für Menschen in Not, Altersnachmittage, Theaterprojekte, Angebote für Kinder und Jugendliche, der Erhalt der denkmalgeschützten Kirchen, der Betrieb von Gemeindezentren, die gerne und günstig genutzt werden.

Auf das meiste könne man verzichten, sagen die Initianten. Das denke ich nicht. Man wird für vieles die Stadt oder den Kanton zur Kasse bitten, gewisse Dienste wird der Staat übernehmen müssen. Weil er anders als die Kirchen kaum auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen zählen kann, werden die Leistungen teurer erbracht. Die Folge wären eine höhere Staatsquote und wohl auch höhere Steuern. Es ist die feine Ironie der Geschichte, dass die Initiative letztlich nicht weniger Steuern sondern mehr Steuern bringt. Darum lege ich am 18. Mai ein überzeugtes Nein ein.

66 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.