Die Lehre muss sich lohnen! Warum der Mindestlohn die Berufslehre stärkt.

Die Schweiz ist so reich wie noch nie. Es ist genug Geld da, um allen Arbeitnehmenden einen einigermassen anständigen Lohn zu zahlen, sollte man meinen. Die Realität ist leider eine andere. Gewisse Arbeitgeber machen Druck auf die Löhne, so dass nicht einmal mehr eine Lehre ein gutes Einkommen sichert. Hier beispielhaft das Mail einer gelernten Detailhandelsfachfrau mit Berufserfahrung und Führungsfunktion in ihrem Betrieb, welches mir von einigen Tagen geschickt wurde:

„Ich heissä X. und bin glernti Detailhandelsfachfrau. Ich bin vor 5 Jahr us dä Lehr cho und richtig glücklich gsi, dass ich etz richtig Gäld chan verdiene. Leider hät sich das mitem faira Zahltag nie richtig bemärkbar gmacht und drum setz ich mich etz ih das die mindestlohn – initiative ahgno wird. Mir Detailhandelsfachlüt händ wie anderi au än wunderschönä aber au strängä Job und das söll au eus grächtfärtig zahlt sie, das es au eus zum läbä langet ohni dasmer immer s’gäld mönd zweimal cherä.“

Wie ungerecht die Verhältnisse sind, zeigt der Fall der Kleiderkette „Tally Weijl“. Die Besitzer der Firma haben gemäss Bilanz ein Vermögen von 250 bis 300 Millionen Franken. Ihren Verkäuferinnen und Verkäufern zahlen sie hingegen teilweise Löhne unter 4000 Franken.

Wenn die Mindestlohn-Gegner behaupten, die Mindestlohn-Initiative sei schlecht für die Lehre, sollen sie zuerst vor der eigenen Türe wischen. Mit der Lehre ist in der Schweiz das Versprechen verbunden, dass der Lohn in jeder Lebenssituation reichen sollte. Die Realität zeigt hingegen, dass das eine Illusion ist. Trotz Lehre reicht der Lohn auch für Einzelpersonen zum Teil kaum oder gar nicht zum Leben – geschweige denn, wenn noch Kinder dazu kommen.

Das Geld wäre vorhanden, um allen im Land einen einigermassen guten Lohn zu zahlen. Erst recht, wenn die betroffene Person eine Lehre gemacht hat. Es darf in der Schweiz nicht sein, dass Vollzeit-Beschäftigte Unterstützung durch Dritte oder sogar Sozialhilfe benötigen, um zu überleben. Oder wollen die Arbeitgeber um Frau Keller-Sutter allen Ernstes, dass die Allgemeinheit die reichen Detailhändler subventionieren soll?

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