Wenn eine eigene Weltansicht nur noch verquere Aussagen bringt oder Ausländer Schuld an zu wenig Pflegepersonal sein sollen.

..., im Pflege- und Betreuungsbereich die Akademisierung zu stoppen, damit wieder mehr Schweizerinnen und Schweizer diese Ausbildung machen würden.

Die Nordwestschweiz, 13.04.14

Als ich über Twitter auf diese Aussage gestossen bin, dachte ich, ich hätte mich verlesen. Wenn ein Politiker bzw. der Präsident einer Partei, welche sich auf die Fahne schreibt, dass Sie als einzige das Volk vertritt, so eine Aussage macht, wird einem Übel.
Toni Brunner (SVP) äussert sich in diesem Artikel zu Möglichkeiten zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Dabei wurde die Lösung erwähnt, welche er anscheinend für den Pflegeberuf hat, nämlich die Akademisierung in der Pflege zu stoppen um mehr Schweizer in den Beruf zu bringen.

Anscheinend gehen Herr Brunner gerade einige Gesichtspunkte verloren, welche sich gerade positiv auf den Pflegeberuf auswirken und eine Professionalisierung (Akademisierung) nötig machen.

  • Evidence anstatt nur Erfahrung: Die Pflege steht zunehmend auch in der Verantwortung zu beweisen, warum Sie gewisse Tätigkeiten so durchführt, wie Sie es macht. Schliesslich möchte jeder eine optimale Betreuung erleben ohne, dass durch Leerläufe unnötige Kosten entstehen. Kosten, die allenfalls der Patient / Prämienzahler zu tragen hat.

  • Steigende Komplexität: Das Gesundheitswesen steht ständig im Wandel. Begriffe wie Überalterung, Chronische Erkrankungen, Multimorbidität (Auftreten von mehreren Erkrankungen) nehmen zunehmend Raum im Gesundheitswesen ein und sind auch der Gesamtbevölkerung nicht mehr unbekannt. Diese Faktoren steigern zunehmen die Komplexität der Behandlung und Pflege jedes Patienten, voraus eine steigende Fachkompetenz erwächst.

  • Professionalisierung: Der Pflegebereich besteht bereit aus mehreren Berufen vom Attest bis Professur in Pflege. Zu den bekanntesten Beruf gehört die dipl. Pflegefachfrau, welche die alte Berufsbezeichnungen ersetzt und besser als Krankenschwester bekannt ist. Im Hauptunterschied zu früher kann diese jetzt an der Fachhochschule oder an einer Höheren Fachschule ihre Ausbildung machen und sich so nochmals mehr die Ausbildung suchen, welche Sie bevorzugt. Gerade bei Männern ist der eher akademische Weg beliebt, da dieser auch noch andere berufliche Möglichkeiten öffnet.

  • Schweizer/Nicht-Schweizer: Von wo die Idee entstammt, dass mehr Schweizer den Beruf ergreifen würden, wenn keine Professionalisierung (Akademisierung) in der Pflege stattfinden würde, kann ich mir leider nicht erklären. Da gerade mit der Akademisierung und der Abholung der Jungen ab den Sekundarstufe (durch die FaGe-Ausbildung), zeigt sich eine Verbesserung in der Rekrutierung. Vor allem für Schweizer steigt so auch die Attraktivität des Berufs.

Ich würde mich über eine konstruktivere Politik von Herrn Brunner freuen, anstatt über reine Polemik. Ich durfte bereits erleben, dass die SVP eine grosse Anzahl solcher Politiker in ihren Reihen hätte.

49 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.