Die Schweiz und die «Beste Armee der Welt»

Am 18. Mai 2014 nimmt das Schweizervolk wieder einmal Stellung zu einer sicherheitspolitischen Abstimmungsvorlage: Soll die Schweiz zur Erhöhung ihrer Sicherheit 22 neue Gripen-Kampfjets anschaffen? Ja oder Nein? Mit andern Worten: Braucht es diese neuen Gripen, damit die Schweizerarmee den Titel «Beste Armee der Welt» verdient?

Natürlich ist es so, dass in der Vision einer idealen Gesellschaft die Menschheit keine Armeen mehr bräuchte, weder in der Schweiz noch irgendwo. Ein einziger alltäglicher Blick auf die Nachrichtenlage beweist aber, dass diese paradiesische Gesellschaft noch sehr weit entfernt oder, noch realistischer ausgedrückt, wohl unerreichbar ist: Afghanistan, Syrien, der Nahe Osten und die Krim lassen grüssen. Aber wir können auch sehr erfreut feststellen, dass dank dem Friedensprojekt Europa der Schweiz die militärischen Feinde abhanden gekommen sind.

Ich schlage deshalb vor, dass die Schweiz in dieser beneidenswerten Situation ganz neue Wege beschreitet. Sie könnte ihre Armee, die wie vor achtzig Jahren immer noch unter dem Leitsatz «Sicherheit durch militärische Abschreckung» geführt wird, umstellen auf den Leitsatz «Sicherheit durch Frieden». Dazu müsste die Schweiz als Vorbild in Europa zu ihrer eigenen Verletzlichkeit stehen. Sie müsste auf vermeintliche wirtschaftliche Vorteile verzichten und nicht mehr darauf bestehen, eine eigene Rüstungsindustrie aufrecht zu erhalten, ein Gedanke, der vor kurzem im Parlament zum erstaunlichen Entscheid geführt hat, dass die Schweiz in Zukunft Rüstungsgüter auch in Länder exportieren darf, die Menschenrechte missachten. Die Ausbildung unserer Soldaten müsste auf deren persönliche und soziale Entwicklung ausgerichtet werden. Wir Schweizerinnen und Schweizer müssten bereit sein, Teile unserer Armee auf Bitte einer Weltgemeinschaft hin, die ich mir als demokratische Nachfolge-Organisation der UNO vorstelle, in Krisengebiete irgendwohin auf der Welt zu entsenden, um mitzuhelfen, regionale Konflikte mit friedlichen Mitteln zu entschärfen. Da solche Einsätze grosse Risiken in sich tragen, könnte diese schweizerische Armee nur aus Freiwilligen bestehen. Da Kampfjets für solche Friedenseinsätze nicht geeignet sind und die Schweiz bewusst auf eine militärische Abschreckung verzichtet, können wir getrost zur Anschaffung der Gripen ein Nein in die Urne legen. Dann sind wir meines Erachtens auf dem besten Weg hin zu einer Schweizerischen Armee, die den Titel «Beste Armee der Welt» verdient.

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