Der Sprachenstreit wird herbeigeredet - obwohl wir in der Schweiz von der gelebten Mehrsprachigkeit profitieren

Die Schweiz als kleines Land mit vier offiziellen Landessprachen ist eine gewachsene Struktur. Wenn nun ein kleiner Teil der deutschsprachigen Mehrheit als erste und einzige Fremdsprache auf der Primarstufe Englisch pusht, frage ich mich: Wem bringt es etwas?

Es wird mit dem Argument der Weltsprache und dem grossen Spass der Kinder beim Erleben dieser Weltsprache geworben. Klar ist Englisch allgegenwärtig. Aber genauso allgegenwärtig sind Französisch und Italienisch. Ich mag das Prinzip Migros und Coop: Alle Lebensmittel und Produkte sind in den drei Landessprachen angeschrieben. Ich habe so als Kind ganz beiläufig gelernt, was auch meine Kinder ganz beiläufig lernen: Milch - lait - latte.

Französisch in der Primarschule zu erlernen macht Sinn, sei es als erste oder zweite Fremdsprache. Gestern fragte ich zwei Fünftklässlerinnen aus Zürich, die Englisch und Französischunterricht haben, welche Sprache schwieriger zu lernen sei. Sie überlegten lange und sagten, dass sie sich nicht entscheiden könnten, da man für beide Sprache etwa gleich viel Aufwand habe. Und ihnen gefielen beide Sprachen.

Wenn wir uns über die Landesgrenze hinweg umsehen, zeigt uns Belgien, wie wir es nicht machen sollten. Dort tobt schon seit längerer Zeit ein Sprachenstreit, der zum Teil absurde Züge annimmt. Und was vordergründig als Sprachenstreit daherkommt, sind tatsächlich politische Abspaltungsinteressen eines Teils der flämischen Bevölkerung, die kein gemeinsames Land mehr mit den Französischsprachigen will. Deshalb sind wir in der Deutschschweiz gut beraten, die französische Sprache nicht aus der Primarschule zu verbannen. Denn was als Bildungsdiskussion daher kommt, ist im Grunde genommen eine Abspaltungsbewegung.

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