Meine nachfolgenden Berechnungen haben nicht nur vor die Argumentationen für die Mindestlohninitiative zu stärken. Vielmehr soll es Transparenz in der Berechnun

Dies weil gerade von Arbeitgeberseite (im Rahmen von GAV-Verhandlungen) Zahlen zu den zukünftigen Mindestlöhnen vorgebracht werden, die nicht stimmen. Aufgrund der vorliegenden Angaben der Initianten, habe ich folgende Berechnung gemacht.

Vorerst will ich aber erwähnen, dass der Initiativtext unter der Bezeichnung „besondere Arbeitsverhältnisse", die nicht unter den Geltungsbereich des Mindestlohnes fallen, die Initianten folgende Anstellungen verstehen. (Diese sind im Gesetzestext nicht festgelegt)

  • Berufslehre
  • Arbeitsverhältnisse mit Minderjährigen
  • Anstellungen mit überwiegendem Ausbildungscharakter (Praktikum, Einarbeitungszeit)
  • Anstellungen im eigenen Familienbetrieb
  • Anstellungen mit überwiegendem gemeinnützigem Charakter (Freiwilligenarbeit)

Die Initiative fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von brutto 22 Fr./h (Referenzjahr 2011). Um auf die runde 4000.- monatlich zu kommen, ist eine 42h-Woche vorgesehen. Um bestehende monatliche GAV-Mindestlöhne mit der Initiative zu vergleichen, sind neben der Arbeitszeit insb. auch der Dreizehnte Monatslohn zu berücksichtigen. Geht man von einem monatlichen Stundenpensum von 42 Stunden aus, ergibt das einen Monatslohn von 4'004.00 Fr. oder 48'048.00 Fr. im Jahr. Rechnet man dieses Jahresgehalt auf die in den GAV’s vertraglich vereinbarten 13. Monatslöhne erhalten wir einen monatlichen Durchschnittslohn von 3696.00 Fr. Somit reichen bei einer 42 Stundenwoche und einem 13mal ausbezahlten Monatslohn 3696.00 Fr. brutto um der Initiative von 22.00 Fr. zu genügen.

Die Mindestlohninitiative erwähnt keine Bestimmungen über die Höhe sonstiger Zuschläge und Abzüge. Ich gehe davon aus, dass (gesetzliche und vertragliche) Zuschläge wie für Nacht- oder Schichtarbeit nicht eingerechnet werden, also separat gewährt werden müssen. Um den Stundenlohn dennoch differenzierter bestimmen zu können, muss die unterschiedliche Anzahl Ferien berücksichtigt werden. Ausgehend davon, dass 4 Wochen Ferien obligatorisch sind, werden im Folgenden der Prozentuale Unterschied für 5, respektive 6 Wochen Ferien berücksichtigt.

  • Lohnbestandteil 4 Wochen Ferien: 8.33% ist die gesetzliche Grundlage, daher in 22.00 Fr. enthalten.
  • Lohnbestandteil 5 Wochen Ferien: 10.64% somit Unterschied zu 4 Wochen: 2.31%
  • Lohnbestandteil 6 Wochen Ferien: 13.04% somit Unterschied zu 4 Wochen: 4.71%

Ziehen wir die Differenz von 2.31% bei einem monatlichen Stundenpensum von 42 Stunden und 5 Wochen Ferien dem Monatslohn von 3696.00 Fr. ab, erhalten wir einen monatlichen Grundlohn von 3610.60. Ziehen wir die Differenz von 4.71% bei einem monatlichen Stundenpensum von 42 Stunden und 6 Wochen Ferien dem Monatslohn von 3696.00 Fr. ab, erhalten wir einen monatlichen Grundlohn von 3521.92 Fr.

Aus diesen zwei Varianten der berechneten Monatslöhne ergeben sich nun folgende Stundenlöhne:

  • Variante mit 5 Wochen Ferien ergibt einen Stundenlohn in 13 Tranchen von 21.50 Fr.
  • Variante mit 6 Wochen Ferien ergibt einen Stundenlohn in 13 Tranchen von 20.96 Fr.

Die von mir aufgestellte Berechung wurde möglichst transparent aufgeteilt und berechnet. Eine Vielzahl an undefinierten Werten in der Mindestlohninitiative lassen eine genauere Berechnung und Bestimmung des effektiven Netto-Stundenlohnes zu diesem Zeitpunk nicht zu. Denn im Gesetzestext
wird nicht festgehalten, welche Lohnbestandteile im geforderten Mindestlohn enthalten sind. Dies würde erst nach erfolgreicher Abstimmung ausgehandelt werden. Die obige Ausführung zeigt aber, dass die Höhe der Monats- und Stundenlöhne je nach Berechnung eher tiefer ausfallen. Obwohl die Initiative mit der runden Zahl von 4000.- Fr monatlich wirbt, entspricht dies nicht der Wahrheit, denn die Mindestlohninitiative fordert einen festgelegten Stundenlohn. In vielen GAV wird jedoch der Monatslohn verhandelt.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein staatlicher Mindestlohn von Fr. 22.00 die bessere Lösung ist, als sich in den GAV-Verhandlungen das Traktandum „Löhne“ meistens als „unverhandelbar“ vor die Nase setzen zu lassen.

Ob eine kleine Mehrheit der Schweizer das auch so sieht, werden wir am 18. Mai erfahren.

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