Sicherheit beginnt in der Luft

DIE SCHWEIZER LUFTWAFFE blieb am Boden, als sich vor gut drei Wochen ein entführtes äthiopisches Flugzeug Genf näherte und eine Stunde lang über Schweizer Boden kreiste. Die Maschine landete schliesslich in Begleitung zweier französischer Kampfjets, die im Raum Montblanc zwei italienische Eurofighter ablösten, sicher in Genf. Der Spott war gross: Von der „Süddeutschen Zeitung“ bis zur „Washington Post“ lachte die halbe Welt über unsere Luftwaffe, die nur zu Bürozeiten intervenieren könne. Und auch in der Schweiz machten sich gewisse Politiker und Medien über die Armee lustig. So unterstellte etwa der „Blick“ den Schweizer Piloten, sie hätten „wohl noch im Bett gelegen“. Das ist scheinheilig, waren es doch genau die jetzigen Spötter, die in der Vergangenheit alles dafür taten, dass der Armee Mittel entzogen werden.

DIE SITUATION ist nicht neu: Die Schweiz hatte noch nie die Fähigkeit, im Luftraum rund um die Uhr intervenieren zu können. Bis vor wenigen Jahren konnte der Luftraum nachts nicht einmal überwacht werden. Dies ist nun dank der Sensortechnik Florako gesichert – eine Intervention während 24 Stunden ist hingegen nach wie vor nicht möglich. Dass sich dies ändern und unsere Luftwaffe die Fähigkeit erlangen muss, im Luftraum auch intervenieren zu können, zeigt die Flugzeugentführung in Genf. Es ist nämlich durchaus denkbar, dass bei einem nächsten Mal der Täter nicht bloss Asyl in der Schweiz will, sondern terroristische Ziele verfolgt.

AUCH IN FRIEDENSZEITEN ist es dringend notwendig, den Luftraum jederzeit schützen zu können – auch zugunsten der Zivilluftfahrt. Dies kann nun einmal nur die Armee, existiert doch im Luftraum keine Polizei. Dafür braucht es zwingend Kampfflugzeuge. Und weil die Luftwaffe auch fähig sein muss, den Luftraum aufzuklären und aus eigener Kraft zu verteidigen, brauchen wir unsere eigenen Flieger. Eine Kooperation mit einem anderen Staat wäre nicht mit dem Neutralitätsprinzip vereinbar. Mit anderen Worten: Die Schweizer Luftwaffe ist und bleibt für unsere Sicherheit unverzichtbar. Deshalb sollten wir sie auch zeitgemäss und glaubwürdig ausrüsten – insbesondere dann, wenn sie rund um die Uhr intervenieren können soll.

DIE VERALTETEN F-5 TIGER können weder nachts noch bei schlechter Sicht Einsätze fliegen. Sie genügen den heutigen Anforderungen des Luftpolizeidienstes und der Luftverteidigung nicht mehr. Bleiben die 32 F/A-18. Die sind zwar gut, reichen aber allein nicht aus, um unseren Luftraum auf Dauer zu schützen – bei einer permanenten Präsenz von zwei Patrouillen in der Luft wäre die Durchhaltefähigkeit keine zwei Wochen gewährleistet. Die F/A-18 müssen deshalb mit weiteren Flugzeugen ergänzt werden. Insofern braucht es den Gripen – ein solider und tauglicher Kampfjet, der den Schweizer Bedürfnissen absolut gerecht wird. Damit kann die Schweiz den Luftraum jederzeit schützen. Und das ist entscheidend, denn Sicherheit für Land und Leute beginnt in der Luft.

Christian Werner (Olten) ist Jurist, Gemeinde- und Kantonsrat, Vizepräsident der kantonalen Justizkommission sowie Präsident der städtischen SVP. In der Armee kommandiert der Hauptmann die Aufklärungskompanie 5/1.

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