Mühleberg vom Netz jetzt: Nicht nur aus Sicherheit sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht!

Der Entscheid zum Abschalttermin des AKW Mühleberg ist gefällt. Die genauen Kosten der Nachrüstungen für einen Betrieb bis 2019 sind noch nicht im Detail bekannt oder wollen nicht veröffentlicht werden. Diese Verzögerungstaktik dient dazu, noch die Abstimmung über die Initiative "Mühleberg vom Netz" abzuwarten. Sollten die Stimmbevölkerung die Initiative annehmen, würde die BKW von extern gezwungen abzuschalten und könnte unter Umständen noch Entschädigungszahlungen einfordern.

Die Kosten für den Betrieb bis 2019 rechnen sich auch mit deutlich tieferen Kosten für die Nachrüstung nicht. Die genannten minimalen Investitionskosten von rund 15 Mio CHF machen auf die Restlaufzeit von 5 Jahren (bis 2019) oder einer Produktionsmenge von 15 TWh, eine optimaler Nutzung und ohne längere Unterbrüche (was bei einer Umrüstung jedoch zweifelhaft ist) vorausgesetzt, zwar nur rund 0.1 Rp/kWh höhere Gestehungskosten aus. Die aktuellen Gestehungskosten des AKW Mühleberg betragen inklusive Abgabe in den Stillegungsfonds und Entsorgungsfonds somit rund 9 Rp/kWh. Im Vergleich zu den aktuellen Gestehungskosten für Bandenergie gemäss Swissix in 2013 von unter 6 Rp/kWh produziert Mühleberg also Strom 3 Rp/kWh teurer als der aktuelle Marktpreis. Ohne buchhalterische Tricks vernichtet die BKW mit dem Betrieb des AKW Mühleberg bis 2019 also mit jeder kWh produziertem Strom 3 Rappen. Bei 3 TWh/Jahr sind das rund 90 Mio CHF pro Jahr.

Mit den eingesparten „Verlust-Kosten“ bei einer sofortigen Abschaltung von rund 450 Mio kann der Wert des AKW, der gemäss Bilanz noch 350 Mio CHF beträgt, abgeschrieben werden. Warum Mühleberg nach so in der Bilanz aufgeführt ist nicht nachvollziehbar, da die festgelegte Betriebsdauer von 40 Jahren 2012 erreicht wurde und Mühleberg nie eine 50-jährige Betriebsbewilligung erhielt.

Bei einer sofortigen Stillegung fällt laut BKW ein zusätzlicher Rückstellungsbedarf von 200 Mio CHF an (dieser zusätzliche Bedarf folgt wiederum aufgrund einer Reduktion der Rückstellung für die Stilllegung und Entsorgung im 2009 als die BKW noch von einer Betriebsdauer von 50 Jahre ausging, notabene ohne definitive Betriebsbewilligung) sowie eine Nachzahlungspflicht in den Stillegungs- und den Entsorgungsfonds 223 Mio CHF an. Auf der anderen Seite würden bei einer sofortigen Stillegung weniger hochradioaktiver Abfälle anfallen, welche später entsorgt und gelagert werden müssen was zu Minderkosten für die Entsorgung im Bereich von 100 bis 300 Mio CHF führen könnte.

Fazit
Nicht nur aus Sicherheit sonder auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht es Sinn, das AKW Mühleberg sofort still zulegen. Damit werden wir als Konsumenten und Aktionäre vor neuen Kosten für die Behebung von Mängeln geschützt und produzieren Strom nicht über den üblichen Marktkosten. Als Mehrheitsaktionär sollte sich der Kanton für eine sofortige Stillegung stark machen und den mit dem kantonalen Energiegesetz 2011 eingeleitete Weg mit alternativen Energien und einer effiziente Nutzung der Energie konsequent umsetzen.

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