Nein zur Einheitskasse – Ja zu echten Lösungen

Einmal mehr dürfen wir über die Idee der Einheitskrankenkasse diskutieren. Die vorliegende Volksinitiative für eine öffentliche Gesundheitskasse hält nicht, was sie verspricht. Sie reduziert weder die Kosten und die Bürokratie, noch steigert sie die Qualität im Gesundheitswesen. Warum?

Die Initianten versprechen, dass es einfacher und billiger wird. Ich sage Ihnen: es wird komplizierter und teurer! Mit der Einheitskasse gibt es nur noch eine Kasse und nur noch eine Prämie pro Kanton. Der Wettbewerb zwischen den Kassen fällt weg. Es gibt dann keine günstigeren Kassen mehr, es gibt auch keine günstigeren Prämienregionen mehr und auch interessante alternative Versicherungsmodelle entfielen. Konsequenz: Wir werden erstens mehr bezahlen müssen und zweitens, wenn wir unzufrieden sind, können wir die Kasse nicht einmal mehr wechseln. Es besteht die Gefahr, dass der Service abgebaut wird und Innovationen auf der Strecke bleiben. Wollen wir dies wirklich?

Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt. Der Zugang ist weltweit Spitze und wir schieben keinen Schuldenberg vor uns her. Die Schweiz kann sich ein gut funktionierendes System leisten. Im Vergleich mit anderen Industrienationen hatte die Schweiz bei den Gesundheitsausgaben – gemessen am BIP – in den letzten Jahren eine der tiefsten Wachstumsraten. Das System sollte deshalb weiter optimiert und reformiert werden.

Heute haben die meisten Versicherten die Grund- und die Zusatzversicherung beim Versicherer ihres Vertrauens abgeschlossen. Sie wollen die Betreuung und den Service aus einer Hand. Mit der Einheitskasse werden alle gezwungen, die Grundversicherung bei der Einheitskasse abzuschliessen. Dadurch gehen wertvolle Synergien verloren. Für die Kunden, aber auch für die Leistungserbringer, wird es dadurch kompliziert: Wo muss ich welche Rechnung einreichen? Was ist, wenn auf einer Rechnung der Grundversicherung doch Nicht-Pflichtleistungen auftauchen? Diese Trennung würde allein die Bürokratie fördern und niemandem etwas bringen.

Alleine der Systemumbau auf eine Einheitskasse wird rund 2 Mia Franken kosten. Der Aufbau einer neuen Organisation mit Infrastruktur, Personal und Informatikmittel wird Jahre dauern und Unsummen verschlingen. Projektrisiken auf Grund der Komplexität sowie all die ungelösten juristischen Fragen wie z.B. der Vermögensübertrag sind da noch nicht eingerechnet.

Den Krankenversicherern wird immer wieder Risikoselektion und Pseudowettbewerb vorgeworfen. Ich kann Ihnen versichern, der Wettbewerb unter den Versicherern ist hart und funktioniert. Seit der Einführung des KVG ist die Anzahl Versicherer von 145 auf rund 60 zurückgegangen. Heute bearbeiten 14 national tätige Versicherungsgruppen 95 % des Marktes. Rund 30 kleine Versicherer sind als Nischenplayer tätig und versichern 5 % der Bevölkerung. Nebenbei darf erwähnt werden, dass viele dieser kleinen Versicherungen wertvolle Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen unseres Landes anbieten.

Nun hat auch der Ständerat eine weitere Verbesserung des Risikoausgleichs verabschiedet und damit die Weichen gestellt, dass sich die Versicherer künftig mehr um die optimale Betreuung von chronisch Kranken kümmern. Die Versicherer haben in den letzten Jahren umfangreiche Case-Management, Betreuungs- und Präventionsprogramme entwickelt. Dazu gehören Angebote wie z.B. Diabetes-Programme wie auch Sturz-Prävention. Leider wird darüber nur wenig berichtet.

Die Verwaltungskosten der Versicherer betragen heute gerade einmal 5 Prozent. 95 % der Prämien sind begründet durch medizinische Leistungen. Wir diskutieren über die 5 Rappen vom Franken, anstelle über die anderen 95 Rappen. Die 5 Rappen sind gut eingesetzt. Alle Versicherungen kämpfen um einen guten Namen und investieren in die Kundenbetreuung und -bindung. Davon profitieren die Kunden spürbar. Der Kunde soll wählen, wo er versichert sein will. Heute kann er dies. Lassen wir ihm diese Freiheit und diskutieren wir endlich über die anderen 95 Rappen vom Franken. Dort liegt das Sparpotential. Darum ist für mich klar: Nein zur Einheitskasse, die nur von den effektiven Herausforderungen im Gesundheitswesen ablenkt. Ja zu echten Lösungen, welche bei den wahren Kosten ansetzen und die Qualität weiter steigern!

89 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.