Im Powerplay um die kantonale Gesundheitspolitik geraten die Patienten häufig aus dem Blickfeld. Stattdessen geht es um Geld, Macht und veraltete Strukturen.

Zu einem „veritablen Schlachtfeld“ habe sich die Gesundheitspolitik im Kanton Bern in den letzten vier Jahren entwickelt, schreibt der „Bund“. Tatsächlich: Der bürgerliche Grosse Rat ging bei der Spitalplanung auf SP-Regierungsrat Philippe Perrenoud los und trug den Sieg davon. Eine erfolgreiche Schlacht schlug die Insel: Sie darf weiterhin Herz-Spitzenmedizin betreiben. Die Spital-Lobbyisten rückten mit neuen Waffen an und lancierten die Spitalstandortinitiative. Auch Tote und Verletzte gab es auf dem Schlachtfeld: In Riggisberg wurde die beliebte aber offenbar zu wenig lukrative Geburtenabteilung geschlossen, in der Spardebatte des Grossen Rates wurden schmerzhafte Abstriche bei der Spitex und in der Psychiatrie gemacht. Vor kurzem wurde bekannt, dass in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion die Ausgaben in diesem Jahr um 60 Mio. Franken höher ausfallen sollen als budgetiert.

Die von der konzeptlosen Gesundheitspolitik Hauptbetroffenen sind die Patientinnen und Patienten. Sie sind Opfer eines Powerplays von verschiedenen Seiten - obwohl sie ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten. Die meisten Patienten möchten möglichst nahe bei ihren Verwandten und Freunden, wenn möglich in ihrer gewohnten Umgebung und zu tragbaren Kosten gepflegt werden. Also ist in der kommenden Legislatur eine weitere Verstärkung der Hausarztmedizin mit dezentralen integrierten Grundversorgungszentren gefragt. Spitex darf nicht gekürzt, sondern muss ausgebaut werden. Wenn wir die Kosten in den Griff bekommen wollen, darf Spitzenmedizin nur noch in einigen wenigen überkantonalen Zentren erbracht werden.
Und die Spitalstandortinitiative? Wir sollten uns endlich vom alten Zopf „jedem Täli sein Spitäli“ verabschieden. Stattdessen muss die Spitallandschaft mutig umgebaut werden – zugeschnitten auf die Patientinnen und Patienten und zugunsten des Portemonnaies von uns allen.

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