Die Blüten des Datenschutzes: Fotofallen zu Jagdzwecken sollen verboten werden - alle andern (Überwachungs-)Kameras auch??

Vor wenigen Wochen habe ich mich darüber gewundert, dass die Berner Datenschutzaufsichtsstelle von den Berner Gemeinden neue Verordnungen und Erlasse zur Nutzung von Fotos auf dem Internet verlangt. Denn dies führte doch tatsächlich dazu, dass einige Gemeinden die Bilder ihrer (wohlgemerkt gewählten) Gemeinderäte vom Netz nahmen. Damals dachte ich, schlimmere Blüten könne der Datenschutz wohl nicht treiben.
Doch weit gefehlt: Basierend auf einer Anfrage eines SP-Nationalrates hat der Bundesrat entschieden, dass er zukünftig Fotofallen zu Jagdzwecken verbieten will. Denn es könnte ja sein, dass ein Pilzsammler oder Spaziergänger im Wald fotografiert würde und dieser einschneidende Eingriff in die Privatsphäre der armen Seele könne nicht geduldet werden. Obwohl die Jäger bereits von ihrem nationalen Verband angehalten werden, die Kameras so zu montieren, dass möglichst keine Menschen fotografiert werden, soll nun also ein neues Verbot her. Und dies nicht wegen Horden von potentiellen zweibeinigen Fotofallen-Opfern, sondern wegen der wenigen Waldbesuchern, welche sich abseits der Wege durchs Unterholz schlagen.
Ich rate dem Bundesrat schon mal vorsorglich auch jegliche Überwachungskameras an neuralgischen Punkten oder bei Geschäften zu verbieten. Am besten werden auch alle Finanzinstitute angehalten, ihre Bankautomaten nicht mehr zu überwachen. Und die Webcams all der Feriendestinationen und die Helmkameras der Skifahrer sollten besser auch gleich abgeschaltet und verboten werden. Damit sich in der Schweiz ja niemand mehr beschweren kann, er sei ungerechtfertigt bildlich festgehalten worden (nachdem er wahrscheinlich bereits selber seine Spuren auf Facebook, beim Grossverteiler, beim Einkaufen mit der Kreditkarte, beim Bezahlen des Zugtickets mit dem Handy oder beim googeln der Destination hinterliess).

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