Zu den Büroöffnungszeiten bei der schweizer Luftwaffe

Nach dem Erscheinen der reisserischen Artikel auf sämtlichen Revolverblättern (auch in ausländischen Medien) über den Büroöffnungszeiten-Skandal der schweizer Luftwaffe haben mich einige Leute gefragt, was ich davon halte und warum die Kohle mit dem aktuellen Budget für einen 24h Pikettdienst nicht ausreicht. Daher versuche ich hier mal öffentlich, dem Unwissen Abhilfe zu schaffen. Zuerst einmal vorneweg an alle, die weinen und sich innerhalb von zehn Tagen schon das zweite Mal für die Schweiz schämen müssen: Vergesst nicht, ihr habt es so gewollt! Ueli Maurer hat es bereits gesagt: Gebt uns die Mittel, dann erledigen wir das. Mehr gibt es gar nicht zu sagen.

  1. Personal: Für einen 24h Pikettdienst wird eine 75 Köpfige Mannschaft benötigt (Piloten, Fluglotsen, Mechaniker, Wartungsmannschaft, Unfallpikett, etc.) welche in drei Schichten von jeweils acht Stunden arbeiten. Dieses Personal kann nicht für die „daily operations“ verwendet werden, da dies vom Arbeitsgesetz her nicht zugelassen ist. Dazu kommt deren Rekrutierung und Ausbildung.

  2. Infrastruktur: Für die Mannschaft muss eine Küche, Aufenthaltsräume und Schlafmöglichkeiten etc. vorhanden sein, welche so dicht beieinander liegen, dass die drei Alarmbereitschaftsgrade eingehalten werden können. Namentlich sind diese „Alpha-Quattro“ (Die Jets erreichen eine Flughöhe von 3‘500m innerhalb von 3-5 Min); „QRA-7“ und „QRA-15“ (Quick reaction alert, die Triebwerke laufen innerhalb von 7 oder 15 Minuten). Dazu kommt, dass bei einem 24h Betrieb eines Flugplatzes, z.B. Payerne immer auch ein zweiter schweizer Militärflugplatz (z.B. Meiringen) parallel dazu betrieben werden muss, damit die Jets im Notfall eine alternative Landemöglichkeit haben. Das Landen auf zivilen Flugplätzen ist nicht möglich, da sich Zürich und Genf vehement dagegen wehren, dass bewaffnete Flugzeuge auf ihren Plätzen landen. Zudem verfügen sie weder über Fanghaken noch Auffangnetze etc.

  3. Flugzeuge: Die zwei Jets welche für den Alarmbereitschaftsdienst eingesetzt werden, dürfen für die „daily operations“ nicht verwendet werden, da diese mit „scharfe Gagle“ bestückt sind, d.h. sie sind vom Rest der Flotte absorbiert. Wenn Flugzeuge den ganzen Tag hindurch während Trainingsmissionen (Bürozeiten) mit scharfer Munition herumjetten, hat dies enorme Kosten zur Folge, denn die Raketen müssen bereits nach einigen hundert Flugstunden zur Revision zurück in die USA. Fliegen mit scharfer Munition bedeutet zudem immer auch ein grösseres Aufgebot der Unfallpikett-Mannschaft. Generell nimmt die Flugstundenzahl zu und die Wartungszyklen werden intensiver.

  4. Politik: Hat zwar nichts mit den Kosten zu tun, aber ich sage es trotzdem: Wie gross wäre wohl der Aufschrei im Volk wenn am Ostersonntag um 12:15 Uhr die Alarmrotte aufsteigen müsste?

Genaue Zahlen kenne ich keine, es handelt sich bei dem ganzen Aufwand aber um einen grösseren siebenstelligen Betrag.

Dieser Puck ist definitiv dem Parlament zuzuschieben

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